Interview mit Brooke Thorley, Vizepräsidentin von Customer Success bei Instaclustr

Women in Tech: „Feiert eure Erfolge, egal ob groß oder klein“

Dominik Mohilo

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Brooke Thorley, Vizepräsidentin von Customer Success bei Instaclustr

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Brooke Thorley, Vizepräsidentin von Customer Success bei Instaclustr

Brooke Thorley ist VP of Customer Success bei Instaclustr, einem globalen Unternehmen, das eine Managed-Plattform mit Open-Source-Data-Layer-Technologien anbietet, darunter Apache Cassandra, Apache Kafka und Elasticsearch und viele mehr. Instaclustr ist darauf spezialisiert, diese Open-Source-Technologien in ihrer 100%igen Open-Source-Form zu liefern – ohne proprietäre Versionen, um Lock-ins zu vermeiden. Thorley kam 2014 zu Instaclustr als eine der allerersten Mitarbeiter des Unternehmens. Vor ihrer aktuellen Rolle war sie bei Instaclustr als Senior Software Engineer und anschließend als VP of Technical Operations tätig. Sie ist Absolventin der Australian National University mit einem Abschluss in Software Engineering und lebt mit ihrer Familie in Canberra, Australien.

Was hat dein Interesse für Technik zuerst entfacht?

Das erste Erlebnis, an welches ich mich erinnern kann, das mein Interesse an der Technik entfacht hat, hatte ich mit 10 Jahren. Da bekam ich meinen ersten Computer. Ich war augenblicklich und unwiderruflich von ihm fasziniert und begann viel Zeit darin zu investieren, um zu lernen, wie man DOS-Befehle verwendet.

Wie verlief dein Weg bis zum jetzigen Beruf?

Neben meinem frühen Interesse an Computern und Fächern wie Mathematik und Physik an der Highschool, fühlte ich mich auch sehr zu Sprache und Schreiben hingezogen. Damals wollte ich einen Beruf ergreifen, der mit diesen Schwerpunkten zu tun hat. Das änderte sich jedoch, als mir ein Lehrer meiner Highschool vorschlug, an einer Karrieremesse für Frauen in der IT-Branche teilzunehmen, der an einer örtlichen Universität stattfand. Diese Veranstaltung bot mir eine großartige Gelegenheit, mehr über IT und die (vielen) Karrieretypen in diesem Bereich zu erfahren. Von dieser Veranstaltung ab war ich angefixt, es gab kein Zurück mehr.

Ich komme aus einer Familie, in der harte Arbeit und Hingabe sehr geschätzt und immer gefördert werden.

Ich ging an die Australian National University und studierte ursprünglich Telekommunikationstechnik und Physik. Nach zwei Jahren stellte ich fest, dass mir die softwaretechnische Komponente der IT viel mehr Spaß machte. Daher orientierte ich mich in der Mitte meines Studiums um und konzentrierte mich auf die Technik, was zu meiner heutigen Karriere führte.

Was die Hindernisse angeht, würde ich sagen, dass ich in meinen ersten Jahren in der Branche daran arbeiten musste, mein Selbstvertrauen aufzubauen. Aber ich bin in einem Umfeld unterwegs, in der es keine große Überraschung ist, gelegentlich eine Frau zu sehen – zumindest aus australischer Sicht.

Ich habe gelernt, wie ich mich „legitimieren“ kann, wenn ich neue Leute treffe und wie ich mein Selbstbewusstsein deutlich machen kann. Ich denke, meine Liebe zu dieser Branche kommt auch laut und deutlich rüber – es ist absolut das Einzige, was ich mir vorstellen kann, zu tun. Die Wahrheit ist, dass viele Leute überrascht sind, wenn sie mich zum ersten Mal treffen und erfahren, was ich beruflich mache. Aber sie sind es überhaupt nicht mehr, wenn ich anfange, darüber zu reden und sie meine Leidenschaft dafür hören.

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Hast Du Unterstützung von Freunden oder Familie erhalten?

