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Performancemanagement in agilen Unternehmen

Die Schritte zum Erfolg

Die entscheidende Frage lautet jetzt: Wie soll das Ganze in der Praxis aussehen? Obwohl natürlich jedes Unternehmen anders arbeitet, gibt es doch eine Reihe von Dingen, die überall gleich sind. Im Folgenden betrachten wir kurz die wichtigsten Best Practices rund um agiles Performancemanagement:

  • Performancetesten als Teil der Continuous Integration: Automatisierte Builds und automatisiertes Testen sind ein zentraler Bestandteil agiler Projekte. Im agilen Performancemanagement ist es wesentlich, auch Performancetests zu automatisieren. Hierbei geht es nicht darum abzuschätzen, wie sich die Anwendung später in Produktion verhalten wird. Dies ist aufgrund vollkommen anderer Umgebungsbedingungen auch gar nicht möglich. Ziel ist es, eine Baseline zu etablieren, um zu erkennen, wie sich die Performance bestimmter Use Cases während der Entwicklung verändert. Da diese Tests in regelmäßigen Intervallen oder bei jedem Check-in durchgeführt werden, sind Änderungen unmittelbar feststellbar. Es kann rechtzeitig gegengesteuert werden.
  • Ein regelmäßiges Assessment und eine Optimierung der Produktion helfen, die Anwendung möglichst kosteneffizient zu betreiben. Das bedeutet also nicht zwanghaftes Suchen nach Optimierungspotenzial. Es sollte vielmehr bei der Etablierung einer entsprechenden Produktionsüberwachung darauf geachtet werden, dass man mehr Daten bekommt, als für eine reine SLA-Überwachung notwendig ist. Moderne Managementwerkzeuge erlauben es hier sehr einfach herauszufinden, warum welche Transaktionstypen wie viele Ressourcen verbrauchen. Oft zeigen sich hier wesentliche Optimierungsmöglichkeiten – speziell an den Schnittstellen integrierter Anwendungen, die getrennt voneinander entwickelt werden.
  • Das Etablieren eines einfachen Business Transaction Management hilft, technische Kennzahlen mit geschäftsrelevanten Daten in Beziehung zu setzen. Während man sich hier mit den Möglichkeiten moderner Tools „austoben“ kann, reicht oft schon das einfache Kombinieren von Performancedaten mit Google-Analytics-Daten oder anderen Businessmetriken. Wichtig ist, dass diese Aufgabe von jemandem im Unternehmen übernommen wird.
  • Lasttests müssen Teil des Entwicklungsprozesses sein. Wie eingangs angesprochen, können uns Lasttests nicht die Sicherheit geben, dass alles gut in Produktion gehen wird und dass Lasttests im klassischen Sinn in manchen Situationen auch nicht anwendbar sind. Trotzdem liegt im Lasttesten ein massiver Mehrwert, den man sich nicht entgehen lassen sollte. Speziell in Hinsicht auf Stabilität wie auch zur Verifikation von anderen nichtfunktionalen Anforderungen sind diese essenziell. Sie sollten aber spezifisch eingesetzt werden, anstatt einer Simulation „eines typischen Arbeitstages“. Der Input, welche Situationen hier zu testen sind, kommt einerseits von der Entwicklung, aber auch von der Produktion, da diese oft am besten über problematische Situationen Bescheid wissen.
  • Die Implementierung einer Diagnosemöglichkeit ist der letzte Baustein agilen Performancemanagements. Die zentrale Frage lautet: Wie einfach ist es, ein System zu diagnostizieren? Wesentlich ist, dass wir uns bewusst sein müssen, dass es immer zu Problemen kommen kann und wir dann die entsprechenden Daten brauchen. Dazu ist es dann egal, ob ein Werkzeug gratis ist oder nicht oder ob es fünf oder 30 Minuten dauert, es zu installieren. Im Idealfall muss sich der Mitarbeiter gar nicht mit dieser Frage auseinandersetzen, da Diagnosedaten sowieso automatisiert gesammelt werden und zentral verfügbar sind. Mehr und mehr Unternehmen beginnen, Diagnosedaten proaktiv zu sammeln und zu verwalten. Das Credo muss lauten „kein laufender Code ohne Überwachung“.
Zusammenfassung

Agilität stellt uns auch im Umfeld von Performancemanagement vor neue Herausforderungen. Ob wir diese als Chancen oder Risiken wahrnehmen, liegt letztendlich an uns. Es liegt an jedem selbst, seine Prozesse zu überdenken und zu ändern. Da die Umsetzung nur über Abteilungsgrenzen hinweg erfolgreich sein kann, ist es wichtig, dass alle Beteiligten von Anfang an am gleichen Strang ziehen und jeder seinen individuellen Mehrwert sieht. Ansonsten wird die Einführung neuer Prozesse sehr schwierig, oder um es mit den Worten von Matthäus 9,17 zu sagen: Man fülle also neuen Wein in neue Schläuche, so bleiben beide miteinander erhalten.

Alois Reitbauer arbeitet als Technology Strategist bei dynaTrace Software, wo er das Center of Excellence leitet. Er arbeitet mit Kunden an der Implementierung von Performance-Management-Lösungen und ist regelmäßiger Sprecher auf internationalen Konferenzen.
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