Von der Kunst, Freelancer richtig einzusetzen

New-IT-Work: Freelancing als zukunftsweisendes IT-Arbeitsmodell

Alexander Schlomberg

© Shutterstock / Visual Generation

In der IT-Arbeitswelt hat das Konzept New Work – Arbeit mit Freiheit und Selbständigkeit in Einklang zu bringen – schon lange Fuß gefasst. Immer häufiger entscheiden sich IT-Fachkräfte für die Selbständigkeit, für eine Tätigkeit als Freelancer. Unternehmen und staatliche Einrichtungen, die nach wie vor ausschließlich auf festangestelltes IT-Personal setzen möchten, sehen sich mit dieser Entwicklung vor ein wachsendes Problem gestellt. Immer häufiger können sie vakante feste Arbeitsstellen mangels geeigneter Kandidaten über Monate nicht besetzen. Seit Jahrzehnten wird in diesem Zusammenhang über einen Fachkräftemangel geklagt. Dabei kann die Einbindung von Freelancern – richtig umgesetzt – für viele Unternehmen eine mehr als sinnvolle Alternative darstellen.

Die Klagen über einen Mangel an IT-Fachkräften reißen nicht ab. Seit Jahren steigen die Zahlen der Auszubildenden und Studierenden im IT-Bereich stetig an – weltweit. Mit dem kontinuierlich wachsenden Bedarf im öffentlichen Dienst und der Wirtschaft haben sie – zumindest bislang – jedoch nicht Schritt halten können. Nicht zuletzt, da immer mehr hochqualifizierte IT-Fachkräfte sich für den Schritt in die Selbständigkeit entscheiden – und einige Firmen ihr Recruiting noch nicht an diese neue Realität angepasst haben. Die hohe Nachfrage nach IT-Fachkräften in den letzten Jahren hat die Verdienstaussichten von IT-Freelancern stark ansteigen und das Risiko einer Selbstständigkeit entsprechend erheblich sinken lassen. Angesichts des gravierenden Ungleichgewichts zwischen Nachfrage nach und Angebot an IT-Fachkräften ist dies eine Entwicklung, deren Ende nicht abzusehen ist. Entsprechend sinnvoll ist es für Unternehmen, sich an die neue Ausgangslage anzupassen.

Deutscher IT-Arbeitsmarkt weiter unter Druck

Rund 802.000 IT-Fachkräfte waren 2018 sozialversicherungspflichtig auf dem deutschen Arbeitsmarkt beschäftigt – so eine kürzlich erschienene Untersuchung der Bundesagentur für Arbeit (BA). Zwar wurden von Seiten des Bundes an Schulen und Universitäten zahlreiche Initiativen gestartet, um der wachsenden Nachfrage Herr zu werden. 216.000 Studierende waren 2017/18 im Studienbereich Informatik eingeschrieben – ein Plus zum Vorjahr um gut fünf Prozent. Kurz- und mittelfristig ist auf dem deutschen IT-Arbeitsmarkt aber kaum mit einer Entspannung zu rechnen. Nicht zuletzt, da es für die Umsetzung der ambitionierten Digitalstrategien von Großkonzernen und öffentlichen Einrichtungen insbesondere erfahrene Fachkräfte braucht – gerade hier ist der Engpass nach wie vor gravierend und lässt sich kurzfristig nicht durch eine erfreulich steigende Anzahl an IT-Graduierten decken. Mit einer raschen Abmilderung der angespannten Lage ist hier für die nächste Zeit deshalb kaum zu rechnen. Immer häufiger sind Unternehmen und öffentliche Einrichtungen deshalb dazu übergegangen, ihre Recruiting-Strategie anzupassen und Freelancer auf Projektbasis zu beschäftigen. So tragen Unternehmen und öffentliche Einrichtungen einer neuen Entwicklung im Arbeitsmarkt Rechnung und öffnen sich gegenüber einem neuen, stark wachsenden Pool an IT-Fachkräften.

