Haben Programmiersprachen ein Mindesthaltbarkeitsdatum?

2039 – Das Jahr in dem Java stirbt?

Dominik Mohilo

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Die Antwort auf die Frage nach dem Sinn des Lebens, nach dem Leben, dem Universum und dem ganzen Rest (wir vermissen dich, Douglas) ist hinlänglich bekannt. Doch auch die Frage nach dem genauen Zeitpunkt des Todes beschäftigt die Menschheit seit Ewigkeiten. Der Lindy-Effekt soll zumindest was nicht-verderbliche Dinge angeht, zu denen wir Menschen bekanntermaßen nicht zählen, Aufschluss geben: Hier sind die erwarteten Todesdaten aktueller Programmiersprachen.

Je länger eine Technologie bereits existiert, desto länger bleibt sie bestehen.

Dieses mathematische Konzept zur Berechnung der Lebenserwartung nicht-verderblicher Dinge nennt sich Lindy-Effekt und geht auf Albert Goldman zurück. Der behauptete, dass das Material eines Comedians konstant ist und je öfter er auftrete, desto geringer sei die Wahrscheinlichkeit, dass er die erste Staffel seines Programms „überlebe“.

Oben genanntes Zitat passt allerdings exakter zur neuen Definition von Benoit Mandelbrot. Diese besagt, dass je mehr Auftritte ein Comedian absolviert, desto mehr Auftritte wird er in Zukunft haben. Nassim Taleb führte das Ganze dann weiter in Richtung nicht-verderblicher Waren und erklärte den Lindy-Effekt anhand eines Buches, das bereits seit 40 Jahren im Druck ist. Überlebt es weitere 10 Jahre, wird es in 50 Jahren noch im Druck sein: Mit jedem Jahr, das das Buch überlebt, verdoppelt sich also dessen Lebenserwartung.

In the year 2525…

Womit wir im Jahr 2525 programmieren werden, lässt sich leider nicht mit dem Lindy-Effekt vorhersagen. Eine Sprache hätte, um nach den Regeln des Lindy-Effekts auch 2525 voraussichtlich noch verwendet zu werden, bereits seit 1509 im Einsatz gewesen sein müssen. Eine Programmiersprache also, in der also bereits Martin Luther für sein Smartphone eine Bibel-App geschrieben hätte.

Auf seinem Blog wendete John D. Cook den Lindy-Effekt auf tatsächliche Programmiersprachen an und berechnete folgende Haltbarkeitsdaten:

Sprache Geburtsjahr Erwarteter Zeitpunkt d. Todes
Go 2009 2025
C# 2000 2034
Java 1995 2039
Python 1991 2043
Haskell 1990 2044
C 1972 2062
Lisp 1959 2075
Fortran 1957 2077

Natürlich wird beim Lindy-Effekt weder Popularität noch institutionelle Unterstützung (wie bei Go und Dart zum Beispiel durch Google) in Betracht gezogen. Eine starke Community und eine mächtige Organisation als Rückendeckung dürfte den Lindy-Effekt jedenfalls aushebeln. Aber vielleicht irre ich mich auch und Google Dart, das 2013 das Licht der Welt erblickte, wird 2021 den Sprachentod sterben. Sollte das so sein, müssen sich Java-Entwickler spätestens ab 2039 ernsthafte Sorgen machen.

Der Tod von Java wurde allerdings schon viele Male und mit unterschiedlichen Begründungen vorhergesagt und seit 22 Jahren vermochte es keine Entwicklung, keine neue Technologie und keine Krise in der Welt, Java den Garaus zu machen – wer also auf das Überleben von Java gesetzt hat, stand bislang immer auf der sicheren Seite.

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Auch wenn man mit dem Lindy-Effekt also nicht zwangsläufig die wirkliche Lebenserwartung von Programmiersprachen vorhersagen kann, ist es doch beeindruckend, dass Fortran bereits seit 60 Jahren seine Nische in der Welt der Software innehat. Und – ganz wie es bei realen Sprachen wie Latein der Fall war – wird manche Programmiersprache, die dem Schnitter zum Opfer fällt, vielleicht doch die ein oder andere nachfolgende Sprache beeinflussen.

Wie glaubt ihr, liebe Leser, wie sich die Lebenserwartung einer Programmiersprache berechnen lässt? Welche Sprache wird die Jahrhunderte überdauern? Haben Sprachen ein Mindesthaltbarkeitsdatum? Und wer ist der Nächste auf Gevatter Tods Liste? Schreibt uns in die Kommentare!

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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