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Das neue, schlanke Startup

No Stack: Ein schlankerer Ansatz für Startups

Stoyan Mitov

© Shutterstock.com/Photocheaper

Die Tage, in denen neue Technologien tausende von Dollar und Full-Stack-Wissen erforderten, sind vorbei. Der Tech-Unternehmer Stoyan Mitov führt uns in die Ära der No-Stack-, API-basierten Startups mit weniger Ausgaben und kürzeren Entwicklungszeiten ein.

Erinnern Sie sich an die 90er, als man immer alles von Grund auf aufbauen sowie zehntausende von Dollar für Server, Speicher, Softwarelizenzen und Konnektivität springen lassen musste? Oder die frühen Nullerjahren, als selbst minimalistische Server-Setups mit mindestens 1.000 Dollar zu Buche schlugen? Oder die letzten fünf Jahre, die mit ihren Cloud-Infrastrukturen zwar für weniger Kosten sorgten, jedoch nach wie vor Kenntnisse in Java, Ruby, Node.js und MongoDB verlangten, um loslegen zu können?

Wenn Ihre Antwort jeweils „Ja“ lautet, so können Sie sich vermutlich vorstellen, wie schwierig es war, etwas Neues zu beginnen, wenn einem das notwendige Kleingeld oder die technischen Fähigkeiten fehlten. Heute ist das anders. Die No-Stack-, API-basierten Startups sind mittlerweile Realität und werden die nahe Zukunft prägen. Heute braucht man weder tausende von Dollar noch Full-Stack-Skills, um ein Produkt von Grund auf aufzubauen. Man kann beispielsweise direkt über Facebook verkaufen und die Kommunikation und Bezahlung über WeChat abwickeln. Man kann Twilio und Stripe nutzen und hält dadurch eine mobile Vertriebslösung in Händen. Im Rahmen dieses Artikels möchte ich Ihnen meine ganz persönliche Geschichte erzählen. Sie handelt von meinem Startup, meinem großartigen Java-Team bei Dreamix, sowie einigen Vor- und Nachteilen der No-Stack-Entwicklung.

Das Stack-lose Team

Vor sechs Monaten beteiligte ich mich an der Gründung einer Mobile App mit dem Namen „Grajdante“ („Bürger“). Diese soll ein verantwortungsvolles und zuvorkommendes Verhalten fördern und somit dabei helfen, das Problem des rücksichtslosen Handelns im Straßenverkehr zu lösen. Da unser Team im Grunde nur aus uns vier Gründern besteht und unsere Ressourcen begrenzt sind, wollten wir nicht allzu viel Zeit für die Programmierung der kompletten App aufwenden, weshalb wir für das Backend auf eine vorgefertigte Plattform zurückgriffen. Dessen Stack umfasst Ionic, Cordova und AWS. Durch diesen Schritt sparten wir uns eine Menge Entwicklungszeit, die wir stattdessen in die Erstellung von Content, das Testen sowie ein besseres UI und eine bessere UX investieren konnten. Dazu kommt, dass es uns sehr dabei half, mit dem Load umzugehen, der auftrat, als wir bei 1.300 Registrierungen innerhalb weniger als einer Minute angelangt waren. Einerseits waren wir so von unserer Sorge vor Downtimes befreit, andererseits stellte uns die Plattform einen großartigen Administrationsbereich mit tollen Grafiken und Statistiken bereit. Der No-Stack-Ansatz hat sich für uns also als sehr nützlich erwiesen; durch ihn waren wir in der Lage, sehr schnell eine stabile Mobile App abzuliefern, die es bis auf Platz 1 des bulgarischen Apple Store gebracht hat.

Ein anderes Beispiel ist ein Projekt, dass ich mit meinem wunderbaren Java-Entwicklerteam bei Dreamix bearbeitete. Wir unterstützen Startups mit unserer Tech-Expertise, und das letzte, mit dem wir zusammenarbeiteten, war Twibble.io. Dieses nutzt Angular.js, Spring, Elasticsearch und gebrauchsfertige APIs für seine Abo-Zahlungen über Stripe, für das Versenden von Mails über Mandrill, für das Einsammeln von User-Feedback über UserVoice, und für die Sicherheits- und Web-Optimierung via Cloudflare. Es ist auf Rackspace gehostet und unter Verwendung seiner APIs voll auf Twitter verteilt. Um das Nutzerverhalten nachzuverfolgen kamen darüber hinaus Tools wie Mixpanel und Optimizely zum Einsatz.

