Interview mit Uta Hemmann, Managing Consultant im Bereich Microsoft

Women in Tech: „Tech-affine Frauen müssen damit klarkommen, dass sie im Job oft erstmal unterschätzt werden“

Dominik Mohilo

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Uta Hemmann, Managing Consultant im Bereich Microsoft bei adesso.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Uta Hemmann, Managing Consultant im Bereich Microsoft

Als Studentin habe ich bereits für ein Internet-Start-up gearbeitet und danach für die Telekom bei Product & Innovation. Dort habe ich mich in der „Agile Transition“ mit der Agilisierung von Softwareentwicklerteams beschäftigt habe. Hier konnte ich sehr früh tiefgehende Erfahrungen mit Entwicklungsprojekten bzw. deren Steuerung machen.

Danach ging ich als Freelancer zur Union Investment und startete in einem Team, das die Aufgabe der effektiven Aggregation von Risikodaten und die Risikoberichterstattung hatte. Ich habe hier eine Plattform für die gesamte Projektsteuerung, das Dokumentations-, Test- und Kommunikationsmanagement aufgebaut. Hier konnte ich mich noch intensiver in Microsoft-Technologien wie Sharepoint, Nintex & Co einarbeiten. Aus dieser Zeit stammt auch meine ausgeprägte Change-Management-Expertise. Das war eine Phase voller Herausforderungen, Ideen und Lösungen.

Ende 2017 kam ich dann zu meinem jetzigen Arbeitgeber, dem IT-Dienstleister adesso, wo ich seither im Microsoft-Umfeld als Management Consultant Kundenprojekte leite.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Ich stamme aus einer Familie mit Elektro- und Maschinenbauingenieuren. In meiner Kindheit wurde viel auseinander- und zusammengeschraubt und gewerkelt. Es war also ein grundsätzliches Maschinen- und Technikverständnis vorhanden, das sich auf mich übertragen hat. Meine Eltern haben mich dahingehend unterstützt und gefördert, als dass sie mich auch früh mit Technik in Kontakt brachten und mir vermittelten, dass Mädchen das genauso gut können wie Jungs. Durch diese frühen Erfahrungen ist in mir die Faszination für Technik entstanden, um gewisse Dinge für sich selbst oder für andere nach den eigenen Wünschen zu entwickeln oder anzupassen. Dazu kam ein gewisses “Macher-Gen”, das ich ebenfalls von meiner Familie mitbekommen habe.

Hindernisse und Herauforderungen

Mein Eindruck ist, dass man als Frau in diesem Bereich immer etwas mehr in Vorleistung gehen muss und einen Tick mehr auf dem Prüfstand steht als die männlichen Kollegen. Das empfinde ich schon mitunter als mühsam: Diesen Beweis zu erbringen, dass man es genauso drauf hat. Aber ich mache es gern. Ich liebe meinen Job und das zeige ich gern.

Allgemein habe ich die Erfahrung gemacht, dass man Frauen komplizierte Dinge nicht so zutraut. Außerdem gibt es das Klischee, dass Frauen zartbesaiteter und auch weniger konflikt- und durchsetzungsfähig seien und deswegen gerade große Projekte mit vielen Beteiligten nicht so gut steuern könnten. Was natürlich Unfug ist.

Ein Tag in Utas Leben

Ich bin bei adesso als Managing Consultant im Bereich Microsoft tätig. Hier habe ich regelmäßig Projektbesprechungen beim Kunden oder innerhalb meines Teams, führe Workshops durch, steuere und entwickle IT-Strategien für unterschiedliche Herausforderungen in verschiedenen Unternehmen. Beispielsweise für Unternehmen im Banken- und Versicherungsumfeld, wo ich mich unter anderem um die Implementierung von Softwaresystemen und Technologien für Risikomanagement, Compliance, Maintenance, Change Management und Vertriebsprozesse kümmere. Weitere Kunden betreue ich derzeit darüber hinaus in den Branchen Automobil- und Fertigungsindustrie.

Außerdem bin ich Mitglied der „adesso Elf“, das ist ein Team von elf IT-Expertinnen, die sich bei adesso dafür stark machen, dass wir die Männerdomäne IT knacken und für dieses interessante Arbeitsgebiet mehr junge Frauen begeistern. „She for IT – für mehr Frauen in IT-Berufen“ heißt das Motto unserer Initiative, die von meinem Arbeitgeber ins Leben gerufen wurde. Die Bundestrainerin der Frauenfußballnationalmannschaft, Martina Voss-Tecklenburg, unterstützt als prominente Schirmherrin diese Initiative und begleitet die adesso Elf auch ganz aktiv mit spannenden Coachings und Bootcamps zur persönlichen Weiterentwicklung der Teilnehmerinnen. Eine tolle Sache, die ich persönlich mit vollem Engagement unterstütze! Denn ich denke, es ist ein längerer Prozess bis wir das Großprojekt Diversity wirklich umgesetzt haben. Ich persönlich freue mich aber auf alles, was in dieser Hinsicht kommt – und möchte durch meine Arbeit bei „She for IT“ bei adesso aktiv daran mitwirken, dass sich hier für Frauen in der IT etwas ändert.