IT-Freelancer in Deutschland – längst eine signifikante Größe 

Rund die Hälfte der deutschen Unternehmen greift mittlerweile auf externe Fachkräfte zurück, wenn es darum geht, digitale Projekte umzusetzen. Die meisten von ihnen sind mit der Arbeit der externen Fachkräfte vollauf zufrieden und wollen deren Anteil an der Projektarbeit in den kommenden Jahren weiter ausbauen. Nicht wenige dieser Externen – rund 86.000 – sind, so die bereits erwähnte BA-Untersuchung, 2018 selbständig tätig gewesen. Das sind etwas mehr als 10 Prozent aller in Deutschland sozialversicherungspflichtig beschäftigten ITler! Primär handelt es sich bei ihnen um hochspezialisierte Fachkräfte. Die Mehrheit von ihnen – rund 65.000 – ist als Einmannbetrieb tätig. Softwareentwicklung, Programmierung und IT-Anwendungsberatung bilden ihre Arbeitsschwerpunkte – genau die Arbeitsgebiete also, bei denen es derzeit an Personal für Festanstellungen mangelt. Für die kommenden Jahre ist hier mit einem weiteren Anstieg zu rechnen. Denn ITlern hat das Freelance-Arbeitsmodell weit mehr zu bieten als nur einen guten Lohn.

Frei, selbstbewusst, finanziell erfolgreich – der New ‚IT‘-Work-Freelancer

Natürlich kann ein Freelancer, verfügt er über gut ausgeprägte Fachkenntnisse in einem Spezialgebiet, deutlich mehr Geld als in einer Festanstellung verdienen. Längst ist der durchschnittliche Stundenlohn für IT-Fachkräfte dabei, die 100-Euro-Marke zu durchbrechen. Doch sind es häufig ganz andere Kriterien, die ITler in die Selbständigkeit treiben. „New Work“ lautet hier das Stichwort. Nur knapp die Hälfte der IT-Fachkräfte opfert ihr sicheres Angestelltenverhältnis einem besseren Verdienst. Tatsächlich ist der Wunsch nach einem Mehr an Unabhängigkeit der eigentliche Antrieb. Als Freelancer sind sie ihr eigener Chef, können sich Projekt, Arbeitsort und Arbeitszeit selbst aussuchen. Sie gewinnen an Freiheit – ein Gut, dass sich gerade in der IT einer rasant wachsenden Beliebtheit erfreut.

Der Freelancer als Brücke zu mehr Know-how

Für Unternehmen muss dieser Wandel nichts Schlechtes bedeuten, sofern man sich der neuen Realität stellt. Richtig umgesetzt kann ein Betrieb von der Inanspruchnahme eines Freelancers auf Projektbasis sogar erheblich profitieren. Denn mit der Hinzuziehung eines technisch hochspezialisierten Freelancers holt er sich Experten-Fähigkeiten, -Wissen und -Erfahrungen ins Haus, die nicht selten nachhaltig auf die eigene Belegschaft abfärben. Doch sind einige Anpassungen von Nöten, um eine solche Zusammenarbeit – von der Projektintegration bis zum Know-how-Transfer – auch mit der größtmöglichen Effizienz umsetzen zu können.

Dem Wandel hin zu New (IT)-Work strukturiert begegnen

Unternehmen müssen agieren und nicht reagieren, wollen sie sich von diesem Paradigmenwechsel im IT-Arbeitsmarkt nicht überrollen lassen. Hier geht es nicht um eine Modeerscheinung, sondern um einen nachhaltigen Trend, der global zu beobachten ist. Entsprechend müssen die eigenen Kapazitäten für Projekte genau analysiert und Arbeitsprozesse wie auch Recruiting so angepasst werden, dass rechtliche Rahmenbedingungen, interne Compliance-Anforderungen und festangestellte Mitarbeiter optimal auf den Freelancer-Einsatz vorbereitet sind. Erst dann ist das Unternehmen auf das Freelance-Arbeitsmodell richtig eingestimmt, kann mit der Suche nach den passenden freien IT-Fachkräften beginnen und vom Know-how der angeworbenen IT-Spitzenkräfte in vollem Umfang profitieren.

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Geschrieben von
Alexander Schlomberg

Alexander Schlomberg ist CEO bei expertlead

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2 Kommentare auf "New-IT-Work: Freelancing als zukunftsweisendes IT-Arbeitsmodell"

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Markus
Gast

Ich erlebe es dennoch ständig, dass die Firmen dann für Projekte jemanden für ein Jahr für 40h/Woche bei Ihnen im Betrieb suchen. Für die Nachteile aus beiden Welten bin ich aber nicht selbstständig geworden 😉

Freiberufler
Gast

Wir die Freiberufler werden den Mittleren Management killen und sehr stark die Geschäfts und Prozesse optimieren, was letztendlich zu mehr Unternehmen Rendite (für beide Seiten) führen wird und den Festangestellten das Leben und die Bürokratierhürde minimieren.