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Keep Calm and Code Java: 4 Gründe, warum Java nicht stirbt

Claudia Fröhling

Und jährlich grüßt das Murmeltier: man diskutiert gerade mal wieder über die Zukunft von Java. Es ist die altbekannte Diskussion. Java ist auf dem absteigenden Ast, kann mit den modernen Sprachen der heutigen Zeit nicht mehr mithalten. Java ist verbose. Java ist Oracle. We are doomed.

Heute, im letzten Quartal 2013, könnte die Java-Welt kaum selbstbewusster auf diese Unkenrufe reagieren. Denn eigentlich geht es dem Java-Ökosystem so gut wie nie. Inspiriert von Andrew Binstocks Beitrag auf Dr.Dobbs wollen wir vier Gründe zusammentragen, warum Java alles andere als tot ist.

1. Java ist verbose und das macht Sinn

Ein häufiges Argument, das gegen die Java-Sprache angebracht wird, ist dass sie verbose, also wörtlich übersetzt „wortreich“ ist. Binstock bringt als Beispiel den Methodennamen MethodExpressionValueChangeListener – der Ausdruck hat immerhin stolze 35 Zeichen! Ein paar mehr Zeilen Code und das Ganze bläht sich ordentlich auf. Die Verbosität kann man aber sowohl als Kritikpunkt als auch als Pluspunkt ansehen. Binstock zum Beispiel argumentiert, dass eine Sprache, die der meist genutzte Grundstein im Enterprise-Computing-Bereich ist, auch lange, deskriptive Namen haben muss. Das bringt die Komplexität von Enterprise-Anwendungen eben mit sich.

2. Volles Haus bei Java-Events

Wenn sich eine Sprache oder Plattform auf dem absteigenden Ast befindet, dann wird das meist als erstes dadurch sichtbar, dass Unternehmen nicht mehr investieren. Zu aller erst wird dann das Budget für Weiterbildungen gestrichen. Die kürzlich stattfindende JavaOne in San Francisco war ein großer Erfolg, mit mehr Teilnehmern als letztes Jahr und rundum zufriedenen Ausstellern, wie Binstock berichtet. Auch wir sehen bei unseren halbjährlichen Konferenzen JAX und W-JAX, auf denen Java eine wichtige Rolle spielt, keine Stagnation, im Gegenteil kontinuierliches Wachstum in den letzten Jahren.

3. Sprach-Feature-Vorfreude

Java 8 kommt in weniger als sechs Monaten und das Interesse an den darin enthaltenen Sprach-Features ist enorm. Als erstes sind da natürlich die Lambda-Ausdrücke zu nennen, die eine Vereinfachung des Codes zum Ziel haben. Sie bringen eine neue syntaktische Struktur in die Java-Sprache. Unser Java Magazin Lambda Tour, die heute in Hamburg zu Ende geht, zeigt, wie interessiert Entwickler an diesem neuen Java-8-Feature sind: Jeden Hackathon besuchten zwischen 35 und 50 Entwickler, insgesamt wollten mehr als 200 Entwickler Sprach-Features erlernen, die sie momentan noch nicht einmal produktiv einsetzen können!

4. Lebendiges Ökosystem

Auch um die Sprache herum entwickelt sich das Ökosystem stetig weiter. JavaFX ist im Desktop- und UI-Bereich das Thema Nummer 1. Viele Entwickler hoffen, Swing endlich hinter sich lassen zu können. Immer mehr Autoren wollen ihre Erfahrungen mit JavaFX im Java Magazin mit den Lesern teilen und JavaFX-News gehören zu den meistgeklickten hier auf JAXenter. Dann haben wir natürlich noch den Embedded-Bereich, ein Hauptfokus der JavaOne. Auch hier soll und kann Java in Zukunft eine entscheidende Rolle spielen – immerhin liegen Javas Wurzeln auch genau dort. Und last but certainly not least haben wir die Java Virtual Machine, der unbestrittene Gewinner der letzten Jahre. Invokedynamic in Java 7 hat deutlich gemacht, wie viel polyglotte Macht in der JVM steckt.

Binstock hat valide Argumente, die wir bestätigen können. Und am Ende des Tages darf man nicht vergessen: Wer wirklich keine Rolle mehr spielt, über den wird sich auch nicht das Maul zerrissen. In diesem Sinne: Keep Calm and Continue Coding Java!

Geschrieben von
Claudia Fröhling
Claudia Fröhling
Claudia Fröhling hat in verschiedenen Redaktionen als TV- und Onlineredakteurin gearbeitet, bevor sie 2008 zur Software & Support Media GmbH kam und sich bis 2014 um alle Projekte des Verlages im Ressort Java kümmerte. Claudia hat einen Abschluss in Politikwissenschaften und Multimedia Producing. Ihr Google+ Profil findest du hier.
Kommentare
  1. Missverstanden2013-10-11 11:10:53

    Kann den drei letzten Punkten zustimmen, aber das Thema "verboses Java" wurde hier leider komplett verfehlt.

    "Java" ist nicht verbos, weil Entwickler lange Namen wählen. Das ist völlig sprachunabhängig und von der Sprache her gar nicht nötig.

    Die Verbosität von Java steckt in der Sprache und ihren Konstrukten!. Und während z.B. die for-Each-Schleife schon ein guter Ansatz war, und der Diamond ein erster Fingerzeig, gehen die Streams wieder einen kleinen Schritt zurück.

    An vielen Stellen könnte die Sprache weniger verbos gestaltet werden, ohne der Verständlichkeit im Wege zu sein.

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