Programmiersprachen als Feinde der Freiheit?

Kurios: Petition an US-Regierung fordert Verbot von Java, JavaScript und Ruby

Michael Thomas

© Shutterstock/keport

Die Idee, die Nutzung bestimmter Programmiersprachen zu verbieten, erinnert zunächst an einen Totalausfall Trumpscher Prägung. Tatsächlich ist aber vor einigen Wochen eine Petition auf dem Online-Portal „We the People“ der amerikanischen Regierung aufgetaucht, die genau dies fordert.

Die von der amerikanischen Regierung betriebene Online-Plattform „We the People“ soll es US-Bürgern leichter machen, von ihrem durch die Verfassung garantierten Petitionsrecht Gebrauch zu machen. Wie für derartige Portale nicht gerade unüblich, finden sich neben wohldurchdachten, eloquent vorgetragenen und unterstützenswerten Adressen jedoch auch allerhand Eingaben, die wahlweise Stirnrunzeln oder schallendes Gelächter provozieren. Gleich zu beiden Kategorien gehört eine aktuell offene Petition, die kurz gefasst erreichen möchte, dass Programmiersprachen, die „die Sicherheit des amerikanischen Volkes bedrohen und der amerikanischen Lebensart entgegenwirken“ zum Abschuss freigegeben werden.

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Abgesehen von der etwas kruden Formulierung hat die Eingabe zwar durchaus einen diskussionswürdigen Kern: So begründet der Petent sein Gesuch damit, dass die immer weiter zunehmende Vernetzung und Automatisierung potentiell die Zuverlässigkeit und Sicherheit kritischer Infrastrukturen untergräbt. Allerdings möchte die Petition diesem Problem mit der Holzhammer-Methode – sprich: einem Nutzungsverbot gewisser, als unsicher erachteten Programmiersprachen – begegnen. Die Sprachen, die dem Willen der Eingabe zufolge vom Antlitz der (US-amerikanischen) Erde getilgt werden sollen, umfassen Java, JavaScript und Ruby.

Wer hinter der Eingabe steckt, ist indes unklar. Bekannt sind nur die Initialen (M. J.) sowie der Wohnort (Mountain View/Kalifornien) des Verfassers. Dass sich die amerikanische Regierung tatsächlich mit einem möglichen Verbot der genannten Sprachen auseinandersetzen wird, ist derweil gelinde gesagt äußerst unwahrscheinlich: Die am 16. März gestartete Petition konnte bislang lediglich 67 Unterstützer (Stand: 31.03.2016) gewinnen. Damit sich die US-Administration mit der Petition befasst, fehlen also noch satte 99 933 Unterzeichner.

Aufmacherbild: Computer Keyboard with mouse arrow showing online Petition von Shutterstock / Urheberrecht: keport

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Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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Als C-Programmierer begrüße ich ein Verbot von Java. Java ist nur was für Hipster, die kein Assembler können. So eine Petition wäre auch mal für Deutschland etwas. Abstraktes Denken sollte ausgemerzt werden, damit die Leute zuverlässigere Programme schreiben.