Interview mit Anke Sperger

Women in Tech: „Ich kann Mädchen nur motivieren, sich nicht abschrecken zu lassen“

Dominik Mohilo

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Anke Sperger, Vertriebsinnendienstlerin bei Axis Communications GmbH

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Anke Sperger

Da ein Studium für mich nicht in Frage kam, habe ich mich für eine Ausbildung als Datentechnische Assistentin (DTA) bei Siemens entschieden. Mein eigentliches Ziel war es, zu programmieren. Leider gab es für mich nach meiner Ausbildung keine Möglichkeit in dieser Richtung und ich habe zunächst als Technische Assistentin bei einem kleinen Systemhaus angefangen. Nach ca. 1,5 Jahren bin ich zur Distribution in den Vertriebsinnendienst gewechselt und habe dort feststellen können, dass mir das Vertriebliche in Verbindung mit technischer Beratung gut liegt und richtig Spaß macht. Später war ich dann bei der Distribution als Produktmanagerin für diverse Netzwerkhersteller tätig. Nach einigen Jahren bin ich dann auf Herstellerseite zu Axis gewechselt und bin dort bis heute im Vertriebsinnendienst tätig.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Das Interesse an IT hatte damals mein Bruder bei mir geweckt und schon in der Schule hatte ich dann das Wahlfach IT – der Umgang mit Computern ging mir dabei schon immer sehr leicht von der Hand. Nach der Realschulzeit war für mich klar, ich möchte unbedingt einen Beruf in der IT-Branche ausüben. Und so kam es dann auch.

Hast du ein Vorbild?

Eine gute Freundin aus der Ausbildungszeit ist ein wunderbares Vorbild für mich. Nach der Ausbildung zur DTA hat sie das Abitur nachgeholt und ihr Studium der Elektrotechnik mit hervorragendem Abschluss absolviert und das, obwohl sie nebenbei in Teilzeit gearbeitet hat. Sie hat sich als Frau in einem extrem männerdominierten Bereich durchgebissen und ist heute in ihrem Beruf sehr erfolgreich.

Welche Vorurteile und Hindernisse sind dir in Bezug auf „Women in Tech“ schon begegnet?

Im Umgang mit Kollegen oder Geschäftspartnern begegne ich äußerst selten Klischees. Wenn es doch mal Thema ist, dann eher bei Neukunden, die mich noch nicht kennen. Da fällt dann schon mal ein Satz wie: „Das ist aber klasse, dass Sie sich als Frau so gut mit der Technik auskennen“. Die Leute meinen das bestimmt als Kompliment, für mich als Frau sind solche Aussagen allerdings eher negativ behaftet.

Es gab allerdings auch schon den konkreten Fall bei einer Kollegin, dass ein Kunde im Erstgespräch einen männlichen Berater verlangt hat. Und das hatte keinesfalls etwas mit der technischen Kompetenz meiner Kollegin zu tun…

Herausforderungen gab es natürlich die ein oder andere. Sie hätten mich jedoch nicht von meinen Zielen abgelenkt oder mich dazu gedrängt, einen anderen Weg einzuschlagen.

Sollte es mehr Frauen in der Tech-Branche geben?

Meiner Meinung nach ist Diversität immer ein Zugewinn, egal ob es um Geschlechter oder verschiedene Kulturkreise geht

Ich denke, technische Berufe werden bis heute leider immer noch als klassische „Männerberufe“ gesehen. Um mehr Mädchen für IT zu begeistern, muss bereits in jungen Jahren angesetzt werden. Hier sehe ich noch einiges an Steigerungspotential.
Meiner Meinung nach ist Diversität immer ein Zugewinn, egal ob es um Geschlechter oder verschiedene Kulturkreise geht. Ich finde, Frauen haben in der Regel in vielen Bereichen noch einmal einen anderen Blickwinkel auf die Welt als Männer. Die gehen zum Beispiel oft anders an das Lösen von Aufgaben und Herausforderungen heran. Durch ein gemischtes Arbeitsumfeld wird alleine deshalb die Innovation innerhalb einer Abteilung oder eines Unternehmens sehr viel mehr gefördert. Davon profitieren schließlich alle.

Die Diskussion über Diversität nimmt Fahrt auf. Wie lange wird es dauern, bis wir Ergebnisse der aktuellen Debatte sehen?

Wir sind heute schon sehr weit, aber leider noch nicht bei einer 100%igen Gleichstellung angekommen.

Wenn man sieht, wie sich das Frauenbild in der westlichen Welt innerhalb der letzten 100 Jahre entwickelt hat, bin ich zuversichtlich, dass für kommende Generationen Diversität zur Selbstverständlichkeit gehört. Wir sind heute schon sehr weit, aber leider noch nicht bei einer 100%igen Gleichstellung angekommen.
Außerdem hoffe ich stark, dass Länder, bei denen immer noch das alte Frauenbild gelebt wird, hier nachziehen. Ich finde es erschütternd, dass dort teilweise Frauen immer noch als Menschen 2. Klasse betrachtet werden.

Tipps und Tricks

Ich kann Mädchen nur motivieren, sich nicht abschrecken zu lassen: Wenn sie genügend Motivation mitbringen, können sie jeden Job in der Tech-Branche genauso gut ausüben wie Männer. Wenn man seinen Job gut und gewissenhaft ausübt, stehen einem alle Türen offen, egal welches Geschlecht man hat!

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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