Interview mit Mark Little

Wie MicroProfile Java EE und Microservices zusammenbringen will

Gabriela Motroc

Red Hat hat sich vor Kurzem mit Payara, IBM, Tomitribe und der London Java Community zusammengeschlossen, um MicroProfile zu kreieren. Bei MicroProfile handelt es sich um ein offenes Forum, das darauf abzielt, Microservices auf Enterprise-Java-Ebene einzubinden. Mark Little, Red Hat VP of Engineering, über die Hintergründe und Ziele der Initiative sowie Red Hats Rolle dabei.

Die DevNation Conference markierte einen Neubeginn: Mark Little von Red Hat stand im Juni gemeinsam mit Alasdair Nottingham von IBM, Theresa Nguyen von Tomitribe, Mike Croft von Payara und Martijn Verbug aus der London Java Community auf der Bühne. Sie kündigten das neue gemeinschaftliche Projekt MicroProfile an. Es zielt darauf ab, Developern die Entwicklung von Microservice-Applikationen mithilfe geläufiger Java-EE-Technologien und APIs zu erleichtern.

JAXenter: Red Hat, IBM, Tomitribe, Payara und die London Java Community haben sich zusammengetan, um MicroProfile zu entwickeln. Was sind die Ziele der Initiative?

Wir versuchen einen portablen und interoperablen Standard für Leute zu schaffen, die daran interessiert sind, Microservices mithilfe von Java EE zu entwickeln.

Mark Little: Wir versuchen einen portablen und interoperablen Standard für Leute zu schaffen, die daran interessiert sind, Microservices mithilfe von Java EE zu entwickeln. Um entscheiden zu können, was funktioniert und was nicht, müssen wir aber noch deutlich mehr Erfahrungen im Austausch mit der Community und anderen Beteiligten sammeln. Deshalb haben wir uns dazu entschieden, MicroProfile in Open-Source-Manier auf den Weg zu bringen und jeden, der sich beteiligen möchte, willkommen zu heißen.

Obwohl wir mit Java EE starten, sind wir davon überzeugt, dass sich unsere Bemühungen in Zukunft nicht ausschließlich auf Java EE erstrecken werden. Da wir aber auf weitere Erfahrungen und Beteiligungen angewiesen sind, können wir zu diesem Zeitpunkt keine eindeutigen Zielvorgaben festlegen.

JAXenter: In der Keynote auf der DevNation Conference sprachst du darüber, welche Vorteile Entwickler aus offenen Standards, Wettbewerben, Kollaborationen und Kompatibilitäten ziehen können. Wie willst du Developer davon überzeugen, dass im Java-Enterprise-Bereich die Integration von Microservices der richtige Schritt ist?

Mark Little: Glücklicherweise müssen wir nicht viele von diesem Schritt überzeugen. Wir haben diese Initiative nicht gestartet, weil nur die Leute auf der Bühne dachten, dass es sich um eine gute Idee handelt. Im vergangenen Jahr sind auf uns Kunden, Partner sowie Java-EE-Entwickler zugekommen, die mit Mircoservices arbeiten wollten. Sie konnten es sich jedoch nicht leisten, im Zuge der Integration auf bereits getätigte Investitionen in Technologien und Skills zu verzichten. Um die Vorteile von Microservices nutzen zu können, ist häufig ein kompletter Neustart notwendig.

Du musst als Entwickler nicht auf der grünen Wiese anfangen, um Richtung Microservices zu gehen.

Wir wollen diesen Ansatz gar nicht schlecht reden; auch bei Red Hat haben wir Methoden, die ein solches Vorgehen voraussetzen. Allerdings sind wir gleichzeitig davon überzeugt, dass Developer bei der Entwicklung von Microservices nicht immer ganz von vorne beginnen müssen. Diese Meinung haben wir nicht exklusiv. Im Gegenteil: die Mehrheit ist von solch einem Vorgehen überzeugt. Wir wollen ihnen deshalb zeigen, wie sie ihre Applikationen, Prozesse und Skills erweitern können anstatt sie wegzuwerfen.

JAXenter: Was hat Red Hat zum aktuellen Stand von Java EE beigetragen? Kann MicroProfile die Entwicklung weiter vorantreiben?

Mark Little: Wir haben Java EE immer schon unterstützt und werden das auch künftig tun. So haben wir unter anderem dabei geholfen, CDI, Bean Validation, JTA oder Batch auf den Weg zu bringen. Wie ich bereits in der Keynote erwähnte, repräsentiert Java EE das Ergebnis jahrzehntelanger Entwicklungen im Enterprise-Middleware-Bereich. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass sich Java EE auch in Zukunft ständig weiterentwickelt; und mit MircoProfile wollen wir dazu beitragen. Java EE umfasst viele Schlüsselaspekte (Messaging, Security und Transactions), die notwendig sind, um Enterprise-Systeme zu schreiben, auf die Developer ebenfalls in der neuen Welt von Microservices angewiesen sind.

JAXenter: Wie trägt Red Hat zu MicroProfile bei?

Mark Little: In Zusammenarbeit mit anderen Mitgliedern helfen wir dabei, die Basis-Microservice-Profile zu definieren. Sie werden im September 2016 bereitstehen. Darüber hinaus arbeiten wir an der Konformität unseres eigenen Java-EE-Microservices „WildFly Swarm“ sowie an den grundsätzlichen Voraussetzungen von MicroProfile.

Wir waren immer ein großer Unterstützer von Java EE.

JAXenter: Wie kann sich die Community an MircoProfile beteiligen?

Markt Little: Es gibt eine microprofile.io-Webseite und eine daran angegliederte Diskussionsgruppe, die seit der Ankündigung auf enormes Interesse stößt. Jeder ist herzlich eingeladen, sich an der Initiative zu beteiligen!

JAXenter: Oracle-Sprecher Mike Moeller hat der Technologie-Webseite „The Register“ mitgeteilt, dass es auf Seiten Oracles bald „einen sehr gut definierten Vorschlag“ für Java EE 8 geben wird. Wird diese Ankündigung das Ziel von MicroProfile beeinflussen?

Mark Little: Zum jetzigen Zeitpunkt wissen wir nicht, was Oracle plant. Allerdings sind wir daran interessiert, unterschiedliche Optionen mit ihnen zu besprechen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Geschrieben von
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc
Gabriela Motroc ist Online-Redakteurin für JAXenter.com. Vor S&S Media studierte Sie International Communication Management an der The Hague University of Applied Sciences.
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