Neues vom Androiden-Planeten

Planet Android: Bluetooth bekommt Schwung und Poly versammelt 3D-Modelle

Carina Schipper

© Software & Support Media

Das Smartphone via Bluetooth mit einem Zubehörgerät zu verbinden ist manchmal gar nicht so einfach. Zwischen den beiden kann ein undurchdringliches Dickicht an Einstellungen liegen. Wenn es nach Google geht, gehört mit Fast Pair ein solches Szenario bald der Vergangenheit an.

Google gibt Gas in Sachen Bluetooth

Fast Pair heißt die neue Bluetooth-Tool von Google. Manch einer wird es sicherlich schon erraten haben, es geht dabei vor allem um Schnelligkeit. Mit der neuen Methode sollen sich Smartphone und geeignetes Zubehör schneller verbinden lassen. Funktioniert doch auch so schon, werden Sie jetzt vielleicht sagen. Das tut es, allerdings muss sich der geneigte Smartphonebesitzer nicht selten sozusagen erst mit der Machete durch einen dichten Einstellungsdschungel schlagen, bevor er endlich Musik aus seinen Bluetooth-Kopfhörern erklingt. Mit Fast Pair gehört das laut Google der Vergangenheit an. Das gilt zumindest für diejenigen, die Android Marshmallow oder neuer und den Google Play Services 11.7 (oder neuer) verwenden. Bei ihnen wird zukünftig eine Benachrichtigung im Display aufploppen, sobald sich Smartphone und Fast-Pair-fähiges Gerät näher kommen. Der Haken dabei: beide Geräte müssen Fast-Pair-fähig sein. Bis dato unterstützen die Kopfhörer Google Pixel Buds, Libratone Q Adapt On-Ear und Plantronic Voyager 8200 diese Funktion.

Stellt sich die Frage, wie genau das mit diesem superschnellen Bluetooth läuft? In Schritt eins sucht Android nach einem Bluetooth-Low-Energy-Broadcast-Signal. Im Pairing-Modus strahlt ein Fast-Pair-Gadget dieses Signal aus. Zusätzlich müssen noch Google Nearby, Bluetooth und die Standortbestimmung aktiv sein. Das Signal enthält Identifizierungsinformationen, was uns zu Schritt zwei führt. Android verwendet die Infos, um bei Google nach Namen und Bild des betreffenden Geräts zu fragen. Die Benachrichtigung auf dem Display des Benutzers erscheint. Tippt dieser auf „Koppeln“, verbinden sich die beiden Geräte im Hintergrund über Standard-Bluetooth-Methoden. Das alles klingt im ersten Moment nicht unbedingt spektakulär, allerdings spricht nichts gegen ein flotteres Bluetooth-Pairing. Allerdings hat Fast Pair einen kleinen, aber für Benutzer nicht ganz unwichtigen Schönheitsfehler. Es ist vorerst nur Produkten aus „Made for Google“, dem Zubehörprogramm des Konzerns, vorbehalten. Hardware-Hersteller könnten sich aber gerne in Mountain View melden, um ihre Geräte mit der neuen Funktion auszustatten, so Google.

GNSS Analysis Tools werten Messergebnisse aus

Am 30. Oktober hat Google die Global Navigation Satellite System (GNSS) Analysis Tools vorgestellt. Sie sind die logische Konsequenz dessen, was der Konzern im letzen Jahr eingeführt hat. Damals noch in Android Nougat implementierten die Entwickler APIs für den Abruf von Rohmessungen des Global Navigation Satellite System (GNSS) von Android-Geräten. Die GNSS Analysis Tools dienen ab sofort dazu, die Messungen zu verarbeiten und zu analysieren. Android läuft auf über 2 Milliarden Geräten und Android-Phones werden von vielen verschiedenen Herstellern produziert. Das Hauptziel der neuen Tools liegt darin, Geräteherstellern die Möglichkeit zu geben, im Detail zu sehen, wie gut die GNSS-Empfänger in jedem einzelnen Gerätedesign funktionieren und so das Design und die GNSS-Leistung ihrer Geräte zu verbessern. Mit den öffentlich zugänglichen Tools wird aber auch der Forschungs- und App-Entwickler-Community ein erheblicher Wert beigemessen.

