Die Flinke Feder

Liste der Apache-Projekt wächst – Bleibt alles anders?

Bernd Fondermann

In den letzten zehn bis fünfzehn Jahren ist die Softwarelandschaft wesentlich durch Java geprägt worden. Das kann man nicht bestreiten und das wird man als JAXenter-Leser wahrscheinlich auch nicht bedauern. Auch bei der Apache Software Foundation heißt Wachstum in der Vergangenheit im wesentlichen Wachstum der Java-basierten Projekte.

Am Anfang war java.apache.org. Java ist aber eine geschützte Marke, also wurde daraus Jakarta. Unter dem Jakarta-Deckel sammelte sich so einiges an Java-Projekten an: JMeter, log4j, Tomcat, Lucene, Ant, die Commons-Projekte und viele mehr.

Was hatten diese Projekte gemeinsam, außer der Implementierungssprache? Wenig. Die Schnittmenge war sogar manchmal leer. Die Jakarta-Community bestand nämlich in Wirklichkeit aus vielen kleinen und mitunter gar nicht mal so kleinen Subcommunities. Das eine Projekt Jakarta gab es zu einem bestimmten Zeitpunkt des Wachstums nicht mehr. Das Jakarta Project Management Committee hatte keinen Überblick mehr. Es war nur noch der Mantel, im ASF-Jargon: ein „Umbrella“-Projekt. Mittlerweile ein Schimpfwort, ein Open-Source-Antipattern.

Umbrellas sind ein Phänomen von erfolgreichem expansivem Projektwachstum. Wer sich die ASF anschaut, sieht deshalb manchmal das Projekt vor lauter Regenschirmen nicht. Kandidaten für Umbrellas sind derzeit: XML, das Web-Services-Projekt WSLucene und Hadoop. Jakarta ist mittlerweile weitgehend entkernt.

Die Konsequenz für die Nutzer der zugehörigen Produkte: Sie werden bald einige Software an anderer Stelle finden, meist als „Top-Level-Projekte“, so genannte „TLPs“. Seit Dezember sind die doch schon recht erwachsenen Brüder Axis1 und Axis2 dem XML-Deckmantel entschlüpft – oder sollte man sagen: von der Mutter sanft zum Ausziehen bewogen worden? Sie firmieren nun unter axis.apache.org. Gleiches gilt für Tuscany und Synapse, die bereits unter einem eigenem PMC arbeiten. Ähnliches ist für Zookeeper, HBase, Mahout, Tika, Pig, Hive und andere zu erwarten.

Die zurückbleibenden Projekte können sich nun wieder ganz auf sich selbst konzentrieren, was gut ist. Andererseits ist es wie mit den Nachkommen einer Pflanze: Ob die Ablegerprojekte den richtigen Platz finden, Wurzeln schlagen und aufblühen, hängt ganz davon ab, ob sie ausreichend mit Code gedüngt werden, von einer hoffentlich lichtspendenden Community.

Was allerdings verloren geht, ist die auch für die Nutzer transparente thematische Zugehörigkeit. Die Liste der Apache-Projekte verlängert sich immer mehr. Wo die Verknüpfungspunkte untereinander sind, wird dadurch leider nicht klarer. Da hilft auch projects.apache.org nicht viel.

Bei all diesen Zellteilungen sei auch eine andere Art der Projektveränderung bemerkt: Die Fusion. Solr und Lucene Java sind zwei unterschiedliche Produkte: Ersteres ein Server, aufbauend auf dem Lucene-Framework, aber mit vielen zusätzlichen Features, Letzteres eine Software, die in IT-Projekten aller Art auf unterschiedliche Weise eingesetzt wird, natürlich auch in Solr. Das sind zwei verschiedene Source Trees, viele der Entwickler arbeiten aber an beiden Projekten. Die Überschneidung ist groß. So findet sich in Solr Code, der eigentlich besser nach Lucene gehört und umgekehrt. Konsequenz: Die Codebasis wird zusammengeführt. Solr und Java Lucene bleiben aber als eigenständige Produkte bestehen. Inwieweit die Releases gekoppelt werden, ist noch offen. Lucene Committer Uwe Schindler, der derzeit bei der Anzahl der Lucene Commits ganz weit vorne liegt, hat an der Kernschmelze mitgearbeitet – und sich hoffentlich nicht verbrannt.

Eine Taschenlampe für das Licht im Projektdunkel soll diese Kolumne sein und die kleinen Erschütterungen und Erdrutsche der Apache-Projektlandschaft beleuchten. Interessant sind die aktuellen Veränderungen vor allem, weil es mit Lucene und Hadoop Projekte trifft, die gerade hochgradig kommerzialisiert werden. Es bleibt spannend.

Bernd Fondermann (bernd.fondermann@brainlounge.de) ist freiberuflicher Softwarearchitekt und Consultant in Frankfurt a. M. Er beschäftigt sich mit innovativen Open-Source-Technologien wie Apache Hadoop und Lucene und ist Member der Apache Software Foundation und Vice President Apache Labs.
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