Ergebnisse der Studie "Digitale Transformation 2018"

Quo vadis Digitalisierung? Wie es um den digitalen Wandel in Deutschland steht

Carina Schipper

© Triff / Shutterstock.com

Das Schlagwort Digitalisierung löst ganz unterschiedliche Reaktionen aus. Das Spektrum reicht von „Himmel, nicht schon wieder“ über „betrifft uns nicht“ bis zu „hochspannendes Thema.“ In einer gemeinsamen Studie sind die Consultingagentur etventure und das Marktforschungsunternehmen GfK der Frage nachgegangen, wie es um die digitale Transformation in Deutschland bestellt ist – die Ergebnisse sind eher weniger rosig.

Im Rahmen der Studie „Digitale Transformation 2018 – Hemmnisse, Fortschritte, Perspektiven“ haben etventure und GfK etwa 2.000 deutsche Großunternehmen befragt. In einem Punkt sind sich rund zwei Drittel (62 Prozent) einig: Die Digitalisierung gehört zu den wichtigsten Firmenzielen. Damit wächst die Zahl derer, die dem digitalen Wandel hohe Priorität einräumen, 2016 lag deren Anteil noch bei 41 Prozent, 2017 bei 50 Prozent. In Sachen Selbsteinschätzung scheinen die Befragten ebenfalls auf einem guten Weg zu sein. Inzwischen sehen sich 42 Prozent beim Thema Digitalisierung gut oder sehr gut aufgestellt. Im Vorjahr hatten das lediglich ein Drittel der Unternehmen angegeben.

Am Selbstbild feilen

Neben den positiven Aspekten wie der verbesserten Selbsteinschätzung förderte die Studie allerdings auch einige Ergebnisse zu Tage, die uns zu denken geben sollten. So klaffen beispielsweise Eigenwahrnehmung der Unternehmen und die Wirklichkeit im Zusammenhang mit dem digitalen Wandel stellenweise weit auseinander. Mehr als die Hälfte der Befragten versteht laut etventure und GfK unter digitalem Wandel nur die Digitalisierung des bestehenden Geschäftsmodells beziehungsweise bestehender analoger Prozesse. Deutlich weniger als ein Drittel (28 Prozent) sprechen vom Aufbau neuer digitaler Geschäftsmodelle.

Bestehendes zu digitalisieren allein reicht nicht aus. Der digitale Wandel bringt neue Herausforderungen mit sich, die sich mit bestehenden Ansätzen und Strukturen nicht bewältigen lassen. Dementsprechend müssen Unternehmen altbekannte, wenn auch bequeme, Modelle hinter sich lassen und ihr Denken neu justieren. Zwar bejahen 49 Prozent der Befragten einen starken oder sehr starken Wandel innerhalb der eigenen Branche, doch nur 21 Prozent prognostizieren ebenso intensive Veränderungen bezüglich des eigenen Geschäftsmodells. Philipp Depiereux, CEO bei etventure, sieht an dieser Stelle ebenfalls Nachholbedarf:

„Wer nur den Fokus auf das bestehende Geschäft legt oder gar nur die IT optimiert, gefährdet die eigene wirtschaftliche Zukunft und Arbeitsplätze. Unternehmen müssen ihr eigenes Geschäftsmodell kritisch hinterfragen und mitunter selbst disruptiv angreifen.“

Never change a running system

„Never change a winning team“ hat der ehemalige britische Fußballnationaltrainer Sir Alf Ramsey einst gesagt. Die IT hat daraus „never change a running system“ gemacht. Diese Weisheit trifft sicherlich vielfach zu – aber nicht im Zusammenhang mit der Digitalisierung. Zwar herrscht in Unternehmen die Einsicht, das Thema angehen zu müssen, an der Umsetzung scheitert es jedoch oft. Unternehmen tun sich schwer damit, alte Strukturen und Prozesse an die neuen Anforderungen anzupassen oder sie falls nötig sogar ganz aufzugeben. Die etventure-Studie definiert mehrere Hürden im Zusammenhang mit der Digitalisierung. Die Mehrheit der Befragten erklärt, die Mitarbeiter im Unternehmen verteidigten bestehende Strukturen (58 Prozent), ähnlich viele sehen einen Mangel an Erfahrung bei nutzerzentriertem Vorgehen.

Daneben wirken die stetig wachsenden Sicherheitsanforderungen, etwa die am 28. Mai 2018 in Kraft tretende DSGVO blockierend. Dieser Faktor gewinnt immer mehr an Bedeutung: Hatten ihn 2016 etwa ein Drittel der Studienteilnehmer als Hemmschuh angeführt, lag der Anteil 2017 schon bei 44 Prozent. Aktuell sieht fast jedes zweite Unternehmen das Thema Security als Hindernis.

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Außer Konkurrenz

Sechs von zehn Unternehmen glauben, in den kommenden drei Jahren auch ohne jegliche Maßnahmen zur digitalen Transformation keine Umsatzeinbußen befürchten zu müssen. Mit der These, dass die Auswirkungen der digitalen Transformation frühestens in drei Jahren wirklich sichtbar sein werden, liegen sie wahrscheinlich richtig. Allerdings sollten sie bedenken: Die Konkurrenz schläft nicht und kommt nicht nur aus dem eigenen Geschäftsfeld. Doch genau dort siedelt die Mehrheit der Befragten den Wettbewerb an. Tech-Konzerne wie Google oder Amazon wirken weniger bedrohlich (22 Prozent), von Startups geht laut der Studienergebnisse so gut wie keine Gefahr aus (sieben Prozent).

Diese Einschätzung könnte sich allerdings als fataler Fehler erweisen. Wer nicht flexibel ist, sich nicht an den Markt anpassen kann und an festgefahrenen Strukturen festhält, läuft Gefahr, von anderen überholt zu werden. „Die Tech-Unternehmen und Startups sind heute die gefährlichsten Angreifer. Beispiele wie Netflix, Uber oder AirBnB zeigen, wie digitale Quereinsteiger mit neuen Geschäftsmodellen die Kundenschnittstelle besetzen und innerhalb kürzester Zeit ganze Industrien ins Wanken bringen können”, erklärt Philipp Depiereux. „Was bislang vor allem die B2C-Branche erfahren musste, droht auch anderen, klassischen Industrien. Die Traditionsunternehmen aus dem B2B-Bereich müssen sich die Erfolgsrezepte der digitalen Player – Schnelligkeit, Daten-Kompetenz und kundenzentrierte Methodik – zu eigen machen, wenn sie nicht Stück für Stück vom Markt verdrängt werden und die Schnittstelle zum Kunden verlieren wollen.“

Geschrieben von
Carina Schipper
Carina Schipper
Carina Schipper ist seit 2017 Redakteurin beim Java Magazin, Business Technology und JAXenter. Sie hat Germanistik und Europäische Ethnologie / Volkskunde an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg studiert.
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