Worauf bist Du in Deiner Karriere besonders stolz?

Bei meiner Arbeit für eine Bank habe ich eine komplette Projektplattform entwickelt, auf die ich sehr stolz bin. Die hat alle Beteiligten integriert und eine 360-Grad-Sicht auf alle Ebenen des Projekts ermöglicht. Da ich nicht Informatik, sondern Bauingenieurwesen studiert habe, kann ich auch nicht Programmieren, aber der Microsoft-Technologie-Kosmos bietet mir dennoch viele Möglichkeiten und unter dieser Prämisse habe ich natürlich in den letzten Jahren auch einige Entwicklungen auf meinem Gebiet auf die Beine gestellt. Aktuell entwickle ich bei adesso – neben meinen Tätigkeiten als IT-Projektleiterin – eine Projektcontrolling- und Monitoring-Plattform, um andere Projektleiter zu unterstützen, und um unseren Kunden einen Einblick in ihre Projekte zu geben und Monitoring, Controlling und Steuerung effizienter zu machen. Nicht zuletzt liegt mir dies deswegen besonders am Herzen, da ich damit den Projektleitern die Gelegenheit geben will, sich inhaltlich um ihr Projekt und den Kunden kümmern zu können und sich nicht in der Verwaltung des Projekts zu verlieren.

Wieso gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche?

Erziehung und Sozialisation haben einen immensen Einfluss

Die Tech-Branche ist unverändert eine Männerdomäne. Hier herrscht eine traditionell männlich geprägte Kultur. In der Baubranche, aus der ich ursprünglich komme, gibt es beispielsweise einen ziemlich herben Umgangston untereinander. Damit muss man als Frau umgehen können. Viele schreckt das eher ab. Auch die ganze Technik ist nicht unbedingt das Steckenpferd von Frauen. Das hängt auch einfach damit zusammen, weil sie von Kindesbeinen an keine größeren Berührungspunkte damit hatten. Erziehung und Sozialisation haben einen immensen Einfluss. Ich hatte das Glück, dass ich in meiner Familie und in meinem Umfeld damit ganz selbstverständlich groß wurde. Vielleicht fällt es mir daher heute eher leicht, mich in Männerrunden zu bewegen und auch zu behaupten. Tech-affine Frauen müssen damit klarkommen, dass sie im Job oft erstmal unterschätzt werden. Zumindest so lange bis sie bewiesen haben, dass sie das genauso gut – oder sogar besser – beherrschen.

Warum sollten mehr Frauen in der Tech-Branche arbeiten?

Weil Vielfalt – Diversity – wichtig ist! Weil gemischte Teams nachweislich erfolgreicher sind

Weil Vielfalt – Diversity – wichtig ist! Weil gemischte Teams nachweislich erfolgreicher sind. Frauen gucken anders auf Situationen, sind sozialer eingestellt, haben mehr Empathie, können besser in Menschen lesen und bekommen eher mit, wenn persönliche Dinge nicht im Lot sind und den Projektfortschritt behindern könnten. Tatsächlich sorgen sie, auch wenn das jetzt komisch klingt, für Benimm, was einen kulturellen Aspekt hat. Männer untereinander sind oft in starkem Konkurrenzmodus, was Ego-Shows statt Teamarbeit befördert – das machen sie nicht so sehr, wenn Frauen dabei sind.

Grundsätzlich wird aber alles nicht nur besser, bloß weil mehr Frauen im Team sind, sondern es geht auch immer vorrangig darum, die richtige Kompetenz zum richtigen Zeitpunkt an der richtigen Stelle zu haben. Dann stimmt auch das wirtschaftliche Ergebnis.

Tipps & Tricks

Traut euch auch ruhig, Dinge zu hinterfragen und für eure Zwecke anzupassen

Mein Tipp ist: Lerne möglichst viele Menschen kennen, denn jeder Mensch hat andere Fähigkeiten, von denen man profitieren kann. Gerade in der Technologie ist das sehr wichtig, denn hier ist jeder für etwas Spezialist. Es gibt nicht eine Armada von Spezialisten, in der jeder alles gleich gut kann, sondern es gibt vielmehr ein starkes Spezialistentum in der IT – und das sollten Frauen wissen und nutzen. Und ein anderer Tipp an Frauen: Traut euch auch ruhig, Dinge zu hinterfragen und für eure Zwecke anzupassen!

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
Kommentare

Hinterlasse einen Kommentar

avatar
4000
  Subscribe  
Benachrichtige mich zu: