Neues vom Androiden-Planeten

Planet Android: Fuchsia OS, ein Pokémon Go Controller und der Ort mit der weltweit besten Netzabdeckung

Kypriani Sinaris
Planet Android

© Software & Support Media

In dieser Planet-Android-Ausgabe ist für jeden etwas dabei: Die Zocker unter Ihnen könnten an dem neuen Pokémon-Go-Controller Gefallen finden. Die NSA findet die Entschlüsselungstechnik RetroScope bestimmt interessant. Und die Globetrotter können Ihre Erfahrungen mit dem Netzempfang in verschiedenen Ländern mit dem ersten globalen State of Mobile Networks Report abgleichen – im Android-Potpourri der Woche.

Fuchsia: Juhu, ein neues OS!

Google arbeitet an einem neuen Betriebssystem mit dem Namen Fuchsia. Erste Hinweise finden sich in einem initialen Commit, einer Datei namens fuchsia, die im Git-Repository zu finden ist. Ihr Inhalt macht neugierig: „Pink + Purple == Fuchsia (a new Operating System)“.

Fuchsia soll nicht wie Android und Chrome OS auf Linux basieren. Der sogenannte Magenta-Kernel beruht auf LittleKernel. LittleKernel könnte Ihnen schon mal im Zusammenhang mit Qualcomm Chipsets begegnet sein. Qualcomm nutzt den Kernel als Basis für Prozessoren-Bootloader für Android Apps . Entwickelt wurde das Little-Kernel- Projekt übrigens von bekannten Gesichtern der Szene: Dahinter stecken Travis Geiselbrecht, Brian Swetland und Dima Zavin – alle drei sind Entwickler bei Google, die unter anderem auch bei NewOS mitgearbeitet haben.

Die Kollegen von Android Authority spekulieren, dass Google mit Fuchsia möglicherweise ein VR- oder Home-Automation-Gerät plant, dass vollständig auf Dart läuft. Google hat seine Programmiersprache in der letzten Zeit deutlich gepusht – ein Zeichen? Gleichzeitig sieht Android Authority Fuchsia weniger auf Kleingeräten, sondern eher in Geräten, die größer sind als Smartphones. Das klingt plausibel, schließlich ist nicht nur Dart, sondern auch der Bereich VR bei Google mächtig im Kommen. Zu Fuchsia kursieren  einige Gerüchte und Interpretationen im Netz, so richtig einschätzen mögen das OS noch wenige. Wir bleiben dran.

„Da kommst du nicht rein!“ – Komme ich wohl!

Smartphones sind heutzutage immer öfter auch Beweismittel bei Verbrechen. So können sich darauf nicht nur im Bezug auf Cyber-Kriminalität wichtige Daten befinden, die bei der Aufklärung weiterhelfen würden. Bei der diesjährigen Sicherheitskonferenz USENIX, die von einer Vereinigung von Betriebssystem-Entwicklern, Forschern und Benutzern veranstaltet wird, haben Sicherheitsexperten nun Spannendes präsentiert. In dem dazu veröffentlichten Paper heißt es:

We demonstrate a powerful smartphone memory forensics technique, called RetroScope, which recovers multiple previous screens of an Android app — in the order they were displayed — from the phone’s memory image.

Mit RetroScope solle es also möglich sein, nachzuvollziehen, in welchem Ablauf der User welche Aktionen ausgeführt hat. Mögliche Beispiele: Geld-Transaktionen, Online-Chats oder der Bearbeitungsverlauf eines Dokuments. Dabei arbeitet RetroScope App-agnostisch, es braucht also kein Wissen über den Aufbau einer App. In dem Paper wird betont, dass eine der stärksten Eigenschaften von RetroScope ist, dass es auch verschlüsselte Kommunikation rekonstruieren kann und bereits gelöschte Nachrichten zum Vorschein bringt. Getestet wurde die Technik mit verschiedenen Apps wie WhatsApp, Telegram oder Gmail und auf drei unterschiedlichen Android-Geräten. Das Paper finden Sie vollständig hier.

Außerdem können Sie hier eine kleine Demonstration zu der Funktionsweise von RetroScope finden:

Ein Mal Augmented Reality und zurück

Okay, zugegeben: Das ist jetzt eigentlich kein Android-Thema im engeren Sinne. Aber Pokémon Go wird auf Android-Geräten gespielt, von daher ist der Zusammenhang auch nicht komplett aus der Luft gegriffen. Denn grade passiert etwas auf Kickstarter, das schon wirklich skurril ist. Hier bittet ein echter Pokéball um Finanzierung. Richtig gelesen. Dabei handelt es sich um einen – logischerweise – kleinen rot-weißen Ball, der mit der App vernetzt ist. Erscheint ein Pokémon, kann man den Real-Life-Ball danach werfen oder diesen Wurf nur andeuten. Auf dem Bildschirm sieht man analog den virtuellen Ball fliegen.

