OSGi ist langweilig – oder?

Hartmut Schlosser

Zurzeit gehört OSGi zu den am meisten hochgelobten Technologien – kommt aber paradoxerweise kaum zum Einsatz!

So lautet das wehmütige Fazit von Kirk Knoernschild, Analyst der Burton Group, der in seinem Blogeintrag „OSGi – Feast or Famine?“ den Gründen nachspürt, warum der Modularisierungsstandard OSGi noch nicht die weite Verbreitung gefunden hat, die er sich wünschen würde.

Einerseits seien es technologische Gründe, die für Knoernschild dazu führen, dass OSGi nur von einer relativ überschaubaren Zahl von Java-Entwicklern angewendet werde: schleppend anlaufender Plattform-Support sowie das Fehlen eines einfach nachvollziehbaren Migrationspfades, für den ein adäquates Tooling noch nicht existiere.

Doch die Überwindung dieser technologischen Barrieren sei nur die halbe Miete – genauso wichtig sei es, dass OSGi ein weitaus positiveres Image als Innovationstreiber vermittle als bisher, da Modularisierung meist noch als altbackenes, langweiliges Thema angesehen werde:

The Message: Modularity is boring! The problem: The importance of modularity, and its support as a first class citizen on the Java platform, is not well communicated nor understood. Kirk Knoernschild

Auch OSGi Evangelist Peter Kriens berichtet von seiner Erfahrung bei Konferenzen, dass beim Einreichen von Vorträgen über OSGi beim Veranstalter echter Enthusiasmus nicht so recht aufkommen mag:

Whenever I submit something for a conference it gets easily accepted when it is about class loading modularity. Whenever the topic is services, I meet a complete lack of enthusiasm. This is in contrast with my own feeling after working with OSGi for 10 years. Though the modularity is advanced in comparison with all other class loading solutions, it pales in comparison to the innovation that we’ve called services. Peter Kriens

Kriens schlägt in seinem Blog deshalb eine neue Namensgebung mit der Einführung des Terms „micro-services“ statt „OSGi services“ vor, sowie die Einrichtung eines JSR, welcher die Idee der „micro-services“ als neues Primitivum der Java-Plattform einführt.

Knoernschild selbst hält dies zwar für überlegenswert, das wahre Problem von OSGi träfen solche Maßnahmen allerdings auch nicht. Vielmehr gehe es nämlich darum, den Unternehmen klar zu machen, wie sie durch eine Umstellung auf OSGi hartes Geld sparen könnten:

The real problem is that OSGi doesn’t have a clearly articulated identity that explains why an organization must be using it, and organizations will adopt OSGi only if its adoption can be tied to real business benefits. Just like object-orientation in the 1990’s and SOA in the 2000’s, each were sold with a wonderful accompaniment of benefits that would reduce cost, speed delivery, model the real world, blah, blah, and blah. Kirk Knoernschild

Dass SpringSource vor kurzem ihren dm Server an Eclipse übergeben hat, geschah zwar mit der offiziellen Begründung, der OSGi-Technologie im Enterprise-Bereich zum Durchbruch verhelfen zu wollen. Für Knoernschild ist dieser Schritt aber auch ein klares Indiz dafür, dass die Verbreitung des dm Servers selbst nur schleppend voranging.

Vonnöten sei eine Art „Neuerfindung der Modularität“, welche auch Markt-Strategien jenseits der technologischen Fragestellungen mit einschließen müssten, um aus OSGi das neue, trendige, coole, innovative „nächste große Ding“ zu machen, das man auf keinen Fall verpassen möchte!

Auch Eclipse Foundation Marketing-Chef Ian Skerrett stößt ins gleiche Horn, wenn er für OSGi und EclipseRT im Allgemeinen einen spielerisch leichten Einstieg fordert, wie es etwa bei der Ruby-on-Rails-Community der Fall ist.

OSGi is too hard for the average developer to learn. The one thing I admire about the Ruby-on-Rails community is the ease of which people can get immediate results. We need the same thing for an OSGi or EclipseRT solution. A developer should be able to download, install and instantly have a running demo application. Ian Skerrett

Knoernschilds Fazit:

Die technologischen Argumentationen der OSGi-Entwickler treffen bei denen, die über den Einsatz von OSGi entscheiden, nicht auf empfängliche Ohren.

I still believe the enterprise isn’t going to buy OSGi and modularity for the reasons we believe they should, they’ll buy something else very trendy in which OSGi and modularity plays a central role. Kirk Knoernschild

Und so zitiert Knoernschild abschließend Ivar Jacobson mit seiner Aussage:


„The software industry is more driven by fashion than the fashion industry.“

Und fügt hinzu:

Sad. But true! And hopefully when it happens it won’t dilute the value of OSGi and modularity. Kirk Knoernschild

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Hartmut Schlosser
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