Ägypten zeigt sich als attraktiver Outsourcing-Standort

Keine Fata Morgana

Gunilla Bemmer

Pyramiden, der Nil, das Rote Meer, viel Sand und große Wüsten – Beim Stichwort Ägypten hat jeder eine Vielzahl von Bildern des nordafrikanischen Landes vor Augen. Bei den zahlreichen kunsthistorischen Schätzen und einer Jahrtausende alten Geschichte fällt es schwer, Ägypten mit Outsourcing in Verbindungen zu bringen. Dabei hat sich das Land bereits zu einem attraktiven Outsourcing-Standort entwickelt.

Das Tor zu Europa und zum Nahen Osten

Outsourcing wächst – trotz oder gerade wegen der weltweiten Rezession. Etablierte Outsourcing-Anbieter wie Indien und China sowie etliche Akteure im Second Level Support, darunter Russland, Irland, die Philippinen, Malaysia und Israel, ziehen sich aus dem von der Rezession geschwächten nordamerikanischen Markt zurück und suchen Geschäftsmöglichkeiten in Europa und Nahost.

Insbesondere Ägypten etabliert sich rasch als Tor zu den Absatzgebieten in Nahost und Kontinentaleuropa. Es zeichnet sich durch seine wachsende Infrastruktur für Informations- und Kommunikationstechnik (ITK), kostengünstige Dienstleistungen, qualifizierte Arbeitskräfte und ein offenes Geschäftsumfeld aus. Ägyptens Attraktivität als Outsourcing-Standort ist in den letzten Jahren parallel zur Entwicklung seiner ITK-Infrastruktur kontinuierlich gestiegen.

Das ägyptische ITK-Segment hat in den letzten drei Jahren eine Wachstumsrate von 20 Prozent aufrecht erhalten und mehr als 8 Milliarden US-Dollar an Investitionen aus dem In- und Ausland angelockt.
Laut A.T. Kearney rangiert Ägypten als Anbieter von IT-Offshore-Leistungen weltweit an sechster Stelle und hat damit erstmals den Sprung unter die zehn Besten geschafft. 2007 lag Ägypten noch auf Platz 13. Der Bericht analysiert und klassifiziert Länder nach ihren Outsourcing-Aktivitäten wie zum Beispiel IT-Dienstleistungen, den Betrieb von Contact Centern und Abwicklungsunterstützung. Den Messungen liegen dabei drei Kategorien zugrunde: finanzielle Attraktivität, die Verfügbarkeit von Arbeitskräften und deren Fähigkeiten sowie das wirtschaftliche Umfeld. Ägypten ist auf Grund der niedrigen Kosten und seiner qualifizierten Arbeitskräfte als Outsourcing-Standort attraktiv. Auch in einer vom Martkforschungsunternehmen Gartner verfassten Studie über weltweite Outsourcing-Standorte wurde das Land kürzlich in die Liste der Top 30 aufgenommen. Die National Outsourcing Association (NOA) verlieh Ägyptens wachsendem Status als Outsourcing-Markt 2008 mit dem Titel „Offshoring Destination of the Year“ weitere Anerkennung.

Die ägyptische Regierung hat die Entwicklung der Outsourcing-Industrie zur Priorität erklärt und mit der Information Technology Industry Development Agency (ITIDA) eine Behörde geschaffen, um in Ägypten die Infrastruktur für Informations- und Kommunikationstechnik mit dem Schwerpunkt Outsourcing zu fördern.

Ägypten weltweit am günstigsten

Die aktive Unterstützung der Regierung sowie steuerliche Anreize tragen dazu bei, die Outsourcing-Kosten in Ägypten niedrig zu halten und machen das Land unter Kostengesichtspunkten zum weltweit attraktivsten Standort. Dies ist das Ergebnis der aktuellen Studie „Beyond BRIC“ der London School of Economics and Political Science (LSE), die 14 führende Non-BRIC-Anbieter miteinander verglichen hat. Neben Ägypten konnten auch Marokko, Rumänien, Tunesien und Vietnam mit niedrigen Kosten auftrumpfen.

Was aber macht Ägypten so günstig und attraktiv? Laut der Studie liegen die Löhne in Ägypten deutlich unterhalb des Niveaus anderer afrikanischer Länder und Osteuropas. Die Preise für Büros in ägyptischen Business Parks („Smart Villages“) sind im Vergleich ebenfalls deutlich niedriger als in Osteuropa. Sie liegen etwa auf einer Stufe mit den Preisen in asiatischen Ländern. Die Mietkosten sind ein echter Trumpf für Ägypten: Die Quadratmeterpreise für ein Büro liegen in Ägypten bei 180 US-Dollar, in Indien bei 220 US-Dollar, auf den Philippinen bei 184 US-Dollar und in Bulgarien bei 239 US-Dollar. Ägypten kann auch bei den Kosten für die Infrastruktur punkten: Die Preise für Strom, Telekommunikation und Internet gehören zu den niedrigsten der Welt, und liegen somit auch unterhalb der Preise in Osteuropa und Asien.

Quelle: „Beyond BRIC“-Studie der London School of Economics and Political Science
Geschrieben von
Gunilla Bemmer
Kommentare

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.