Interview mit Stefanie Langner, Co-Founderin von Leankoala

Women in Tech: „Diversity hat noch einen langen Weg vor sich“

Madeleine Domogalla

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Stefanie Langner, Co-Founderin von Leankoala.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Stefanie Langner

Stefanie Langner

Stefanie Langner verfügt über mehr als 10 Jahre Erfahrung im Web-Umfeld. Ihre Leidenschaft für neue Technologien und digitale Innovationen konnte sie seither wiederholt und erfolgreich unter Beweis stellen.

2017 startete sie als Co-Founder Leankoala // Web Monitoring und Testing. Eine Softwarelösung, mit der Webseiten einfach und umfänglich überwacht und getestet werden können. Das zehnköpfige Team agiert über die Standorte Hamburg und Köln.

Als CxO zeichnet sich Stefanie bei Leankoala vor allem für die Themen Growth, Finanzen und Organisation verantwortlich. Als gebürtige Freiburgerin lebt sie nun in ihrer Wahlheimat Hamburg und ist Mutter von zwei Kindern.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Als Kind der 1980er war das Aufkommen des Desktop-PCs für mich eine echte Offenbarung. Als die Geräte irgendwann auch erschwinglich wurden, habe ich so lange gedrängelt bis meine Eltern ein Einsehen hatten und einen Rechner angeschafft haben. Damit fand ich meinen Weg ins Internet. Damals noch klassisch mit Einwahlmodem und stundenlangem Blockieren der Telefonleitung. Ein echtes Streitthema, denn es war gleichzeitig auch die Geschäftsnummer meiner selbständigen Eltern…

Vorbilder und Unterstützer

Ich glaube, so richtig vorangebracht haben mich die Netzwerke, allen voran die Geekettes. Hier hatte ich zum ersten Mal Kontakt zu anderen gleichgesinnten, das Thema Webentwicklung hat uns ganz besonders verbunden.

In der Gemeinschaft lässt sich viel bewegen.

Das gilt auch für die Bereiche Produkt, UX/UI und noch viele mehr. Der vorbehaltlose Zusammenhalt hat mich sehr inspiriert und mir gezeigt: In der Gemeinschaft lässt sich viel bewegen.

Ein Tag in Stefanies Leben

Der Weg zu meinem jetzigen Job verlief klassisch untypisch: Ursprünglich sollte ich meinen Eltern in die Gastronomie folgen, der Weg war schon lange vorgezeichnet: Kaufmännische Ausbildung, danach in der Top-Hotellerie gearbeitet und später noch ein Studium in Internationalem Hotelmanagement drangehängt. Vor 15 Jahren dann der Wechsel ins Digitale Business zu Immonet (heute Immowelt). Parallel dazu habe ich am Aufbau meines eigenen Unternehmens gearbeitet.

Ich bin Co-Founderin von Leankoala. Wir haben eine SaaS-Lösung entwickelt, die das technische Monitoring und Testing von Webseiten übernimmt. Von Uptime-Monitoring über das Vorhandensein aller Elemente bis zum Check von Klickstrecken.

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Meine Expertise liegt nicht im Software-Engineering selbst, sondern eher im Business Development. Das umfasst auch Aufgaben aus den Bereichen Sales, Marketing und Finanzen. Sämtliche Managementprozesse laufen bei mir zusammen. Alleine schon deshalb möchte ich verstehen, wie mein Produkt funktioniert. Da lasse ich mir dann durchaus auch mal Teile des Codes zeigen sowie gewisse Funktionalitäten erklären. Ich möchte darüber im Bilde sein, was im Maschinenraum passiert.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Ich erinnere mich gerne an die Aussage von Füsun Wehrmann, die mir einmal erzählte, wie hoch die Quote von Frauen in den Studienrichtungen Mathematik und Informatik in der Türkei sei und wie stark Mädchen bereits im Grundschulalter in den MINT-Fächern gefördert werden.

Uns fehlen Role Models.

Dort ist für alle selbstverständlich, dass Mädchen und Frauen in diesen Bereichen stark sind. Da müssen wir auch hin.
Außerdem fehlen uns Role Models. Mir ist das persönlich ein Anliegen, weshalb ich Frauen – auch über mein persönliches Netzwerk hinaus – dazu ermutige, Speaking Opportunities wahrzunehmen und sich generell zu zeigen. Damit tut man sich nicht nur selbst etwas Gutes, sondern strahlt auch auf andere aus und inspiriert zur Nachahmung.

Frauen in MINT-Fächern

Vielfalt tut in allen Bereichen gut. Umso diverser das Team, desto mehr Lösungsansätze gibt es; unterschiedliche Fragen werden gestellt und Überlegungen angestellt. Man bekommt ein größeres Bild und kann bessere Entscheidungen treffen. Außerdem wird es lebendig und nie langweilig.

Allerdings denke ich, dass Diversity noch einen langen Weg vor sich hat. Umso wichtiger ist es, den Diskurs am Laufen zu halten. Das gilt auch für Themen jenseits der Geschlechterfrage: Migration, Behinderung, Alter – wenn wir es schaffen, zivilisiert und vorausschauend nach Antworten auf gesellschaftliche Herausforderungen zu suchen, dann sind wir auf einem guten Weg.

Hindernisse

Ich habe das Gefühl, als Frau wird man viel eher gechallenged. Man muss sich rechtfertigen beziehungsweise unter Beweis stellen, dass man auch wirklich was von seinem Fach versteht. Unter Frauen habe ich das noch nie erlebt.

Es ist enorm wichtig Grenzen zu ziehen und an seinen Zielen festzuhalten.

Wenn man die Gründung eines Start-ups einer unbefristeten Festanstellung mit allen dazugehörigen Annehmlichkeiten vorzieht, dann stößt man nicht immer auf Verständnis. Da gerät man schnell in einen Rechtfertigungsstrudel, der sich mit jedem gut gemeinten Ratschlag immer schneller dreht. Das geht natürlich nicht spurlos an einem vorbei. In solchen Momenten ist es enorm wichtig Grenzen zu ziehen und an seinen Zielen festzuhalten. Ein echtes Geduldsspiel, das viel Kraft abverlangt. Aber am Ende lohnt es sich allemal.

Tipps & Tricks

Findet Netzwerke, probiert euch aus, entwickelt eigene Ideen – mögen sie noch so abgedreht sein. Die größten Innovatoren haben klein angefangen. Ihr Erfolg gründet vor allem auf ihrem Durchhaltevermögen und ihrer Fantasie. Kommen noch Spaß und Inspiration dazu, lassen sich Berge versetzen.

Geschrieben von
Madeleine Domogalla
Madeleine Domogalla
Madeleine Domogalla ist seit 2018 Redakteurin bei S&S-Media. Vorher studierte sie Germanistik an der Rheinischen Friedrich-Wilhelms-Universität Bonn.
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