Open-Source-Anwendungen im Unternehmenseinsatz – eine echte Alternative

Bertrand Diard

Open-Source-Anwendungen verbreiten sich immer mehr in Unternehmen. In einer aktuellen IDC-Studie aus dem Jahr 2007 belief sich das weltweite Marktvolumen für Open-Source-Lösungen – und zwar ohne den Bereich Betriebssysteme – auf 1,8 Milliarden Dollar. Bei einem prognostizierten Marktwachstum von jährlich 26 Prozent wird der Open-Source-Markt im Jahr 2011 ein Volumen von 5,8 Milliarden Dollar erreichen. Damit zeigt er eine ähnliche Dynamik wie zum Beispiel die Bereiche E-Government und RFID.

Die Zeiten, in denen Open-Source-Lösungen hauptsächlich als Entwickler- oder Infrastruktur-Tools eingesetzt wurden, sind damit endgültig vorbei. Mittlerweile durchziehen Open-Source-Lösungen das gesamte Unternehmen.

Interessanterweise war es die öffentliche Verwaltung, die sich als erstes Marktsegment mit dem flächendeckenden Einsatz von Open-Source-Lösungen beschäftigte. Die Stadtverwaltungen von München, Chicago und Amsterdam, der französische Staat mit einer Open-Office-Migration von 400 000 Workstations oder die schwedische Polizei sind nur einige Beispiele für den weltweiten Trend, im „Public Sector“ auf offene Software zu setzen. Beachtenswert ist dabei die Tatsache, dass laut einer Studie der Universität Maastricht 70 Prozent der Open-Source-Entwickler in Europa beheimatet sind, von dort also auch die meisten Neuentwicklungen und Erweiterungen stammen, die USA aber die höchste Einsatzrate in Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen verzeichnet.

Open Source auf jeder Etage

Schon heute ist Open-Source-Software in der IT-Infrastruktur vieler Unternehmen präsent. Denken Sie nur an Sicherheitslösungen (Firewalls, Anti-Virus-, Anti-Spam-Lösungen etc.), Betriebssysteme (Workstation, Netzwerkkomponenten, wissenschaftliche Rechnersysteme etc.), Datenbanken oder Webbrowser.

Doch mittlerweile „klettern“ Open-Source-Lösungen immer höher in der Hierarchie der IT-Systeme von Unternehmen und Organisationen und erreichen damit die Bereiche „Geschäftsanwendungen“ und „Middleware“, wo sie für den Anwender nicht einmal sichtbar sind. So gehören heute Lösungen wie Talend Open Studio (Datenintegration), Topcased (Embedded Systems), Open Bravo oder Compiere (ERP), SQL Ledger (FIBU) Thelia (E-Business) oder SugarCRM zur Standardausstattung vieler Unternehmen. Dazu kommen all die Geschäftsanwendungen und Erweiterungen, die in Java (oder anderen Sprachen) entwickelt wurden und der Open-Source-Gemeinde gespendet wurden (z.B. Ovidentia, Spip .)

Fragt man die Geschäftswelt heute nach den Bereichen, in denen Open-Source-Lösungen besonders geschätzt werden, dann erhält man die folgenden fünf Anwendungsbereiche als Antwort:

  • Unternehmensanwendungen (Büroautomatisierung, CRM, Content Management, Business Intelligence)
  • Entwicklungs-Tools (Anwendungen, Teamarbeit, Projektmanagement)
  • Web Server und Anwendungssoftware (Middleware, Enterprise Server Bus, Integration, Portale)
  • Datenbankanwendungen
  • Betriebssysteme
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Bertrand Diard
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