Kommentar: Bye bye James! - JAXenter

Kommentar: Bye bye James!

Sebastian Meyen

James Gosling, immer wieder als Vater von Java bezeichnet, zieht sich zurück. Damit ist er nicht der erste prominente Name bei Sun, der unter dem Dach von Oracle nicht mehr weiter machen will (oder kann) und wird gewiss nicht der letzte sein.

Mit seinem Weggang geht aber für Viele spürbar eine Ära zu Ende. Mit ihm verknüpfen sich zahlreiche Erinnerungen an die Anfänge von Java: als Java neu war, als Java die Welt veränderte, als das Internet neu und aufregend war. Gosling, gut eine Generation älter als die überwiegende Mehrzahl der Java-Entwickler, machte mit seinem grauen Bart und seinem schütteren Haar stets eine gute Figur als „Vater“ der Java-Gemeinde.

Aber hat er in den letzten zehn Jahren tatsächlich Substanzielles beigetragen zu Java? Auf den JavaOne-Konferenzen bestand seine Rolle vor allem darin, den sympathischen Elektrotechniker zu spielen, der mit seinen ausgelatschten Jeans und seinen vielen „Ähs“ in der Rhetorik demonstrierte, dass er offensichtlich wenig Wert auf Etikette, vielmehr jedoch auf allerlei technische Spielereien legte.

In seiner Keynote auf der W-JAX 2004 beschäftigte er sich vor allem – mit sich selbst; seinem Werdegang, kleineren Anekdötchen, lustigen Bildern aus der Zeit „wie alles begann“. Zu aktuellen Fragen der Java-Welt hatte er dagegen kaum etwas zu sagen. Auch in unserem Interview, das wir damals mit ihm führten, wies er die Möglichkeit, Java eines Tages unter Open Source-Lizenz laufen zu lassen, weit von sich. Es sei unmöglich, für Javas Qualität und Stabilität Gewähr zu tragen, sagte er damals. Zwei Jahre später war es dann so weit – es ging doch.

Zum zehnjährigen Jubiläum veröffentlichten wir auf www.JAXenter.de ein lustiges kleines Video, in dem James versucht, das Java Magazin auf deutsch zu lesen – für allerlei Schabernack war er immer zu haben. In vielen seiner öffentlichen Statements jedoch hatte man vor allem die Marketing-Ikone vor sich: den James, der vor allem dafür zuständig war, die offiziellen Sun-Verlautbarungen wiederzugeben.

James Gosling, der ja nicht nur als der Urheber von Java gilt, sondern zuvor auch mit dem Emacs ein für Jahrzehnte wegweisendes Werkzeug entwickelte, ist ganz gewiss ein begabter Ingenieur und ein kreativer Kopf; aber in seinen letzten Jahren bei Sun hat er diese Fähigkeiten wohl kaum ausspielen können. Schade, dass er erst jetzt das Unternehmen verlässt, ein halbes Jahrzehnt früher wäre für ihn gewiss viel besser gewesen.

Bye bye James, irgendwie werden wir dich dennoch vermissen!

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Sebastian Meyen
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