Bedienungsanleitung

Das GNSS Tool ist eine Desktop-Anwendung, die die GNSS-Messungen, die von einem Android-Gerät als Eingabe protokolliert wurden, in Rohform aufnimmt. Es stellt interaktive Diagramme zur Verfügung, die in drei Spalten organisiert sind und das Verhalten von RF, Uhr und Messungen anzeigen. Diese Daten ermöglichen, das Verhalten des GNSS-Empfängers detailliert anzusehen, einschließlich des Empfängertakt-Offsets und Drift in der Größenordnung von einer Nanosekunde und einem Milliardstel sowie Messfehler auf Satelliten-zu-Satelliten-Basis. Damit lassen sich anspruchsvolle Analysen auf einem Niveau durchführen, das bisher nur den Chipherstellern selbst vorbehalten war. Die Tools unterstützen Multi-Konstellation (GPS, GLONASS, Galileo, BeiDou und QZSS) und Multi-Frequenz.

Satellitenpositionen für L1-, L5-, E1- und E5-Signale, die von einem Dual-Frequenz-Chip verfolgt werden (Quelle: Android Developers Blog)

Die Werkzeuge bieten einen interaktiven Kontrollbildschirm, von dem aus sich Diagramme bearbeiten lassen. Von diesem Kontrollbildschirm aus kann der Anwender die Hintergrundfarbe ändern, die Menüleisten zum Drucken oder Speichern aktivieren und bestimmte Satelliten für die Plots auswählen. Zusätzlich liefern die GNSS Analysis Tools automatische Testberichte von Empfängern. Der Bericht wertet die API-Implementierung, das Empfangssignal, das Taktverhalten und die Messgenauigkeit aus. In jedem Fall wird er PASS oder FAIL, basierend auf der Performance im Vergleich zu bekannten Benchmarks, melden. Dieser Testbericht ist in erster Linie für die Gerätehersteller gedacht, da sie sich bei der Konzeption und Implementierung eines neuen Gerätes immer wieder wiederholen.

3D-Objekte für Entwickler

VR und AR sind auch in Deutschland nicht erst seit der diesjährigen Gamescon in aller Munde. Google bietet Spiele- und anderen Appentwicklern bereits einige Tools an, die ihnen bei der Erstellung von VR- und AR-Inhalten helfen sollen. Trotzdem kommt es noch oft vor, dass 3D-Modelle für Anwendungen schwer fallen und viel Zeit fressen. Poly soll dem Ärger um 3D-Modelle ein Ende setzen. Poly ist eine durchsuchbare Datenbank mit 3D-Objekten und -Szenen, die Entwickler in ihren Anwendungen verwenden können. Googles neue Datenbank enthält Tausende von Modellen. Zudem unterstützt sie Remixing und Bearbeitung über die Design-Tools von Google. Und sie ist kostenlos.

Natürlich ist Poly ist für die VR- und AR-Plattformen von Google vorgesehen, aber Entwickler können das 3D-Objekt für alles verwenden, was sie möchten. Die 3D-Datenbank ist in die Designwerkzeuge Tilt Brush und Blocks integriert, so dass der Nutzer .obj-Dateien hochladen und die Objekte, die er auf Poly findet, bearbeiten kann. Der Inhalt ist kostenlos, und Poly schreibt dem ursprünglichen Ersteller eines Objekts automatisch eine Gutschrift zu, wenn ein Entwickler Änderungen vornimmt und eine neue Version erneut hochlädt.

Der Planet Android ist bunt, dreht sich schnell, entwickelt sich ständig weiter. Wir bleiben neugierig und beobachten ihn weiter – bis bald!

Geschrieben von
Carina Schipper
Carina Schipper
Carina Schipper ist seit 2017 Redakteurin beim Java Magazin, Business Technology und JAXenter. Sie hat Germanistik und Europäische Ethnologie / Volkskunde an der Julius-Maximilians-Universität Würzburg studiert.
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