"Agilität nicht gleichbedeutend mit Chaos und 'Laissez-faire'"

Claudia Fröhling

Das Thema ,DevOps‘ ist mehr als nur Buzzword-Bingo und wird auch auf der kommenden

JAX: Auf der W-JAX hälst du einen Talk zum Thema „DevOps für den Rest der Welt“. Kannst du den Lesern in wenigen Sätzen erklären, was es mit DevOps auf sich hat?

Oliver Wolf: DevOps ist eine Bewegung, die es sich zum Ziel gesetzt hat, Softwareentwicklung und IT-Betrieb näher zusammenzubringen – also insbesondere Zusammenarbeit, Kommunikation und Integration zwischen diesen traditionell getrennten Organisationseinheiten bzw. Rollen zu fördern. Der Ursprung der DevOps-Idee liegt in der Start-Up-Szene, weil hier Time-to-Market mehr noch als in etablierten Unternehmen der wesentliche Erfolgsfaktor ist. DevOps ist weder eine Technologie noch eine ganz konkrete Methodologie, sondern beschreibt eher eine Sammlung von effizienten Vorgehensweisen, bei denen zum Beispiel eine konsequente Automatisierung aller Entwicklungs- und Deploymentschritte eine große Rolle spielt.

JAX: Wie können Unternehmen mit klassischer IT von den Methoden der DevOps profitieren?

Oliver Wolf: Auch wenn in eher traditionellen Unternehmen eine weitgehende Auflösung der Grenzen zwischen Entwicklung und Betrieb sicherlich kurz- und mittelfristig nicht durchsetzbar ist, können auch diese Unternehmen zum Beispiel von einem höheren Automatisierungsgrad der Prozesse an der Schnittstelle zwischen Entwicklung und Betrieb profitieren. Automatisierung steigert die Effizienz, verringert die Fehlerwahrscheinlichkeit und trägt damit zu höherer Agilität bei.

JAX: Ein Blick in die Zukunft: Wie wird Agilität die Unternehmen im Java-Umfeld in drei Jahren verändert haben? Werden sich die Unternehmen überhaupt verändert haben?

Oliver Wolf: Ich bin fest davon überzeugt, dass sich Unternehmen durch die zunehmende Verbreitung agiler Methoden massiv verändern werden. Wir beobachten diese Veränderung heute schon bei vielen unserer Kunden, die mehr und mehr erkennen, dass Agilität nicht gleichbedeutend ist mit Chaos und „Laissez-faire“, was leider in der Vergangenheit Jahren oft ein (natürlich falsches) Vorurteil war. Die damit einhergehenden Veränderungen wirken sich in praktisch allen Bereichen aus: vom Einkauf, der auch große Projekte zunehmend phasenweise beauftragt, über die Entwicklung, die Projekte iterativ plant und durchführt, bis hin zum Betrieb, wo monatelange Abnahmeprozesse bei kurzen Releasezyklen einfach nicht mehr praktikabel sind. Damit schließt sich dann auch wieder der Kreis zum Thema DevOps.

Oliver Wolf ist Principal Consultant bei der innoQ Deutschland GmbH und beschäftigt sich dort schwerpunktmäßig mit den Themen Software- und Systemarchitektur, DevOps, SOA und Web-Security. Vor seiner Tätigkeit bei innoQ war Oliver unter anderem als Chefarchitekt und Technischer Produktmanager bei einem führenden Anbieter von Open-Source-Integrationslösungen sowie als Berater für einen großen Systemintegrator tätig.

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Claudia Fröhling
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