Interview mit Martin Klaus

OpenShift 4: Hybride Cloud-Umgebungen im Fokus

Dominik Mohilo

© Shutterstock / Qivegg

Red Hat hat vor Kurzem die Container-Plattform OpenShift 4 vorgestellt. Wir sprachen mit Martin Klaus, Senior Director Red Hat Cloud Platforms, über die Änderungen und Neuerungen in der aktuellen Version der Enterprise-Kubernetes-Plattform und darüber, wie sie sich allgemein von anderen Lösungen unterscheidet. Zudem fragten wir ihn nach dem Stand der Dinge bei anderen OpenShift-Projekten wie OpenShift Online, OpenShift.io und OpenShift Origin.

JAXenter: OpenShift ist keine unbekannte Container-Plattform. Können Sie trotzdem die Basisfunktionen für unsere Leser zusammenfassen?

Martin Klaus: Red Hat OpenShift ist eine der populärsten Container- und Kubernetes-Plattformen auf dem Markt. Im Wesentlichen bietet OpenShift alle Funktionen für IT-Operations-Teams, um containerisierte Anwendungen bereitzustellen und zu verwalten, einschließlich Kubernetes-Distribution, Container-Runtime, Speicher- und Netzwerkfunktionen, Protokollierung und Management, Authentifizierung und Sicherheitsfunktionen.

Für Applikationsentwickler bietet OpenShift eine umfassende Palette an Tools, darunter Build Automation, Release-Pipelines oder Projektmanagement-Funktionen, die sich nahtlos mit Kubernetes verknüpfen lassen. Darüber hinaus unterstützt OpenShift zahlreiche Applikationslaufzeiten, Datenbanken und neue Technologien wie Service Mesh und Knative-basierte Serverless-Funktionen. Unser Ziel mit OpenShift ist, Entwickler in die Lage zu versetzen, Innovationen voranzutreiben und den Prozess der Anwendungsentwicklung von traditionellen hin zu Cloud-basierten Umgebungen so reibungslos wie möglich zu gestalten. Hierzu bieten wir mit CodeReady Workspaces eine Eclipse-Che-basierte Web-IDE an, aber auch Integrationen mit Visual Studio Code und vielen anderen gängigen Entwicklerwerkzeugen.

OpenShift wird heute von mehr als 1.000 Unternehmen weltweit in unterschiedlichsten Branchen wie Finanzdienstleistungen, Retail, Energie, Automotive oder Fertigung eingesetzt und unterstützt diese Unternehmen bei der schnelleren Anwendungsentwicklung. Anwendungsfälle bestehen rund um DevOps, die Applikationsmodernisierung und die Cloud-basierte Entwicklung. Zudem wird OpenShift vielfach auch im Umfeld von Analytics und KI-Workloads genutzt.

JAXenter: Wie unterscheidet sich OpenShift von anderen Plattformen wie Rancher oder dem prominentesten Beispiel, nämlich Kubernetes?

Martin Klaus: Ganz allgemein gibt es meiner Meinung nach mehrere Gründe, warum sich so viele Unternehmen für OpenShift als Container- und Kubernetes-Plattform entscheiden. Erstens wird Red Hat OpenShift von Branchenanalysten als eine marktführende Container-Plattform-Lösung eingestuft. Förderlich ist auch, dass viele Kunden öffentlich über den erfolgreichen Einsatz sprechen, auch unter Einbezug anderer Produkte und Lösungen von Red Hat aus Bereichen wie Middleware, Management, Speicher oder Service, aber auch in Verbindung mit Partnerlösungen von traditionellen ISVs und allen großen Cloud-Anbietern.

Zweitens gehört Red Hat zu den frühesten Unterstützern von Kubernetes und liefert nach Google die meisten Code-Beiträge für die Community. Wir engagieren uns umfassend auf technischer Ebene für die Kubernetes-Community und etwa zwei Dutzend weitere Projekte wie Prometheus, etcd, CRI-O oder Knative, die letztendlich die OpenShift-Plattform ausmachen.

Drittens steht OpenShift für eine sehr umfassende Plattform, die unterschiedlichste Applikationen und Use Cases unterstützt, sowohl bei einem Einsatz im eigenen Rechenzentrum als auch als Anwendungsplattform über einen oder mehrere Cloud-Anbieter hinweg. Das bedeutet auch, dass wir jedes Mal, wenn ein Upstream-Release herauskommt, Hunderte von Infrastruktur-, Cloud- und Anwendungskonfigurationen testen, um eine hohe Stabilität sicherzustellen. In diesem Prozess finden und beheben wir in der Regel etwa ein- bis zweihundert Probleme; unser Feedback fließt anschließend direkt an die Community zurück.

