M2M Minutes: Eine Drohne für Facebook, China und das IoT, Ford und die Qual der OS-Wahl

Redaktion JAXenter
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Besucherrekord und neue Technologien auf der embedded world – Microsoft nicht mehr Fords Nr. 1 – Facebook erwägt angeblich Kauf von Titan Aerospace – China möchte IoT-Industrie ausbauen – Soap: Android-basierter Heimnetzwerk-Router – IoT Conference: neue Veranstaltung in Berlin

embedded world: Besucherrekord und neue M2M-Lösungen

Letzte Woche fand in Nürnberg die zwölfte embedded world Exhibition & Conference statt, über die wir ausführlich berichteten. In diesem Jahr konnten die Veranstalter einen Besucherrekord verzeichnen: Die 26 688 M2M-/IoT-Interessierten, die sich laut ihrer Mitteilung letzte Woche in der Nürnberger Messe einfanden, übertrafen die Erwartungen deutlich und spiegeln die wachsende Bedeutung des Internet of Things wider.

Im Rahmen der embedded world wurde wieder eine Vielzahl neuer Technologien und Plattformen auf den Markt gebracht. Hier nur eine kleine Auswahl: Atmel wartete gleich mit einem ganzen Arsenal an neuen Lösungen auf, darunter eine Beta-Version der integrierten Entwicklungsplattform Studio 6.2 und mehrere günstige Entwickler-Kits. Sierra Wireless gab den Startschuss für seine neue Anwendungsplattform Legato. Die basiert auf Linux, was wieder einmal zeigt, dass das IoT auch für Tux den Pinguin ein regelrechter Jungbrunnen ist. Außerdem wurde für eine enge Integration mit der Linux-Distribution von Wind River gesorgt. Apropos: Auch die kalifornische Intel-Tochter Wind River, die sich auf Embedded-Software für intelligente vernetzbare Systeme spezialisiert, hatte auf der embedded world Neues zu verkünden: Nachdem sie vergangenen Oktober ihre Intelligent Device Platform mit den Zutaten OSGi und MQTT präsentiert hatte, brachte sie auf der Messe eine neue Version seines Echtzeit-Betriebssystem (RTOS) VxWork ans Licht der Öffentlichkeit. Das proprietäre OS ist seit 1987 auf dem Markt  und kommt u. a. in Embedded-Systemen der Luft- und Raumfahrtindustrie zum Einsatz. Implementiert wird es in den Sprachen Java, Ada, C und C++. 

BlackBerry bald an Bord des Ford?

Im vergangenen Jahr konnte Microsoft den Rivalen BlackBerry im Smartphone-Sektor ausstechen. Schlägt BlackBerry nun im Embedded-Bereich zurück? Am 22. Februar berichtete Detroit News erstmals, dass der Automobilhersteller Ford sein Infotainmensystem Sync künftig nicht mehr auf Basis von Microsoft-Technologien weiterentwickeln wolle. Stattdessen würde QNX zum Zuge kommen, das Embedded-Betriebssystem der Softwareschmiede QNX Systems, 2010 von BlackBerry übernommen. Auch wenn damit schon bewiesen wäre, dass QNX einer der größten Trümpfe im Ärmel des kanadischen Smartphone-Herstellers ist: Ford hält sich bedeckt. Man sei schließlich nicht mit Microsoft verheiratet, kommentierte Ford-Geschäftsführer Pin van der Jagt letzte Woche auf dem Mobile World Congress das Gerücht, und halte sich daher alle Möglichkeiten offen. Gegenüber Techcrunch deutet Ford sogar an, künftig auf mehrere OS zu setzen. So soll demnächst Apples Automobil-Betriebssystem, das jetzt CarPlay heißt, in Ford-Fahrzeuge integriert werden. Und wer weiß, vielleicht wird Microsoft ja trotzdem fortfahren, Ford zu fahren… 

Facebook + Titan Aerospace = Spacebook?

Für Gerüchte sorgte in dieser Woche auch Facebook. Nicht, weil sich das Zuckerberg-Imperium erneut eine Messenger-App einverleibt. Diesmal hat das Unternehmen den Drohnen-Hersteller Titan Aerospace im Visier, will TechCrunch vernommen haben. Mit hoch entwickelten Solar- und Akkuzellen ausgestattet, sollen die UAVs (Unmanned Aerial Vehicles) des 2012 gegründeten Luftfahrt-Unternehmens fünf Jahre am Stück durchhalten, ohne auch nur einmal landen zu müssen. Die vorgesehenen Flughöhen von mehr als 60 000 Fuß (18 288 Meter) sollen garantieren, dass die „Satelliten“ keiner staatlichen Regulierung durch die US- Behörde Federal Aviation Administration (FAA) unterstellt sind. Was hätte Facebook von diesem Deal? Ganz einfach: Konnektivität. Man könnte ganzen Regionen Zugang zum Internet verschaffen – und damit den einen oder anderen technologischen „Leapfrog“ auslösen. Denn wer würde schon weiterhin auf Landleitungen warten, wenn er bereits drahtlos ins Internet kommt?

