Neues vom Androiden-Planeten

Planet Android: Machine Learning für alle mit dem ML Kit & Riesendisplay ohne Notch

Marcel Richters
Planet Android

Eigentlich wollten wir uns zu dem Thema nicht mehr äußern aber… Es gibt jetzt ein serienreifes Smartphone ohne Notch, dafür mit umso mehr Bildschirm! So, das musste raus. Außerdem dabei: mit dem ML Kit will Google das Machine Learning für alle zugänglich machen und die Release-Zyklen für Android werden kürzer.

95% Bildschirm, 100% ohne Notch

Dass der Notch nicht der Weisheit letzter Schluss ist, darüber waren sich ja die meisten Kommentatoren ziemlich einig. Und scheinbar wollten sich auch die Ingenieure beim chinesischen Hersteller Lenovo nicht mit der Delle im Bildschirm abfinden. Jetzt zeigt sich erstmals, wie das aussehen könnte. Lenovo hat kürzlich erste Bilder des Z5 veröffentlicht, dessen Vorderseite zu 95% aus Bildschirm bestehen und keinen Notch haben soll.

Wie genau das funktioniert, werden wir wohl erst erfahren, wenn das Gerät vorgestellt wird. Vielleicht – und das wäre wirklich eine Innovation – spart man sich einfach die „Selfiekamera“. Denn was Selbstverliebte Instagramer in den Wahnsinn treiben dürfte, wäre wahrscheinlich für viele andere Menschen ein wahrer Segen. Und die Zahl der Idiotenszepter Selfiesticks Tourihotspots könnte auch zurück gehen.

Eines der zwei Bilder, die Chang Cheng, Vizepräsident der Lenovo Gruppe, kürzlich auf Weibo veröffentlicht hat. Quelle: @常程, Weibo.

Übrigens gibt es ein Smartphone, das mit ganzen 98% Display auf der Vorderseite dem Z5 Konkurrenz machen könnte. Allerdings handelt es sich beim Vivo Concept, wie der Name schon sagt, bisher nur um ein Konzept. So oder so tritt damit ein Android-Anbieter mal wieder den Beweis an, dass echte Innovationen schon längst nicht mehr von Apple kommen. Und überhaupt: Wer hätte den Notch schon als Innovation bezeichnen wollen?

Lasst uns wissen, was ihr vom Notch haltet!

Der Display Notch – sinnvoll oder grauenvoll?

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ML Kit oder ML-Büchse (der Pandora)?

Wie schon die Google I/O letzte Woche gezeigt hat, ist Machine Learning in aller Munde. Und dank dem ML Kit von Google soll es bald auch auf allen Smartphones ankommen. Das Kit von Google liefert eine Reihe APIs, mit denen Machine Learning in Apps integriert werden kann. Derzeit sind fünf APIs verfügbar:

  • Image Labeling – Objekte, Orte, Aktivitäten, Tierarten, Produkte und mehr sollen sich in Bildern identifizieren lassen.
  • Barcodescanning – Keine zusätzliche App ist mehr für Barcodes nötig.
  • Texterkennung – Text erkennen und aus Bildern extrahieren
  • Wahrzeichenerkennung – Berühmte Wahrzeichen in Bildern erkennen.
  • Gesichtserkennung – Gesichter und markante Stellen in Gesichtern erkennen.

Bald werden wohl auch intelligente Antworten verfügbar sein. Mit dieser Funktion können Apps lernen, Antworten im jeweils aktuellen Kontext vorzuschlagen. Die jeweiligen Funktionen sind bis auf die Wahrzeichenerkennung alle lokal verfügbar, Texterkennung und Image Labeling werden zusätzlich auch in der Cloud angeboten.

Google verspricht, dass Apps so personalisierter und hilfreicher werden und zu mehr Interaktion durch Nutzer führen. Außerdem brauche es kein tiefgehendes Wissen über Neuronale Netze, sondern nur ein paar Zeilen Code. Damit kann also jeder immer und überall ein bisschen Machine Learning in seine Apps einbauen. Und mit jeder App besteht die Möglichkeit, mehr Daten zu sammeln und zu verarbeiten, denn das ist schließlich der Kern des Machine Learning.

Ein wenig erinnert das an den Anfang des Atomzeitalters. Das Atom als saubere und sichere Energiequelle sollte Autos und Flugzeuge antreiben und der Menschheit den Weltfrieden bringen. Aus der Umsetzung wurde dann allerdings nichts – zu gefährlich. Das allgegenwärtige Machine Learning ist jetzt aber schon da, über die Gefahren muss sich niemand mehr Gedanken machen. Wer sich lieber Gedanken darüber macht, seiner App Machine-Learning-Fähigkeiten zu verleihen, kann sich auf der Website zu ML Kit umschauen.

Schnellere Android-Updates mit Project Treble

Viele unserer Leser (der Autor dieser Kolumne eingeschlossen) haben sich vielleicht schon einmal gewundert, wieso selbst Spitzenmodelle oftmals nicht mit der aktuellsten Android-Version ausgeliefert werden. Google hat jetzt dafür eine Erklärung – und noch viel besser – eine Lösung geliefert.

Am Anfang einer jeden Android-Version steht die Entwicklung der Software, dann die Adaption durch die Chip-Hersteller und schließlich die der Geräteproduzenten. Diese Zeiträume können sich allerdings stark überschneiden (siehe Grafik 1), sodass Gerätehersteller, die ihre neuen Smartphones gerne noch vor dem Weihnachtsgeschäft veröffentlichen möchten, oftmals auf ältere Android-Versionen zurückgreifen, um keine Verzögerungen bei der Produktion zu riskieren.

Grafik 1: Bisher überschneiden sich die Arbeiten an Android, Chips und OEMs. Quelle: Google.

Um dieses Problem anzugehen, hat sich Google entschlossen, enger mit den drei großen Chip-Herstellern für Android (Mediatek, Qualcomm und Samsung) zusammenzuarbeiten. So soll die Entwicklung der sogenannten Board Support Packages, also der „Grundsoftware“, beschleunigt werden.

Android

Grafik 2: Mit der verbesserten Zusammenarbeit zwischen Google und Chip-Herstellern sollen auch die Release-Zyklen verbessert werden. Quelle: Google.

Upgrades und Launches müssen dann nur noch von den Geräteherstellern vorgenommen werden, wodurch sich der entsprechende Zyklus stark verkürzen soll. Für Entwickler bedeutet das dann natürlich, dass sie ebenfalls früher von den Neuerungen profitieren. Und für Google, dass sich Chiphersteller noch ein bisschen enger an das Unternehmen binden. Genauere Infos zum Project Treble gibt es auf dem Android Developer Blog.

Der Planet Android ist bunt, dreht sich schnell, entwickelt sich ständig weiter. Wir bleiben neugierig und beobachten ihn weiter – bis bald!

Geschrieben von
Marcel Richters
Marcel Richters
Marcel hat Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt am Main studiert und danach als E-Commerce-Manager gearbeitet. Seit Februar 2018 unterstützt er das Team von JAXenter als Redakteur. Daneben arbeitet er als freier Journalist in der Mainmetropole.
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