Nicht zuletzt profitieren wir von einem umfangreichen und sich dynamisch entwickelnden Ökosystem von ISV-Partnern und Cloud-Anbietern, die Lösungen rund um OpenShift anbieten. So hat Microsoft beispielsweise Azure Red Hat OpenShift veröffentlicht, also ein OpenShift-Angebot auf der Azure-Plattform. Und der OperatorHub ist eine Sammlung von Operator-fähigen Partnerprodukten, die zusätzliche Services auf der OpenShift-Plattform anbieten. Darüber hinaus umfasst das Angebot vieler globaler Systemintegratoren wie Atos, DXC oder T-Systems OpenShift-basierte Services.

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JAXenter: Welche Highlights bietet die neue Version OpenShift 4 Ihrer Meinung nach?

Martin Klaus: Red Hat OpenShift 4 haben wir entwickelt, um ein Cloud-ähnliches Erlebnis über hybride Cloud-Umgebungen hinweg zu bieten, indem automatisierte Updates in allen Kubernetes-Deployments erfolgen. Es gibt mehrere Highlights in OpenShift 4, ich nenne hier mal die wichtigsten.

Zunächst haben wir das OpenShift-Installations-, Update- und Upgrade-Verfahren komplett vereinfacht und automatisiert. OpenShift kann nun Rechenknoten und den Hardware- und Linux-Betriebssystem-Stack verwalten, neue Knoten automatisch zum Cluster hinzufügen oder die Plattform mit sogenannten Over-the-Air-Updates aktualisieren. Ein Update auf die neueste Version kann jetzt per Mausklick erfolgen. Basis hierfür ist Red Hat Enterprise Linux CoreOS, eine Image-basierte und Container-optimierte Version von Red Hat Enterprise Linux, die OpenShift direkt verwalten kann. Unterstützt werden auch weiterhin traditionelle Implementierungen mit Red Hat Enterprise Linux 7.

Eine weitere wichtige Innovation betrifft die Kubernetes Operators. Dabei handelt es sich um Codes, die Verwaltungsaufgaben automatisieren, wie etwa das Aktualisieren einer Komponente, das Re-Balancing einer Datenbank oder die Wiederherstellung von Diensten, die von einem Ausfall betroffen waren. Man könnte die Kubernetes Operators auch einen softwaredefinierten IT-Administrator nennen, der mit einer Anwendung oder einer Infrastrukturkomponente ausgeliefert wird und immer den aktuellen mit dem gewünschten Zustand vergleicht und dann bei Bedarf automatisch Korrekturmaßnahmen ergreift. Die Operators sind als Custom-Resource-Definitions (CRDs) implementiert und sind somit eine native Kubernetes-Funktion. Wir verwenden auch Kubernetes selbst für die Verwaltung der Container-Plattform und der Stateful-Apps.
Highlights für Entwickler sind die vielen neuen Tools und Integrationen mit ihren bevorzugten IDEs. Zu nennen sind vor allem die CodeReady Workspaces, die es sehr einfach machen, im Team zu programmieren und Anwendungen auf der OpenShift-Plattform zu erstellen.

Nicht zuletzt freuen wir uns über die Partnerschaft mit Microsoft. Auf dem Red Hat Summit hat Microsoft-CEO Satya Nadella die allgemeine Verfügbarkeit des Azure Red Hat OpenShift Service bekannt gegeben, den wir zusammen mit Microsoft entwickelt haben. Er ist der erste gemeinsam gehostete Dienst seiner Art. Azure ist bei Entwicklern eine sehr populäre Cloud-Plattform, und wir sind der Überzeugung, dass ein nativer Azure-OpenShift-Dienst die beste Möglichkeit bietet, containerisierte Anwendungen auf der Azure-Plattform zusammen mit anderen verfügbaren Azure-Services zu erstellen.

JAXenter: Welche Herausforderungen hat die Entwicklung von OpenShift 4 mit sich gebracht?