Ähnlich hochfliegende Visionen verfolgt Googles Projekt Loon, das den unvernetzten Teil der Erde mithilfe von Ballons ins Web bringen möchte. Neue Internetnutzer, neue Kunden. Humanitäre Zwecke verfolgt hingegen das Drohnen-Projekt Matternet, das seine UAVs u. a. als Medikamentenlieferanten in benachteiligten Regionen der Erde einsetzen möchte. Matternets Akku-Technologie ist allerdings noch nicht reif genug. Hier wird in den nächsten Jahren ohnehin einiges an Investitionen zu erwarten sein. Jüngst hat Tesla Motors, Hersteller von Elektroautos, mit seiner Plänen für eine Batteriefabrik („Gigafactory“) im Wert von 5 Milliarden US-Dollar gerade für Furore und gesorgt und Größenwahn-Unterstellungen ausgelöst.

China: Der große IoT-Sprung vorwärts

Dass das Internet der Dinge bereits jetzt ein weltumspannendes Phänomen ist, steht außer Frage. Besonders kräftig mischt in diesem Markt mittlerweile der ostasiatische Raum mit: Ende Januar gründete sich mit der Bridge Alliance ein weiteres großes M2M-Konsortium, und auch China macht mobil: Laut einer Meldung des China Internet Information Center sprach sich der stellvertretende chinesische Ministerpräsident Ma Kai dafür aus, die chinesische IoT-Industrie energisch voranzutreiben. „Wir sollten die Entwicklung des Internets der Dinge in China fördern und in diesem Bereich bis 2015 eine starke Industriekette aufbauen“, soll er auf einer öffentlichen Pressekonferenz gesagt haben. „Das Internet der Dinge wird eine neue Welle der wirtschaftlichen Entwicklung und eine technologische Revolution mit sich bringen.“ Der Umsatz in der chinesischen IoT-Branche betrug 2013 500 Milliarden Yuan (60 Mrd. Euro), ein Wachstum von 37 Prozent im Vergleich zum Vorjahr, wie das Ministerium für Industrie und IT berichtet. Über entsprechende Kerntechnologien soll das Land allerdings noch nicht verfügen.

Soap: Android-basierter Heimnetz-Router

Kickstarter knackte in dieser Woche die Eine-Milliarde-Dollar-Marke an Geldzusagen. Für uns Anlass genug, die Plattform auch in dieser Woche nach interessanten schwarmfinanzierten IoT-Projekten zu durchforsten. Dabei stießen wir auf die Kampagne des Android-basierten Smart Routers Soap, die noch 16 Tage läuft. Der Router wird über ein Touchdisplay bedient, dessen UI einer Tablet-Oberfläche in nichts nachsteht. Diesen Eindruck erweckt zumindest das Video (s. u.). Herzstück ist ein ARM Quadcore-Prozessor. Ebenfalls an Bord: ein NFC-, ein RFID- und ein Zigbee-Modul, Bluetooth 4.0, Insteon-Kompatibilität und Z-Wave-Unterstützung. Des Weiteren wartet Soap mit Security-Features auf (ein immer drängenderes Thema in der Heimautomatisierung, s. dazu ein Blogpost von Kai Kreuzer). Im „Ninja Mode“ beispielsweise lässt sich das heimische Intranet vor anderen Mobilgeräten in der Umgebung verbergen. Mit „Soap Spy“ erhält man Zugang zu den Geräten anderer Nutzer innerhalb des Heimnetzwerks, was insbesondere auf Eltern abzielt, die das Surfverhalten ihres Nachwuchses im Auge behalten möchten. Selbstverständlich kann man über die zugehörige App auch von außerhalb auf das Netzwerk zugreifen.

Internet of Things Conference: Neue IoT-Konferenz in Berlin

Zum Schluss noch ein Hinweis in eigener Sache: Vom 1.-3. September 2014 veranstaltet S&S Media eine neue Konferenz rund um das Internet der Dinge: die Internet of Things Conference. Save the Date! Geplant sind u. a. Tracks zu den Themen IoT Tools & Frameworks, Design & User Experience, Iot Trends & Business, IoT Architektur & Infrastruktur, IoT Security & Safety, IoT-Protokolle und IoT & Big Data. Seit gestern steht die Website: http://iotcon.de. Weitere Informationen folgen bald auf JAXenter.de und über den Twitterkanal mit dem Handle @iotconf.

Internet of Things Conference

 

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