Interview mit Olly Salzmann und Rupprecht Rittweger

Machine Learning: „Der geschulte Umgang mit künstlicher Intelligenz wird immer wichtiger“

Dominik Mohilo

© Shutterstock / MONOPOLY919

Künstliche Intelligenz und Machine Learning sind nicht nur in den USA und der internationalen Tech-Szene gerade wichtige Themen: Auch in Deutschland und Europa sind Anwendungen, die auf maschinellem Lernen beruhen, gefragter denn je. Um gemeinsam an Projekten aus diesem Bereich zu arbeiten, haben Olly Salzmann und Rupprecht Rittweger das Netzwerk KI Park Deutschland gegründet. Wir sprachen mit den beiden über ihr Netzwerk, die richtigen Werkzeuge für maschinelles Lernen und Anwendungen, bei denen KI eine gewichtige Rolle spielt.

JAXenter: Hallo Olly, hallo Rupprecht, zunächst einmal vielen Dank, dass ihr euch die Zeit für dieses Interview genommen habt. Ihr habt auf der Konferenz Rise of AI ein neues Projekt angekündigt, den KI Park Deutschland. Was hat es damit auf sich?

Olly Salzmann: Wir wollen mit dem KI Park Deutschland Kompetenzen bündeln, daraus erfolgreiche Geschäftsmodelle und moderne KI-Anwendungen „Made in Germany“ entwickeln. Auf diese Art erschaffen wir die Grundlage für ein offenes Ökosystem, das kontinuierlich wächst. Ein Ökosystem aus Start-ups, Unternehmen und Wissenschaft, Politik, NGOs und Think Tanks. Gemeinsam vereint sie der Wunsch, künstliche Intelligenz in Deutschland, die sich an europäischen Werten orientiert, voranzubringen. Auf diesen Gedanken sind Rupprecht und ich gekommen, als wir feststellten, dass es aktuell leider noch ein Nebeneinander unterschiedlicher KI-Initiativen und Aktivitäten hierzulande gibt. Das Miteinander in wichtigen anwendungsbezogenen Projekten wollen wir mit dem KI Park Deutschland ändern.

Rupprecht Rittweger: Wir haben eine Innovationsplattform für künstliche Intelligenz ins Leben gerufen. Darüber vernetzen wir KI-Start-ups und Scale-ups mit etablierten Unternehmen und dem öffentlichen Sektor. Aktuell erreicht unser Netzwerk über 12.000 KI-Start-ups und 40.000 KI-Experten weltweit – zahlreiche davon in Europa.

JAXenter: Das klingt spannend, das Netzwerk hat eine beeindruckende Größe. Wie kann ich als Unternehmen oder Start-up nun dort Hilfe für meine Probleme finden?

Olly Salzmann: Der einfachste Weg ist, über die digitale Plattform zu gehen. Ein potenzieller Auftraggeber aus einem etablierten Unternehmen oder dem öffentlichen Sektor möchte zum Beispiel eine KI-Anwendung im Bereich autonomes Fahren entwickeln lassen. Über die Plattform nimmt er Kontakt mit uns auf. Wir klären gemeinsam seine Anforderungen ab und erstellen auf dieser Basis die Challenge. Nach der Freigabe durch den Auftraggeber geht die Challenge auf der Plattform live und KI Start-ups können sich bewerben. Mit seinem Account kann der Auftraggeber in Echtzeit verfolgen, welche Vorschläge eingereicht werden. Eine vom Auftraggeber festgelegte Jury bewertet die Start-ups mit Kriterien, die speziell für ihn entwickelt wurden. Die Start-ups mit den besten Ideen präsentieren in einem Pitch ihre Lösung. Letztlich entscheidet der Auftraggeber, wer gewinnt und mit wem er zusammenarbeiten möchte. Eine erste Challenge zur Anwendung künstlicher Intelligenz im Personalwesen wurde bereits von der Firma Linde in München durchgeführt.