Ich habe mich immer stark von meiner Familie und meinen Freunden unterstützt gefühlt. Ich komme aus einer Familie, in der harte Arbeit und Hingabe sehr geschätzt und immer gefördert werden. Meine Eltern kommen zwar nicht aus dem technischen Bereich, waren aber sicherlich meine Vorbilder und haben mir den Wert harter Arbeit vor Augen geführt. Sie sind auch die Art von Eltern, die wissen, wie man mit allem umgeht, egal was passiert. So haben sie meine Berufswahl voll unterstützt und gefördert und sind dafür verantwortlich, dass ich mich zu einem anpassungsfähigen und belastbaren Menschen entwickelt habe.

Hat man Dir Steine in den Weg gelegt?

Nein. In dieser Hinsicht hatte ich sehr viel Glück.

Ein Tag im Leben von Brooke

Ich bin der VP für Customer Success bei Instaclustr. Wir sind ein globales Unternehmen und ich arbeite von unserem Büro in Australien aus. Die meiste Zeit meines Arbeitstages verbringe ich am Telefon, um mit unseren Kunden zu interagieren, technische Fragen zu klären und ihnen zu helfen, das Beste aus den Technologien auf der Datenebene herauszuholen, auf die sich ihre Unternehmen verlassen. Kurz gesagt, meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass Kunden auf der ganzen Welt alles bekommen, was sie von uns brauchen, sowohl auf der technischen als auch auf der Service-Seite der Dinge.

Ich bin oft in die Pflege unserer Kundenbeziehungen von der Pre-Sales-Phase an involviert und arbeite daran, die einzigartigen Datenanforderungen jedes Kunden zu verstehen und herauszufinden, wie wir unsere Lösungen einsetzen können, um sie zu erfüllen. Während unsere Kundenbeziehungen wachsen, schaue ich mir an, wie sich ihre Anforderungen weiterentwickeln und wie wir sie auch bei einer Erweiterung am besten unterstützen können. Meine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass wir die Erwartungen übertreffen und das Geschäft jedes Kunden gewinnen, indem ich kontinuierlich darauf achte, wie sie die von uns unterstützten Open-Source-Technologien für die Datenebene nutzen.

Worauf bist du in deiner Karriere am meisten stolz?

Ich bin stolz darauf, dass ich hart gearbeitet habe, um in meiner Karriere erfolgreich und respektiert zu werden, während ich meinen eigenen Weg verfolgt habe. Als Frau passe ich nicht in die „traditionelle“ Form einer Arbeiterin in der IT-Branche — besonders nicht in der Softwareentwicklung — und darauf bin ich stolz.

Warum gibt es nicht mehr Frauen in der Tech-Branche? Was ist deine Meinung dazu?

Zunächst einmal denke ich, dass sich das ändert. Ich bin vor 15 Jahren zur Universität gegangen. Heute sehe ich mehr junge Frauen, die durch unser Unternehmen und andere wie uns aufsteigen und ich treffe in der gesamten Branche immer mehr Frauen. Auch innerhalb unserer Engineering Teams ist ein deutlicher Anstieg der Zahl der frischgebackenen Akademikerinnen zu verzeichnen.

MINT wird heute in den Schulen von klein auf gelehrt. Ich habe eine kleine Tochter, die versteht, dass Informatik alles ist; es ist jetzt Teil des grundlegenden Wissens, das junge Menschen brauchen. Ich gehöre wahrscheinlich zu der letzten Generation, in der wir nicht immer einen Computer hatten – deshalb war es ein so einschneidender Moment, als ich 10 war.

Ob es in der IT jemals zu einem 50/50-Männer-Frauen-Gleichgewicht kommen wird… ich weiß es nicht. Wenn ein Lehrer nicht auf diese Möglichkeit hingewiesen hätte, hätte ich sie nicht in Betracht gezogen. Aber heute wird es als eine klare Option für Frauen angesehen. Und es gibt so viele Karrierewege in diesem Bereich – nicht nur im Bereich der Hands-on-Computerprogrammierung. Aber es wird Zeit brauchen, bis sich ein Gleichgewicht einstellt.

