Suche

Ohne Java-Evangelisten geht das Abendland nicht unter!

Sebastian Meyen

© Shutterstock.com/Gil C

Die Nachricht vom Ende des Java-Evangelisten-Teams hat für Verunsicherung in der Java-Welt gesorgt. Jetzt aber wieder einmal den Untergang des Java-Abendlands zu beschwören, zeugt indes mehr von Hysterie denn von Kenntnis der Sachlage.

Gewiss, mit der Kenntnis der Sachlag ist das so eine Sache, wenn Oracle wieder einmal Geheimniskrämerei betreibt anstatt beherzt zu kommunizieren. Wir alle fühlen uns mit einer Halbnachricht, die über private Social Media-Accounts in kryptischen Andeutungen lanciert worden ist, nicht gerade gut informiert und Oracles Schweigen fühlt sich schon ein bisschen arrogant an. Aber Oracle wäre nicht Oracle, wenn es sich durch ein so kleines Shitstörmchen aus der Ruhe bringen lassen würde.

Tatsache ist, dass das Team der Java Evangelisten aufgelöst wird und es drei Personen gibt, die aufgrund dessen offenbar das Unternehmen verlassen. Jetzt gibt es da aber noch diese offizielle Liste aller Java-Evangelisten bei Oracle. Was hat diese zu bedeuten? Entweder ist diese Liste hoffnungslos veraltet, oder aber sie drückt etwas anderes aus, als die meisten heute denken.

Leute wie Brian Goetz, Dalibor Topic, Henrik Ståhl und Terrence Barr sind jedenfalls keine Java-Evangelisten, sondern Engineers, technische Produktmanager oder bei Oracles Technology-Marketing beschäftigt. Gewiss aber sind es Leute, die in der Öffentlichkeit auftreten und Technologien präsentieren und diskutieren … Und es gibt kein Anzeichen, dass sich daran etwas ändert.

Nachdem Oracle sich massiv aufs Cloud-Geschäft konzentriert, wurde offenbar intern bereits seit einem halben Jahr über die Verlagerung vieler Aktivitäten und Kräfte in Richtung Cloud gesprochen. Dementsprechend scheint das Schicksal der Java-Evangelisten-Truppe intern niemanden überrascht zu haben.

Der gestern publik gewordene Abgang Cameron Purdy’s, immerhin Senior Vice President for Development im Java-Sektor, scheint dem Evangelisten-Exodus nun noch eine Krone aufzusetzen. Allerdings ist bislang nicht geklärt, in welchem Zusammenhang die Personalie mit dem Ende der Java-Evangelisten steht. Wer sich auf den Oracle-Seiten umsieht, findet jedenfalls eine Fülle an Jobangeboten im Java Platform Engineering.

Wenn wir einen Moment über die Aufgabe eines Evangelisten nachdenken, müssen wir uns fragen, ob die Rolle überhaupt noch zeitgemäß ist. Wenn ein Evangelist ein Verkünder der frohen Botschaft ist, dann müssen wir uns doch die Frage stellen, ob Java das im Jahr 2015 wirklich noch braucht. Anstatt einseitiger Verkündigung ist in Zeiten von Open Source vielmehr ein vertiefter Dialog zwischen Core-Engineering und Java-Anwendern und -Entwicklern wichtig. Das Feedback aus der Entwicklergemeinde zurück ins Engineering sollte heute ebenso wichig sein wie das Verbreiten der frohen Java-Botschaft.

So werde ich zumindest die Java-Evangelisten nicht vermissen — zumal die meisten fähigen Leute ohnehin mit anderen Aufgaben betraut sind. Mit ihnen wollen wir — Anwender, Entwickler, Journalisten — weiterhin in einem offenen und konstruktiven Dialog stehen. Und da bin ich zuversichtlich.

Aufmacherbild: photo of Oracle homepage on a monitor screen through a magnifying glass von Shutterstock / Urheberrecht: Gil C

Verwandte Themen:

Geschrieben von
Sebastian Meyen
Sebastian Meyen
Sebastian Meyen ist Chefredakteur des Java Magazins sowie des Eclipse Magazins. Außerdem trägt er die Verantwortung für Programm und Konzept sämtlicher JAX-Konferenzen weltweit. Er begleitet so die Java-Community journalistisch schon fast seit ihren Anfängen. Bevor er zur Software & Support Media GmbH kam, studierte er Philosophie in Frankfurt.
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

Hinterlasse den ersten Kommentar!

avatar
400
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: