Interview mit Richard Attermeyer

„Ein modular aufgebauter Monolith kann viel flexibler sein als ein auf Microservices basierendes System“

Dominik Mohilo

Richard Attermeyer

Das richtige Werkzeug für die richtige Lösung – Tools sind wichtig, aber nicht der einzig wichtige Faktor. Auf der diesjährigen DevOpsCon in Berlin sprach Richard Attermeyer, Senior Solution Architect bei der Opitz Consulting Deutschland GmbH, über das Open-Source-Projekt OpenDevStack. Im Interview stellt er das Projekt vor und erklärt, warum umfangreiche Planungen nicht so wichtig sind wie das Ausprobieren von Ideen.

Gleich zwei Talks hielt Richard Attermeyer auf der diesjährigen DevOpsCon in Berlin, darum führten wir auch zwei Interviews mit ihm. Im ersten Teil ging es um Empathy Maps und Event Storming, also um die Frage, wie man eine Continuous-Delivery-Plattform aufbaut.

JAXenter: Hallo Richard und danke, dass du dir die Zeit genommen hast. Auf der DevOpsCon 2018 sprachst du über das Open-Source-Projekt „OpenDevStack“. Vielleicht zu Beginn daher erst einmal die Frage: Was genau ist der OpenDevStack?

Richard Attermeyer: Der OpenDevStack ist ein Projekt mit dem sich in wenigen Schritten die Ressourcen für den Start eines Entwicklungsprojekts aufsetzen lassen. Von der Idee bis zum Zugreifen auf eine erste Version des deployten Codes geht dies teilweise in weniger als 5 Minuten. Dabei werden dann automatisch Wiki, Ticketsystem, Git Repositorys und die nötigen OpenShift-Ressourcen sowie eine passende Build-Pipeline erzeugt. Das Ganze funktioniert über einen einfach zu erweiterternden Quickstart-Mechanismus, der unter anderem Spring-Boot-, Node.js- und Angular-Projekte unterstützt.

JAXenter: Es geht also darum, nicht mehr ewig zu planen, sondern einfach Ideen auszuprobieren. Das klingt ein wenig sehr forsch, welche Vorteile bringt dieser Ansatz?

Richard Attermeyer: Ob eine Idee wirklich Mehrwert bringt, zeigt sich erst, wenn eine erste Version direkt mit den Nutzern ausprobiert werden kann. In solchen „Schnellbootprojekten“ findet häufig eine sehr intensive Einbeziehung der Endnutzer statt. So bekommt man schnell einen Eindruck, ob eine Idee etwas taugt oder nicht. Schnellbootprojekte sind daher relativ günstig, denn ein nicht-erfolgreiches Projekt tut auf diese Weise nicht so weh.

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JAXenter: Was kann schiefgehen, wenn man einfach drauflos entwickelt und sich nicht eingehend mit der Planung befasst? Widerspricht das nicht ein wenig der Natur erfolgreicher Softwareprojekte, bzw. entstehen so nicht genau die grauenhaften Monolithen, bei denen alles in einem großen Gewirr unübersichtlich zusammenhängt?

Richard Attermeyer: Es geht nicht darum, einfach drauflos zu entwickeln. Methodische Herangehensweisen wie Design Thinking, UX und Applikationsdesign müssen natürlich trotzdem sein. Gleichzeitig werden über die Quickstarter aber gewisse Vorgaben durchgesetzt, was die Prozesse angeht. Dies ist wichtig, wenn erfolgreiche Projekte den Schnellbootstatus verlassen und weiterentwickelt werden sollen. Schnellboote sind keine Wegwerf-Prototypen, sondern müssen die Qualität aufweisen, dass sie von der Regelorganisation übernommen werden können. Dazu kann auch die Einhaltung gewisser Compliance-Anforderungen gehören.

JAXenter: Welche Tools – abgesehen von OpenShift und dem OpenDevStack – kannst du für möglichst flexible Architekturansätze empfehlen?

Wichtig ist es immer, von den konkreten Anforderungen auszugehen.

Richard Attermeyer: Tools sind fast die unwichtigste Zutat, aber es gibt sehr viele mit unterschiedliche Philosophien. Wichtig ist in meinen Augen, die Grenzen der Tools zu kennen. Philosophie und Grenzen sind allerdings leider häufig nicht gut dokumentiert. Es gibt kein Wundermittel. Wichtig ist es, immer von den konkreten Anforderungen auszugehen und sich zu fragen: Wie realisiere ich diese Anforderungen sinnvoll und welche Auswirkungen hat die Architektur auf meine Organisation?

Es ist übrigens schon ein Fehler, unter flexiblen Architekturen nur Microservices zu verstehen. Ein modular aufgebauter Monolith kann viel flexibler sein als ein auf Microservices basierendes System. Regelmäßiges reflektieren, ob ich mich meinen Architekturzielen nähere, von ihnen entferne oder ob sich meine Architekturtreiber geändert haben, ist daher wichtig.

JAXenter: Was ist die Kernaussage, die jeder Besucher deiner Session mit nach Hause nehmen sollte?

Richard Attermeyer:

  • Unternehmen werden vermehrt Schnellbootprojekte von wenigen Wochen Dauer durchführen.
  • Zeiten für das Aufsetzen und die Übergabe in den Regelbetrieb schmerzen. Daher braucht man clevere Lösungen wie OpenDevStack.

JAXenter: Vielen Dank für das Interview!

Richard Attermeyer arbeitet als Senior Solution Architect bei der Opitz Consulting Deutschland GmbH. Er beschäftigt sich seit vielen Jahren mit der Architektur und Implementierung von Anwendungen im agilen Umfeld. Er fokussiert sich dabei aktuell auf flexible Architekturansätze rund um Microservices, Cloud, DevOps und Continuous Delivery.
Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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