Könntest du ein paar Herausforderungen (oder Hindernisse) nennen, denen Frauen in der Tech-Branche gegenüberstehen?

Meiner Erfahrung nach kann ich bei Unternehmen, die es erst seit 10 Jahren oder weniger gibt, keine Diskriminierung feststellen. Im Allgemeinen werden Entwicklerinnen aufgrund ihrer technischen Fähigkeiten beurteilt und belohnt – und das zu Recht.

Aus meiner Sicht sind viele der Herausforderungen, mit denen Frauen in der Technik konfrontiert sind, solche außerhalb der Arbeit. Viele Frauen kommen an den Punkt, an dem sie eine Familie gründen wollen, und müssen herausfinden, wie sie die Anforderungen von Arbeit und Familie unter einen Hut bringen können und ob das bedeutet, dass sie sich eine Auszeit nehmen müssen. Das soll natürlich nicht heißen, dass Männer in diesem Lebensabschnitt nicht auch Verantwortung tragen und Entscheidungen treffen müssen. Aber als Frau mit einer jungen Familie ist dies eine der (wenn nicht sogar die) größte berufliche Herausforderung, der ich und meine Kolleginnen begegnen werden.

Würde unsere Welt anders aussehen, wenn mehr Frauen in der MINT-Branche arbeiten würden?

Meine kurze Antwort: ja. Wie genau es unsere Welt verändern würde… ich weiß es nicht! Ich denke, dass die Auswirkungen positiv und vorteilhaft sein werden, wenn die Welt sieht, dass mehr Frauen in MINT-Feldern erfolgreich sind, insbesondere in Kulturen, in denen die Arbeitskräfte in der Technologiebranche immer noch besonders männerdominiert sind.

Um einen institutionellen Wandel in jedem Bereich zu erreichen, muss dieser Wandel von der nächsten Generation ausgehen.

Die Diskussion über mehr Diversität in der Tech-Branche gewinnt an Schwung. Wie lange wird es dauern, bis die aktuelle Diskussion Ergebnisse zeigt?

Ich bin nicht damit einverstanden, Quoten zu verwenden, um mehr Diversität in der Technologiebranche zu erreichen. Ich denke, dass jeder aufgrund seiner eigenen Verdienste und seiner eigenen Entscheidung in die Branche kommen muss. Wie lange wird es dauern, bis wir ein größeres Gleichgewicht in der IT sehen? Um einen institutionellen Wandel in jedem Bereich zu erreichen, muss dieser Wandel von der nächsten Generation ausgehen. Die heutigen Jungen und Mädchen werden von klein auf mit MINT-Fächern in Berührung gebracht, also könnte die Veränderung, über die wir sprechen, noch 20 bis 30 Jahre dauern. Und es wird vielleicht nicht ein 50/50-Gleichgewicht sein. Aber es wird wahrscheinlich deutlich näher dran sein.

Welche Ratschläge (und Tipps) würdest du Frauen geben, die eine Tech-Karriere anstreben?

Mein Rat lautet: Arbeitet hart, seid smart. Lasst euch nicht diskriminieren. Wenn ihr das Gefühl habt, dass ihr diskriminiert werdet, dann geht. Und denkt nicht, dass dies ein Zeichen von Schwäche ist, denn das ist es nicht. Wenn ein Unternehmen oder eine Person innerhalb eines Unternehmens euch nicht fair behandelt, gibt es da draußen jemand anderen, der eure Expertise verdient. Vertraut euren Fähigkeiten. Feiert eure Siege, die großen wie die kleinen.

Eines sollten Frauen über die IT-Branche wissen: Sie ist nicht so beängstigend, wie sie vielleicht denken. Sie ist breit gefächert und umfasst sehr, sehr viele Rollen. Wenn ihr die Fähigkeiten habt, gibt es hier einen Platz für euch.

Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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