Oracle und Microsoft bald Partner in der Cloud

Hartmut Schlosser

Oracle steht offenbar kurz vor einer Partnerschaft mit Microsoft über ein gemeinsames Cloud-Angebot. Analysten gegenüber hat Oracle CEO Larry Ellison eine „Big News“ für nächste Woche angekündigt, in der Technologie-Übereinkünfte mit den größten SaaS- und Cloud-Infrastruktur-Unternehmen bekannt gegeben werden sollen.

Das Wall Street Journal nennt zudem Microsoft, das am Montag eine Telefon-Konferenz abhalten wird, in der Details einer Partnerschaft mit Oracle angesprochen werden sollen. Dabei sollen Microsoft CEO Steve Ballmer, Oracle-Präsident Mark Hurd und Satya Nadella, Microsofts Server- und Cloud-Manager, mit von der Partie sein.

Der Business Insider zitiert Ellison mit den Worten, diese Partnerschaften würden langjährige Technologie-Kollaborationen beinhalten und der Cloud eine neue Gestalt geben. Neben Microsoft brachte Ellison auch Salesforce.com und NetSuite als Partner ins Spiel.

Oracle macht also Ernst in Sachen Cloud Computing. Auf der CloudWorld in München hatte Oracle Mitte Mai davon gesprochen, zukünftig jegliche Oracle-Software sowohl „On Premise“ als auch in der Cloud anbieten zu wollen. Sowohl die Komponenten der Business Application Suite (etwa die Produktfamilien „Sales und Marketing“, „Customer Service und Support“, „Finance and Operations“, „Human Resources“) als auch Infrastruktur-Software wie die Oracle-Datenbank und der Java EE Server Weblogic sollten als Cloud-Angebote bereit gestellt werden.

Zu erwarten ist, dass sich die neuen Technologie-Partnerschaften zumindest teilweise auf die Oracle-12c-Datenbank beziehen, die im letzten Oktober gelauncht wurde und mit ihrer Mehrmandantenfähigkeit auf den kollektiven Betrieb in der Cloud ausgerichtet ist. Welche Formen die Technologie-Übereinkünfte genau annehmen werden, bleibt indes abzuwarten. Spekuliert wird, dass die Partner möglicherweise den Betrieb einer 12c-Datenbank in ihren Cloud-Systemen ermöglichen. Salesforce.com und NetSuite sind bereits langjährige Nutzer der Oracle-Datenbank.

Mit größter Spannung werden die Details zur Partnerschaft Oracles mit Microsoft zu verfolgen sein. Anders als Salesforce.com und NetSuite verfügen die Redmonder über eine eigene SQL-Datenbank, die mit der Oracle 12c konkurriert. Zudem investiert Microsoft massiv in die hauseigene Azure-Cloud-Infrastruktur, die der Oracle Cloud in Sachen Konfigurierbarkeit und Vertriebsmodell deutlich voraus ist.

Wir werden kommende Woche also Oracles nächsten Schritt in die Wolke sehen. Die lange Jahre gepflegten Berührungsängste mit dem „Cloud“-Begriff hat Larry Ellison also endgültig abgelegt. Dabei dürfte diese Wolken-Annäherung nicht auf einen plötzlichen Gesinnungswandel des charismatischen Oracle CEO zurückzuführen sein. Motiviert ist sie auch durch die schwächelnden Umsätze durch den klassischen Verkauf von Software-Lizenzen. Somit wird Oracle auch nächste Woche nicht zum innovativen Cloud-Unternehmen à la Amazon, CloudBees, Jelastic werden – zu stark ist man als klassisches „On Premise“ Unternehmen aufgestellt, das seinen Enterprise-Kunden Software-Pakete verkaufen möchte. Wohl wird Oracle aber zu einem Unternehmen, das seinen Enterprise-Kunden Wege in die Cloud ermöglicht, ohne neidisch zur Konkurrenz schielen zu müssen. 

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Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser
Hartmut Schlosser ist Redakteur und Online-Koordinator bei Software & Support Media. Seine Spezialgebiete liegen bei Java-Enterprise-Technologien, JavaFX, Eclipse und DevOps. Vor seiner Tätigkeit bei S & S Media studierte er Musik, Informatik, französische Philologie und Ethnologie.
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