M2M Minutes: Robotik-Wettrüsten, IoT-Fragmentierung, picoTCP

Redaktion JAXenter
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Googles Investitionen in die Roboterforschung sind schwer zu übertreffen – Blogger versucht sich an Schaubild der fragmentierten IoT-Landschaft – neuer TCP/IP Stack für das IoT – Fitnesstracker Atlas misst Bewegungen in allen Dimensionen – künstliche Hand mit Berührungssensoren sorgt für Begeisterung

Der grüne Roboter und seine Artgenossen: James Dyson kleckert, Google klotzt

Der Milliardär Sir James Dyson investiert 5 Millionen britische Pfund (mehr als 6 Millionen Euro) in Roboterforschung, wie der Guardian vergangenen Sonntag berichtete. Das Geld fließt an ein Forschungsinstitut des Imperial College London. Optimistisch wertet der Guardian-Autor diesen Schachzug des Großunternehmers als eine Kampfansage an Google, das kürzlich mit der Übernahme von Boston Dynamics und von DeepMind für Aufsehen sorgte. Allerdings sind die Gelder, die Dyson dem universitären Labor zur Verfügung stellt, Peanuts im Vergleich zu den Investitionssummen, mit denen Google aufwartet. Über den Kaufpreis von Boston Dynamics hüllt sich Mountain View zwar in Schweigen, aber allein für die kleine KI-Schmiede DeepMind ließ der Suchmaschinenriese 400 Millionen US-Dollar springen. Auch wenn die DeepMind-Kompetenzen eher die Googleschen Suchtechnologien als die Robotik bereichern dürften: Die Liste an Google-Eroberungen im Bereich Roboterforschung wird immer länger. Acht sind es inzwischen. Neben Boston Dynamics gehören u.a. Schaft Inc., Industrial Perception oder Redwood Robotics dazu.

Und Google hat noch so manch einen Trumpf im Ärmel: Vor ein paar Tagen wurde berichtet, dass Larry Pages Unternehmen eine Partnerschaft mit dem taiwanesischen Gerätehersteller Foxconn, Partner von Apple und BlackBerry, eingeht. Seit einiger Zeit schon soll Andy Rubin, ehemaliger Android-Chef bei Google, mit Vertretern von Foxconn die gemeinsame Zukunft planen. Teil dieser Vision soll ein eigenes Betriebssystem für Roboter sein. Dass dieses auf Android aufsetzen wird, liegt auf der Hand. So könnte der kleine grüne Roboter bald auch im Reich seiner Artgenossen anzutreffen sein.

Der einzige Investor, der Google in Sachen Roboterforschung Paroli bieten kann, ist wohl das Militär. Wer sonst sollte es sich leisten können, 10,8 Millionen Dollar in einen einzigen Roboter zu stecken, als die DARPA?

„The IoT landscape is a mess“

Das IoT wächst und wuchert. Und je mehr Technologien und IoT-Startups aus dem Boden sprießen, desto lauter werden die Stimmen, die vor einer Parzellierung der IoT-Landschaft warnen. Der Autor des Blogs Entrepreneurshiptalk, auf den wir diese Woche stießen, stimmt in die Fragmentierungs-Lamenti ein: „The IoT landscape is a mess! Too many protocols, too many wannabe standards, too many revolutions.“ Um sich und anderen einen Überblick über den Wildwuchs an IoT-Technologien zu verschaffen, erstellte der Blogger ein Diagramm, das er die verschiedenen Schichten von IoT-Architekturen und die jeweils einsetzbaren Technologien abbildet – von der Konnektivität bis hin zu Unternehmensanwendungen, die aus den gesammelten Daten Wert schöpfen. Der Autor weist darauf hin, dass Ähnlichkeiten mit dem OSI-Modell beabsichtigt seien, sich das IoT-Diagramm aber keineswegs sklavisch an dieses Vorbild hält. Inspiriert durch Leser-Feedback wurde das Diagramm kürzlich überarbeitet. Man kann sich also aktiv an der Ausarbeitung beteiligen, indem man einen Kommentar hinterlässt.

Bild: http://entrepreneurshiptalk.wordpress.com

picoTCP: ein kleiner TCP/IP Stack für das IoT

Das belgische Softwareunternehmen Tass Technology Solutions entwickelt einen kleinen TCP/IP Stack für das Internet der Dinge: picoTCP. Eine Open-Source-Variante ist auf GitHub verfügbar und steht unter GPS-v2-Lizenz. picoTCP soll dabei helfen, die Kontrolle über den gesamten Kommunikationsstack in eingebetteten Systemen zu bewahren. Die Technologie ist unabhängig von der Architektur des Systems, unterstützt 8-, 16- und 32-Bit-Systeme und sowohl die Big- als auch die Little-Endian-Variante. Sie ist leicht in alle Embedded-Betriebssysteme integrierbar, zeichnet sich durch minimalen Footprint aus – bei voller Konfiguration lediglich 20 KB – und erfordert etwa 16 KB RAM.

Atlas: schicker, intelligenter Fitnesstracker

Unser Crowdfunding-Projekt der Woche zeigt, welche Maßstäbe derzeit im Bereich Wearble Devices herrschen. Auf indiegogo.com wirbt das texanische Startup Atlas Wearables noch 24 Tage um Spendengelder für seinen Fitness-Tracker. Fast das Vierfache des Finanzierungsziels wurden bereits jetzt erreicht. Atlas soll nicht einfach nur Schritte zählen oder Distanzen messen, sondern ein breites Spektrum an Bewegungsparametern berücksichtigen. „3D Body Tracking“ lautet die Formel. Die Art und Intensität der Bewegungen können von der Atlas-Software erkannt und auf Basis von Bewegungsprofilen vorausberechnet werden. Kombiniert mit den Daten über Körperfunktionen können darüber hinaus Leistungshochs und –tiefs vorhergesagt werden – und das alles in Echtzeit. Auch neue Bewegungsmuster werden dank der eingebauten Analyse-Engine schnell erlernt.

Atlas ist mit den gängigsten Fitness-Apps kompatibel, kann aber dank eines offenen APIs auch mit selbst entwickelten Apps kombiniert werden. Aus einem universitären Projekt an der Johns Hopkins hervorgegangen, wird die intelligente Armbanduhr mittlerweile in enger Zusammenarbeit mit professionellen Fitnesstrainern entwickelt. Aber nicht nur der Funktionsumfang, auch das schicke Design sowie die beeindruckende Vermarktung – allein das Imagevideo ist ein Augenschmaus – dürften dem Startup den bisherigen Finanzierungserfolg beschert haben.

Bionik für mehr Fingerspitzengefühl

Ebenfalls aus dem universitären Umfeld, von der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne, stammt eine Erfindung, die in der vergangenen Woche schlagartig berühmt wurde, obwohl es nicht die erste ihrer Art ist: eine künstliche Hand, die ihren Träger die Gegenstände spüren lässt, mit denen sie in Berührung kommt. Mutter Natur gab in puncto Anatomie den Ton an: Sensoren und Sehnen in den Fingern der bionischen Hand wurden so konstruiert und platziert, dass ein Andocken an die Armnerven des Patienten möglich ist. Signale können also direkt ins Gehirn geleitet werden. Wie The Verge berichtet, war dies erst der Anfang einer langfristigen Versuchsreihe.

 

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