Diese API-Lösungen erlaubten es dem Team, sich auf den Content, die Produktentwicklung, das User-Engagement, UI- und UX-Verbesserungen und dergleichen mehr zu konzentrieren. Dank Twitter hatten sie den unmittelbaren Zugang zu mehr als 300 Millionen potentiellen Kunden, einen schlüsselfertigen Vertriebsweg inklusive. Sowohl im Falle von Grajdante als auch Twibble entpuppte sich der No-Stack-Ansatz als vorteilhaft: Durch beispielsweise die gewaltige Reduzierung der Entwicklungszeit sowie der Ausgaben konnte ein deutlicher Mehrwert geschaffen werden.

Mein letztes Beispiel betrifft die Zusammenarbeit von Dreamix mit dem bulgarischen Startup Vitrinaapp.eu. Vitrinaapp.eu wird von bulgarischen Künstlern genutzt, um ihre Erzeugnisse über einen Mobile Store weltweit zum Kauf anzubieten. Sie verfügten zwar über einen großartigen Designer und Front-End-Entwickler, aber über keine Backend-Expertise. Kurz nachdem sie mit uns in Kontakt getreten waren, verbrachten wir Stunden mit der Suche nach dem besten Weg, ein Backend mit Zugriff via REST API bereitzustellen. Mit dem Gedanken im Hinterkopf, alles so schlank wie möglich zu halten, identifizierten wir die Kombination von Mongolab.com (für die Datenspeicherung), Cloudinary.com (für die Bildbearbeitung) und Mandrill.com (für den Mailversand/Bestellungen) als gute Lösung.

Kurz darauf entdeckten wir Moltin.com, einen gebrauchsfertigen Backend-as-a-Service für den E-Commerce-Bereich. Praktisch alles, was wir brauchten, war hier unter einem Dach versammelt; der Front-End-Entwickler konnte die REST-Services direkt nutzen. Der No-Stack-Ansatz funktionierte bei der Erstellung des Prototypen der Anwendung sehr gut. Wir konnten das Back-End sehr schnell integrieren und die von ihm gebotene umfangreiche Feature-Liste wäre mit der Implementierung einer (kunden-)spezifischen Lösung so nicht realisierbar gewesen.

Die Grenzen des No-Stack-Ansatzes

Allerdings: Der No-Stack-Ansatz weist auch bestimmte Einschränkungen und Hemmnisse auf, die zu Beginn zwar nicht so sehr ins Gewicht fallen, zu einem späteren Zeitpunkt jedoch störend werden. Zunächst einmal verliert jedes Unternehmen, das auf Drittanbieter-Lösungen zurückgreift, an Flexibilität. Um ein Beispiel zu nennen: Wir wollten Grajdante für Windows-Phone-User herausbringen. Das Problem: In dem von uns genutzten Back-End-Service kommt Ionic zum Einsatz, das Windows Phones nicht unterstützt – als Folge existiert bis heute keine Windows-Version der App.

Ein anderes Beispiel: Was passiert, wenn Twitter seine API schließt? Ganz einfach: Twibble wäre innerhalb eines Tages tot, da sein Geschäftsmodell auf Twitters offener API basiert. Des Weiteren fallen die Margen bei der Nutzung von Drittanbieter-Lösungen geringer aus, sobald ein Unternehmen ein gewisses Wachstumsniveau erreicht – was sich negativ auf dessen Bewertung auswirkt. Es gibt noch weitere negative Aspekte, doch die hier genannten sind die wichtigsten.

Der No-Stack-Ansatz existierte vor 5 bis 10 Jahren noch nicht. Mehr als 90 % der Unternehmen, die ihr Geschäftsmodell auf Services aufbauen, die durch offene APIs bereitgestellt werden, sind Startups. So sieht der derzeitige Trend aus. Er bietet Vor- und Nachteile. Allerdings befreit einen der No-Stack-Ansatz von vielen Limitierungen, die mit der Gründung eines Tech-Unternehmens einhergehen, wie etwa den hohen Kosten und Entwicklerfähigkeiten. Blickt man auf China, wo man seine Waren lediglich auf Taobao listen und WeChat installieren muss, um mit seinen Kunden zu kommunizieren und Zahlungen entgegenzunehmen, so wird deutlich, dass er es einer armen, ländlichen Bevölkerung ermöglicht, ein kleines (Familien-)Unternehmen zu gründen.

Aufmacherbild: Wood block tower game for children von Shutterstock / Urheberrecht: Photocheaper

Geschrieben von
Stoyan Mitov

Stoyan Mitov is a co-founder of Grajdanite.bg (#1 App at the Apple Store Bulgaria) and a fellow at Dreamix Ltd. He is an entrepreneur with expertise in product development and community building who is working closely with startups from the Silicon Valley and Europe. Graduate from Draper University and the American University in Bulgaria.

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