Neue Stiftung = neue alte Zusammenschlüsse?

Node.js: Etwas endet, etwas beginnt

Michael Thomas

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Es tut sich einiges im Umfeld von Node.js: Die Node.js Foundation hebt das Projekt auf eine neue Stufe, Projektleiter Timothy Fontaine nimmt seinen Hut und der Fork io.js könnte schon bald wieder in den Schoß der Familie zurückkehren.

Eine Zeit der Übergänge kommt auf Node.js zu, einige nennt Scott Hammond (CEO bei Joyent) auf dem Projekteigenen Blog. Da der im Februar diesen Jahres begonnene Aufbau der Node.js Foundation sich offenbar dem Ende nähert, steht das Projekt kurz davor, eine völlig neue Struktur zu erhalten: die eines Community-getriebenen, offenen und transparenten Governance-Modells, das Hammond zufolge einen neuen Grad der Reife des JavaScript-Frameworks widerspiegelt. Da im Rahmen der Neustrukturierung die Position des Projektleiters entfällt, gab Timothy Fontaine, der diesen Posten seit Januar 2014 inne hatte, seinen Rücktritt bekannt. Obwohl er demzufolge in Zukunft eine deutlich weniger prominente Rolle spielen wird, will er dem Projekt bei Bedarf auch weiterhin mit Rat und Tat zur Seite stehen – allerdings nicht auf dem Niveau eines Core-Mitglieds.

Fotaine kommentierte seinen Schritt wie folgt:

Open source projects are about the software, the users, and the community. […] The community is responsible for Node.js‘ meteoric rise and continued adoption by users and companies all over the world. Given the strength of its community, I’m confident that Node.js is heading in the right direction. With that said, it’s time for me to step back.

Die neue Stiftung habe zu keinem besseren Zeitpunkt kommen können, so Fontaine weiter. Denn durch sie – und die starke Community – sei der derzeitige Stellenwert von Node.js als Technologie gesichert.

io.js und die Notwendigkeit einer Stiftung

Auch wenn weder Hammond noch Fontaine ein Wort über io.js verloren, könnte auch die weitere Entwicklung des Forks in nicht allzu ferner Zukunft eine entscheidende Wendung nehmen. Denn wie Mikeal Rogers, quasi das inoffizielle Sprachrohr von io.js, rekapitulierte, sprechen gleich mehrere Gründe dafür, das Projekt in eine Stiftung zu überführen.

Demnach konnten das offene Governance-Modell, die in Bezug auf Projektbeiträge freiheitlich gestalteten Richtlinien und die in regelmäßigen Abständen erfolgenden Releases im Vergleich zu Node.js zwar zahlreiche neue Mitstreiter für io.js begeistern. Ein Problem besteht Rogers zufolge jedoch darin, dass viele der Aktivposten – wie beispielsweise die Domain – von io.js ohne die Existenz einer juristischen Person nicht der Community, sondern verschiedenen Einzelpersonen und Unternehmen gehören. Dies stellt Rogers zufolge zwar im Moment kein Problem dar – sich dauerhaft von deren gutem Willen abhängig zu machen erscheint jedoch nicht unbedingt als optimale Lösung. Zudem mussten laut Rogers aufgrund mangelnder finanzieller Ressourcen bislang einige Bereiche wie Marketing oder juristische Belange komplett ausgespart werden.

Die Lösung: Eine neutrale Organisation, die dem Ansatz der Linux Foundation folgt und somit vor allem Wert auf die im Working Group-Modell von io.js so wichtige Autonomie legt. Um den Einfluss des Faktors Geld möglichst gering zu halten, umfasst der Vorstand dabei Repräsentanten aller Spender und zwingt diese sozusagen zur Zusammenarbeit. Neben den Finanzen zeichnen sie darüber hinaus für das Marketing und juristische Belange verantwortlich, womit sicher gestellt werden soll, dass nicht im Interesse einzelner Unternehmen gehandelt wird. Sämtliche technischen Entscheidungen hingegen werden ausschließlich – und vom Vorstand unabhängig – von der Community getroffen.

Mit der Node.js Foundation – an deren Aufbau die Linux Foundation beteiligt war und die bereits zahlreiche Geldgeber wie IBM, SAP, Microsoft, PayPal oder Red Hat gewinnen konnte – sieht Rogers diese Struktur umgesetzt. Da u. a. die Richtlinien für Governance, Working Groups und die Entwicklung mittlerweile festgeschrieben wurden, steht ihm zufolge einem erneuten Zusammenschluss von Node.js und io.js unter dem Dach der Node.js Foundation eigentlich nichts mehr im Wege. Die Community müsse sich nur für einen Beitritt entscheiden.

Vorteile für beide Seiten: Struktur hier, Performance da

Profitieren würden jedenfalls potentiell sowohl io.js als auch Node.js. Während io.js die bereits beschriebene Organisationsstruktur der Node.js Foundation zugute kommen könnte, trifft dies bei Node.js unter dem Aspekt der technologischen Fortschritte zu, die io.js in den vergangenen Monaten machen konnte: So behielten beispielsweise das Raygun-Team, deren API Node.js nutzt, die Entwicklung beider Projekte im Blick und veranstaltete mehrere Mikro-Benchmarks, die nach eigenen Aussagen zwar nicht repräsentativ sind, deren Ergebnisse jedoch dennoch aufhorchen lassen. Denn die mithilfe von ApacheBench durchgeführten Tests förderten zu Tage, dass io.js sowohl bei JSON- und Express.js-Responses als auch beim Einsatz von Koa.js teils deutlich die Nase vorn hatte. Im letztgenannten Beispiel etwa kam Node 0.12.2 auf knapp unter 2900 Requests pro Sekunde, während io.js 2.0.0 fast 3300 Requests erreichte.

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Geschrieben von
Michael Thomas
Michael Thomas
Michael Thomas studierte Erziehungswissenschaft an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz und arbeitet seit 2013 als Freelance-Autor bei JAXenter.de. Kontakt: mthomas[at]sandsmedia.com
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