Neue Fahrt für Potsdam …

Kasernen werden zivilisiert

Zu DDR-Zeiten betrieb die Parteiführung in Potsdam eine Kaderschmiede und die Rote Armee war mit weitläufigen Kasernenarealen vertreten. Die letzten dieser Kasernen wurden erst Mitte der 90er Jahre des vergangenen Jahrhunderts geräumt. Viele sind mittlerweile in modernen Wohn- und Arbeitsraum umgewandelt. Ein Beispiel dafür, wie so etwas funktionieren kann, ist das Kultur- und Gewerbequartier Schiffbauergasse. Das sich hier IT-Firmen wie Oracle niedergelassen haben, war laut Frerichs nicht nur ein Gewinn für die Schiffbauergasse, sondern für die gesamte Stadt und ihre weitere Profilierung als attraktiver IT-Standort.

An anderer Stelle hielten Bildungs-, Hochschul- und Forschungsein¬richtungen Einzug in die verwaisten Kasernen. So auch im Potsdamer Ortsteil Golm. Wo einst die Hochschule des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) bemüht war, ihren Studenten eine „klassenbewusste Allgemeinbildung“ und die neuesten Erkenntnisse auf dem Gebiet der operative Geheimdiensttätigkeit zu vermitteln, hat ein neuer Geist Einzug gehalten. Heute bilden die alten Gebäude den historischen Kern eines modernen Campus. Drei Institute der Max-Planck-Gesellschaft, zwei Fraunhofer-Institute, die Mathematisch-Naturwissenschaftliche Fakultät der Universität Potsdam und ein Gründerzentrum machen diesen Standort zum größten Wissenschaftspark des Landes Brandenburg. Hier arbeiten heute über 1.500 Wissenschaftler und Mitarbeiter.

Kultur und reizvolle Landschaft

Touristisch hat Potsdam einiges zu bieten – das gilt für die Stadt selbst mit ihren historischen Gebäuden und ihrem reichen kulturellen Leben. Weit über lokale Grenzen hinaus bekannt ist beispielsweise die Potsdamer Schlössernacht. Die etwa 32.000 Karten sind regelmäßig innerhalb kürzester Zeit ausverkauft. Lohnend ist aber auch das Umland, hervorzuheben sind dabei besonders die Möglichkeiten zum Wassersport. Wenn man will, kann man natürlich auch mit geringem Zeitaufwand einen Ausflug nach Berlin machen.

Besonders sehenswert ist Potsdam auch wegen der unterschiedlichen Baustile, die es auf vergleichsweise engem Raum zu sehen gibt. Grund dafür ist das „Edikt von Potsdam“ mit dem im Jahre 1685 die Mark Brandenburg für Einwanderer aus ganz Europa geöffnet wurde. Diese brachten dann auch die Baustile ihrer Heimatländer mit. So ist beispielsweise das Holländische Viertel die größte erhaltene Siedlung dieser Art außerhalb der Niederlande. Russische Holzhäuser findet man seit Beginn des 19. Jahrhunderts in der Stadt und die Kirche St. Peter und Paul wurde nach italienischem Vorbild erbaut. Sogar eine historisch anmutende Moschee findet man in der Innenstadt. Dabei handelt es sich allerdings nicht um ein Gotteshaus, sondern um das gut „getarnte“ Pumpwerk für die Wasserspiele von Sanssouci. Eines steht jedenfalls fest: Als Reiseziel ist Potsdam in den vergangenen Jahren immer beliebter geworden. 2006 gab es in Potsdam 787.940 Gästeübernachtungen – im Jahr 2000 waren es noch 561.685 gewesen. Kein Wunder, dass die Hochschulen Potsdams mit dem Spruch werben „Studieren wo andere Urlaub machen“.

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