Start-ups, die KI-Lösungen entwickelt haben, können sich ebenfalls auf unserer Plattform vernetzen, um ihre Ideen mit etablierten Unternehmen und dem öffentlichen Sektor zu realisieren. Dafür erstellen sie ein individuelles Unternehmensprofil und erhalten von unseren KI-Experten ein direktes Feedback auf ihr Geschäftsmodell und das Produkt. Das schafft Vertrauen beim Kundenangang und schafft neue Zugänge für Start-ups zu potentiellen Kunden und neuen Projekten.

JAXenter: Ist dieser Service kostenlos, oder fallen Vermittlungs- oder Teilnahmegebühren an?

Rupprecht Rittweger: Der Service ist für Mitglieder kostenlos: wir wollen gemeinsam mit den Partnern ein offenes, nicht exklusives Ökosystem schaffen, das der Kristallisationspunkt für KI – Made in Germany werden soll. Uns geht es um die Förderung der digitalen Souveränität und der angewandten KI auf Grundlage europäischer Werte. Es geht nicht ums Experimentieren, sondern darum das Potential künstlicher Intelligenz unter marktwirtschaftlichen Bedingungen nutzbar zu machen. Dafür braucht es die unbürokratische Förderung von KI-Projekten zwischen KI-Start-ups/Scale-ups und etablierten Unternehmen und Organisationen.

JAXenter: Die künstliche Intelligenz, Machine Learning und Deep Learning sind Fokusgebiete der IT, die gerade in den letzten Monaten und Jahren rasant an Bedeutung gewinnen. Es gibt viele Anwendungsbereiche, die offensichtlich sind, etwa bei personalisierten Angeboten im e-Commerce-Bereich. Gibt es auch Anwendungen, bei denen KI zum Einsatz kommt, wo man es vielleicht nicht erwarten würde?



Olly Salzmann: Künstliche Intelligenz drängt zunehmend in unser privates Leben, Lernende und vernetzte KI-Modelle spielen eine immer größere Rolle. Die bekanntesten Beispiele nutzen wir vermutlich alle täglich: im e-Commerce-Bereich die Empfehlung ähnlicher Waren, die Priorisierung und das Ranking von Social Media Posts auf Basis des individuellen Nutzerverhaltens, virtuelle Sprachassistenten, automatische Übersetzungen in Untertiteln unserer Lieblingsserien, oder die smarte Vernetzung von elektronischen Geräten zu Hause. Aber auch in Unternehmen gewinnt die Anwendung von künstlicher Intelligenz, Machine Learning und Deep Learning rasant an Bedeutung. Für eine Übersicht der KI-Anwendungsfälle und KI-Lösungen haben wir eine KI-Landkarte erstellt, die sie auf unserer Internetseite finden.

JAXenter: Die Zukunft gehört dem Machine Learning, so viel ist sicher. Was würdet ihr Entwicklern raten, die sich in diese Richtung weiterbilden wollen? Welche Tools und Sprachen lohnen einen Blick, um für die Welt der künstlichen Intelligenz gewappnet zu sein?

Olly Salzmann: Grundsätzlich wird der geschulte Umgang mit künstlicher Intelligenz immer wichtiger. Wir brauchen eine flächendeckende Aus- und Weiterbildung von MitarbeiterInnen in der Industrie, dem Mittelstand und dem öffentlichen Sektor, um die Potentiale von Künstlicher Intelligenz nutzbar zu machen. Python ist zweifelsohne die tonangebende Programmiersprache geworden, weil sie eine gute Auswahl von etablierten Bibliotheken und Frameworks bietet, die anderen Sprachen weit voraus sind. Allerdings ist die Wahl immer auch eine Frage des spezifischen Anwendungsfalls, auch C++, Java, Swift oder R sollte man daher nicht aus den Augen verlieren.

Olly Salzmann ist Mitgründer der Initiative KI Park Deutschland und Geschäftsführer der Deloitte KI GmbH.
 
 

 

Rupprecht Rittweger ist geschäftsführender Gesellschafter der Investa Holding GmbH und Chairman der NTT Global Data Centers EMEA GmbH sowie Mitgründer des KI Park Deutschland.
Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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