Special Day der Jax 2012

Lernen vom Web: HTML5 Day auf der Jax 2012

Eric Herrmann

In fünf Sessions lieferte der HTML5 Day der Jax 2012 zahlreiche Einblicke in die kommende Markup-Sprache. Vaadin ermöglicht Rich Internet Aplications, JavaScipt darf etliche HTML5-APIs nutzen, Sencha Touch verbindet Server und Mobile-Clients, JavaFX 2 kann HTML5 für Desktop-Anwendungen nutzbar machen und liefert sogar 3D-Rendering, wenn es nötig ist. Der Zagreb-Saal in der Mainzer Rheingold-Halle war von der ersten bis zur letzten Session fast komplett gefüllt.

Joonas Lehtinen machte den Anfang. Mit Vaadin, seinem UI Framework, haben die wenigsten im Saal schon gearbeitet. In seinem Vortrag sprach er über den Bau von Rich Internet Applications, die im Business-Sektor immer stärker gefragt sind. Schnell überflog er die Schnittstellen und Funktionalitäten von HTML5, um zu zeigen, wo Vaadin ansetzt.

Vaadin liefert aber bloß gute Ergebnisse, wenn man sich an die Best-Practice-Empfehlungen richtet. Von der Entwicklungs-Reihenfolge Plan – Prototyp – Design – Implementierung – Test – Distribution sollte man daher nicht abweichen. Wer’s tut, der riskiert unnötigen Mehraufwand.

Noch ein Ratschlag an die UI-Planung: „Shamelessly copy user experience!“, denn mit bekannten Umgebungen kommen die Anwender am schnellsten zurecht. Und beim Testing von UIs betonte Lehtinen mehrfach, dass nur akribisches Pixel Level Regression Testing sicherstellen kann, dass die Anwendungen einen polierten Eindruck hinterlassen, da Kunden Schlamperei bei der Optik weniger verzeihen als fehlerhafte Funktionalität.

Reichlich Andrang gab es beim HTML5-Day auf der Jax 2012

Weiter ging es mit den JavaScript-APIs von HTML5. Praktische Beispiele von Geolocation, Canvas oder dem Online-Check machte Christian Wenz von Arrabiata Solutions schnell vor. Bei HTML5 handelt es sich eigentlich um eine Mogelpackung, erklärt er. Denn HTML5 ist nicht nur der Nachfolger von HTML4, sondern ein neues HTML mit JavaScript-Schnittstellen.

Ein „neues HTML“ ist es vor allem deshalb, weil es mit einigen Features auf Mobile-Devices zugeschnitten ist. Man erkennt das an der Eingabevalidierug der Formular-Felder: Mit den neuen Input Types prüft HTML5 automatisch, ob eine gültige Telefonnummer oder E-Mail-Adresse eingegeben wurde. Zusätzlich zeigen die Angaben dem Smartphone, wie es die Bildschirmtastatur der gewünschten Eingabe anpassen soll – sofern das Smartphone-OS die neuen Input Types ausliest. Auch die Geolocation Features kommen vor allem in mobilen Geräten zum Einsatz, und um die Beschaffung der Daten kümmert sich der Browser automatisch.

Andreas Hölzl von Canoo zeigte, wie man Java-Applikationen mit Sencha Touch steuert. Nicht nur MVC-Design sowie Store- und Proxy-Funktionalität machen das Web-App-Framework vielseitig: Es läuft auf sämtlichen Smartphones und Tablets. In Umfragen schneidet es gut ab, und die Entwickler versprechen sich eine lange Lebensdauer des Projekts aus dem Hause Sencha. Des Weiteren gab Hölzl bei der Session nützliche Tipps, wie man bei der Entwicklung Zeit spart und in welchen Szenarien sich der Einsatz einer Web-App überhaupt erst lohnt.

Sein Kollege Gerrit Grunwald schloss sich dem Cross-Plattform-Gedanken an, setzte allerdings bei JavaFX 2 an. Dieses junge Interface-API beherrscht nämlich dank der integrierten WebKit-Engine den Export nach HTML5, sodass sich Web-Apps ab sofort auch mit Java-Bordmitteln kreieren lassen. Und dank der Verwendung von HTML5-LocalStorage lassen sich vielleicht schon bald vollwertige Offline-Desktop-Apps anfertigen. Leider funktioniert eben dieses HTML5-Feature noch nicht sehr gut in JavaFX.

Terrence Barr von Oracle zeigte JavaFX 2 sowie Pläne zu Java SE und EE

Den Abschluss machte Terrence Barr von Oracle, der noch einmal detailliert auf JavaFX 2 einging. In einigen Video-Demos zeigte er die durchdachte API zum Bau von User Interfaces, die für die Darstellung von Graphen einige Templates und Funktionen bereit hält, die mit bisherigen Alternativen mühsam von Hand gebaut werden müssen. Auch ein 3D-Duke tanzte mit 60 Bildern pro Sekunde über den Bildschirm, und zwar nachdem er von einer Microsoft-Kinect-Kamera die Befehle dazu vorgemacht bekam.

Zum Erstellen der GUIs wurde mit dem JavaFX Scene Builder ein neues Tool vorgestellt. Die von ihm ausgegebenen Daten im neuen FXML-Format enthalten statische Deklarationen, mit denen JavaFX das GUI live erstellt. Diese GUIs ermöglichen Binds, also Quervernetzungen von Aktivitäten innerhalb der Applikation. Dabei handelt es sich eigentlich um eine Erfindung aus Java FX Script, der Sprache des von der Community abgelehnten JavaFX 1. Die Anpassungen im Design von JavaFX-Apps erfolgen in CSS.

Zum Schluss nannte Barr noch die nahen Ziele von Oracle bezüglich JavaFX. So will man es auf jeden Fall als Open-Source-Projekt weiterlaufen lassen, wobei Oracle sich um die Standardisierungen im Rahmen des JCP bemühen will.

Und so schloss der HTML5 Day der Jax 2012. Er fand auch wie im vergangenen Jahr regen Anklang: Wie es scheint, strebt auch die Java-Welt immer mehr ins Web und sucht nach Möglichkeiten, Webtechnologien mit den eigenen zu verbinden. Dank der neuen Entwicklungen sinkt der dafür nötige Aufwand stetig und solides Engineering wird machbar.

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Eric Herrmann
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