Martin Klaus: Das Besondere an Red Hat ist, dass wir ein Open-Source-Entwicklungsmodell nutzen, um Unternehmenssoftware bereitzustellen. Unsere Entwicklung findet in Open-Source-Communities statt. Im Gegensatz zu Unternehmen, die auf ein geschlossenes Source-Modell setzen oder einfach nur Code-Packaging und -Distribution betreiben, arbeiten wir jeden Tag mit Communities zusammen, um uns hinsichtlich Architektur, Implementierungsdetails oder Code-Fixes abzustimmen. In einer funktionierenden Open-Source-Community kann nicht ein einziges Unternehmen den Weg bestimmen. Die Entwicklung ist auf Konsens angelegt, damit lassen sich auch Entwicklungszeiträume wesentlich schwerer prognostizieren. Auf der anderen Seite führt dieses Community-Entwicklungsmodell letztlich zu besseren Design-Entscheidungen, flexibleren Lösungen und einer höheren Code-Qualität. Auch wenn die Community ein Release freigibt, ist unsere Arbeit noch nicht beendet. Unsere Aufgaben bestehen in der weiteren Härtung der Lösung, zusätzlichen Tests und Validierungen. Erst anschließend geben wir die allgemeine Verfügbarkeit unserer Produkte und Releases bekannt, die wir dann auch für viele Jahren unterstützen. Alle Korrekturen, die wir während dieser Phase in unseren Produkten vornehmen, stellen wir der Community zur Verfügung, die bereits am nächsten Release arbeitet.

JAXenter: Gibt es bereits eine Roadmap für das nächste größere Release? Welche Features sind für OpenShift 5 geplant?

Martin Klaus: Momentan ist es noch zu früh, konkret über eine Version zu sprechen, die vielleicht erst in einigen Jahren erscheint. Aber ganz allgemein gibt es ein paar spannende Themen, an denen wir arbeiten. Klares Ziel ist, dass OpenShift von so vielen Cloud- und Rechenzentrums-Plattformen wie möglich unterstützt wird, um unsere Open-Hybrid-Cloud-Vision weiter voranzutreiben. Darüber hinaus berücksichtigen wir die zunehmende Nutzung von KI- und ML-Workloads auf OpenShift, etwa für Analyseverfahren in der Medizin im Hinblick auf die Früherkennung von Hirntumoren oder Sepsis. Wir sehen auch ein steigendes Interesse an sogenannten Kubernetes-nativen Infrastrukturen, die im Wesentlichen eine vereinfachte Architektur des gesamten IT-Stacks sind. Kennzeichen sind die Nutzung von Kubernetes auf Baremetal-Hardware und von KubeVirt für die Kompatibilität mit bestehenden VMs, die dann Seite an Seite mit containerisierten Applikationen betrieben werden können. Nicht zuletzt ist das Federation- und Multi-Cloud-Management ein weiterer Bereich, in dem wir in naher Zukunft viel Bewegung sehen sollten.

JAXenter: Nach der Akquisition von Red Hat durch IBM gab es oft die Diskussion, dass die Arbeit an hybriden Cloud-Technologien das Hauptziel der Zusammenarbeit zwischen den beiden Unternehmen sein sollte. Steht OpenShift im Mittelpunkt dieser Bestrebungen?

Martin Klaus: Gemeinsam werden IBM und Red Hat Innovationen ankurbeln, indem sie die hybride Multi-Cloud-Plattform der nächsten Generation anbieten. Basierend auf Open-Source-Technologien wie Linux und Kubernetes wird die Plattform es Unternehmen ermöglichen, Daten und Anwendungen on-premise und in Private und multiplen Public Clouds sicher bereitzustellen, zu betreiben und zu verwalten.

JAXenter: Zum Schluss noch eine Frage zu sonstigen OpenShift-Projekten, etwa OpenShift Online, OpenShift.io oder OpenShift Origin: Was gibt es hier Neues und was ist geplant?

Martin Klaus: Wichtig ist die Erkenntnis, dass OpenShift eine Plattform ist, die abhängig von den jeweiligen Kundenanforderungen auf unterschiedlichste Weise bereitgestellt oder genutzt werden kann. OpenShift Container Engine und OpenShift Container Platform sind die zwei Lösungen, die Unternehmen wählen können, wenn sie einen ersten Schritt in Richtung Container und Kubernetes mit einer Engine oder einer kompletten Plattform machen wollen. Verstärkt sehen wir aber auch ein Interesse an unseren gehosteten Diensten wie OpenShift Dedicated, wenn als Backend AWS oder Google Cloud genutzt werden. Bevorzugen Unternehmen Microsoft als Cloud-Anbieter, steht wie gesagt Azure Red Hat OpenShift zur Verfügung. Darüber hinaus bieten wir mit OpenShift Online noch einen Service, der Entwicklern einen selbstständigen Start ermöglicht. Neben diesen Hauptangeboten umfasst unser Portfolio noch OpenShift Container Storage und die Enterprise Container Registry Red Hat Quay.

JAXenter: Vielen Dank für das Interview!

Martin Klaus ist Senior Director Red Hat Cloud Platforms.
 
 
 
 
Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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