Pokéball

Kickstarter-Kampagne Pokéball, Quelle: Kickstarter

Damit kehrt man quasi aus der Augmented Reality zurück in die echte Reality, zumindest teilweise. Der Entwickler erklärt dazu:

In the exact same way you would use your remote from your favorite consoles, you can also use the ball as a handheld gestured remote for the game. This is great if you are in a hard to reach area, or there is water or some other obstacle that may harm your trainer ball.

Na, wurde Ihr Interesse geweckt? Der Kinetic Motion Controller hat noch 43 Tage, bis er sein Finanzierungsziel erreicht haben muss, von den anvisierten 25.000 USD sind bisher nur 3.156 auf dem Konto. Ob der Pokéhype noch über 20.000 USD zusammenkratzen kann?

Vernee-Smartphones: längeres Leben durch einfache Reparatur

Hätten die Macher der Gameshow Familien-Duell 100 Leute nach Smartphone-Herstellern gefragt, dann wären die drei häufigsten Antworten wohl Samsung, Apple oder HTC. Kennen Sie aber Vernee schon? Das Unternehmen wurde erst im Februar 2016 gegründet. Sympathiepunkte sammelt Vernee mit dem Slogan „Nachhaltiges Design, einfache Reparatur und haltbare Qualität“. Denn bei den Smartphones sind die Teile nicht fest verbaut und können ausgetauscht werden. Man braucht also nicht gleich ein neues Smartphone, wenn einzelne Komponenten defekt sind.

Butter bei die Fische: Momentan hat Vernee drei Smartphones im Angebot. Optisch unterscheiden sich das Apollo, Apollo Lite und Thor nur leicht voneinander, preislich bewegen sich die Smartphones zwischen 179 und 299 €, wobei das Vernee Apollo bisher nur vorbestellt werden kann. Software-seitig kommen die Geräte mit dem aktuellen Android Marshmallow daher. 4G LTE versprechen schnelles mobiles Surfen. Eine 16 MP Rückkamera im Apollo Lite und 13 MP beim Thor versprechen ganz gute Schnappschüsse. Gerade das Apollo Lite soll wohl Hobbyfotografen und -filmer ansprechen: Denn mit 4K Videos und großzügig erweiterbarem Speicher (bis 128 GB) sind der Kreativität wenige Grenzen gesetzt. 128 GB? iPhone-Besitzer träumen davon.

Wenn man 100 Leute fragen würde, welche Smartphone-Hersteller es gibt, dann würde Vernee wohl auch in zwei, drei Jahren nicht in den fünf meistgenannten Antworten vorkommen – ein interessanter neuer Player auf dem Markt ist es aber trotzdem.

Der Global State of Mobile Networks

OpenSignal hat den ersten globalen Bericht zur Verfügbarkeit von mobilen Netzen veröffentlicht. Das Ergebnis: In Südkorea wurde mit 41,3 Mbps die schnellste Verbindung gemessen, in Afghanistan liegt mit 2,2 Mbps das langsamste Netz vor. Auf Platz zwei findet sich Singapur, gefolgt von Ungarn, Australien und Dänemark. Deutschland ist im oberen Mittelfeld, auf einem ähnlichen Level wie Portugal, Frankreich und Italien. Bei der Verfügbarkeit von 3G-/4G-Verbindungen sieht es aber schlechter aus: Hier ist Deutschland im unteren Drittel. Viele Länder haben da mehr zu bieten, zum Beispiel Vietnam oder Mexiko. Das größte WiFi-Netz hat der Statistik zufolge die Niederlande zu bieten. Hier laufen 70 Prozent der gemessenen Smartphone-Verbindungen über ein WiFi, gefolgt von China, Neuseeland und Trinidad und Tobago. Die gesamte Statistik finden Sie bei OpenSignal.

Der Planet Android ist bunt, dreht sich schnell, entwickelt sich ständig weiter. Wir bleiben neugierig und beobachten ihn weiter – bis nächste Woche!

Geschrieben von
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris
Kypriani Sinaris studierte Kognitive Linguistik an der Goethe Universität Frankfurt am Main. Seit 2015 ist sie Redakteurin bei JAXenter und dem Java Magazin.
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