Oracle zuversichtlich: "Der Sun Deal hat sich gelohnt"

Judith Lungstraß

Im Frühling 2009 wurde sie bekannt gegeben, etwas weniger als ein Jahr später abgeschlossen: Die Übernahme des Java-Erfinders Sun Microsystems durch Oracle. Ganze 7,4 Milliarden US-Dollar legte der Technologie-Konzern aus Kalifornien auf den Tisch, und das für ein Unternehmen, welches zu dieser Zeit etwa 100 Millionen US-Dollar pro Monat verlor. So erwarb Oracle mit Sun einen seiner großen Konkurrenten und erweiterte das eigene Produktfolio um einen lukrativen Hardware-Bereich. Mit im Übernahmepaket: Java – die Enterprise-Sprache Nr. 1 mit ihrer mehre Millionen umfassenden Entwickler-Community.

Seit dem 27. Januar 2010 sind mittlerweile drei Jahre vergangen – eine Zeit, in der es Oracle nicht immer einfach hatte. Wir erinnern uns beispielsweise zurück an die gescheiterte Klage gegen Google und dessen mobiles Betriebssystem Android, welches Java-Schnittstellen angeblich patentverletzend benutzt haben sollte. Doch unterliegen APIs keinem Copyright – so das Urteil der Jury – und der Prozess ging verloren. Und dann wäre da noch das ähnlich Image-schädigende Sicherheitsproblem, welches momentan durch alle Medien der Fachwelt geistert.

Zum Jubiläum des Sun Deals fragen wir uns deshalb: Hat sich der Sun Deal trotz aller Rückschläge gelohnt? Genau dieser Frage musste sich der Oracle-Präsident Mark Hurd in einer kürzlich gehaltenen Pressekonferenz, in der es eigentlich um Oracles Cloud-Pläne gehen sollte, stellen. Die Antwort Hurds war denkbar optimistisch: Ja, der Deal habe sich gelohnt, denn die seitdem erzielten Einnahmen würden den damaligen Kaufpreis enorm übersteigen. Und das, obwohl sich die Hardware-Branche seit einiger Zeit im beständigen Niedergang befindet. Stattdessen sei man aber im aufsteigenden Cloud-Bereich sehr erfolgreich. Neun der Top Ten SaaS-Provider werden von Oracle gehostet, 10.000 Kunden und 25 Millionen Nutzer generieren Einnahmen von rund einer Milliarde US-Dollar jährlich. Zum Vergleich: Der Marktführer Salesforce.com hatte Mitte 2011 etwa 104.000 Kunden.

Diese Zahlen sind wohl wenig anfechtbar, doch ist unentschieden, ob sich Oracles Erwerb von Sun Microsystems tatsächlich wie angegeben gelohnt hat. Der Marktanalyst Zack Equity Research jedenfalls ist der Meinung, dass noch Jahre vergehen müssen, bis Oracle tatsächlich Gewinne aus dem Deal schlagen kann. Der kriselnde Hardware-Sektor übe Druck auf das Software-Segment aus, positive Resultate zu erzielen. Zudem sei Oracles Strategie, durch die Lizensierung von Software inkrementelle Gewinne einzufahren, durch den verlorenen Android-Fall geschwächt worden.

Wie dem auch sei – vier Jahre nach dem Sun-Deal hat sich Java von der Stagnationssituation der Sun-Untergangsphase befreit und steht besser da denn je. Eigentlich gute Zeiten für alle, die mit Java Geld verdienen – seien dies nun Unternehmen oder Entwickler.

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Judith Lungstraß
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