Interview mit Nahid Akhtar, Data Engineer bei McMakler

Women in Tech: „Als Frau in der Tech-Branche zu arbeiten, kann herausfordernd sein, da die Branche auf Männer ausgerichtet ist.“

Jan Bernecke

In unserer Artikelserie „Women in Tech“ stellen wir inspirierende Frauen vor, die erfolgreich in der IT-Branche Fuß gefasst haben. Heute im Fokus: Nahid Akhtar, Data Engineer bei McMakler.

Die Tech-Industrie wird von Männern dominiert – so weit, so schlecht. Doch langsam, aber sicher bekommt der sogenannte Boys Club Gesellschaft von begabten Frauen: Immer mehr Frauen fassen in der Branche Fuß.

Aus diesem Grund wollen wir hier spannenden und inspirierenden Frauen die Möglichkeit geben, sich vorzustellen und zu erzählen, wie und weshalb sie den Weg in die Tech-Branche gewählt haben. Aber auch Themen wie Geschlechtervorurteile, Herausforderungen oder Förderungsmöglichkeiten kommen zur Sprache.

Unsere Woman in Tech: Nahid Akhtar, Data Engineer bei McMakler

Meinen ersten Abschluss habe ich im Pakistan Education Center in Doha, Qatar, erlangt. Meinen Bachelorabschluss habe ich von der Fatima Jinnah Women University in Rawalpindi, Pakistan, bekommen. Anschließend arbeitete ich als Dozentin an einer staatlichen Hochschule. 2016 zog ich für mein Masterstudium ins Saarland. Dort machte ich an der Universität des Saarlands meinen Master in Computer and Communication Technology. Während des Studiums war ich bei Infineon Technologies und beim Max-Planck-Forschungsinstitut als Werkstudentin angestellt. Aktuell bin ich Data Engineer bei dem Full-Service Immobiliendienstleister McMakler.

Was hat dein Interesse für die Tech-Branche geweckt?

Als ich jung war, kaufte mein Vater mir einen Computer, weil ich in der fünften Klasse die Klassenbeste war. Während ich die in Geschenkpapier verpackte Kiste betrachtete, fragte ich meinen Vater, was denn in der Box wäre. Seine überraschende Antwort: „Es ist etwas, mit dem du die Welt verändern kannst.“ Von diesem Moment an wusste ich, was meine Passion, was mein Traum sein wird.

Wie verlief dein bisheriger Karriereweg?

Ich habe wirklich hart gearbeitet und aus den Fehlern, die ich auf dem Weg gemacht habe, gelernt. Wer ich sein und wer ich werden wollte, hatte ich stets im Blick. Das ebnete mir den Weg für meinen Erfolg. Das Leben hat mich vor einige Herausforderungen gestellt, um meine Stärken und Fähigkeiten zu prüfen. Aber ich hatte das große Glück, mich da hindurch zu manövrieren und die Position zu erreichen, in der ich mich heute befinde.

Unterstützer und Vorbilder

Meine Mutter. Es war immer meine Mutter. Soweit meine Erinnerung reicht, war sie mein Fels in der Brandung. In einem Dorf in Swat, wo es Mädchen nicht gestattet ist, zur Schule zu gehen, träumte sie davon mich zur Hochschule und Universität zu schicken, so dass ich erreichen konnte, was ihr verwehrt war. Ich hätte nie gedacht, dass sie in der Lage wäre, das für mich zu tun – so stark zu sein, mich zu unterstützen. Aber sie schaffte es. Sie spornte mich an, die Sphären zu erreichen, von denen ich in meinem kaputten Bett unter offenem Himmel träumte, die niemals endenden dunklen Wolken über mir.

Sie ist mein Mentor, mein Vorbild, mein Ritter in glänzender Rüstung, die mich stets mit einem liebevollen Lächeln und einem Anflug von Stolz ansieht – mit dem Wissen, dass ich das erste Mädchen in meinem Dorf war, das feste Grenzen durchbrach und für seine Bildung ins Ausland ging.

Hindernisse

Ja, mit jedem Schritt kam auch eine Hürde. Von meinen Onkeln, die sich gegen meinen Vater stellten, weil er mich zur Schule schickte, über die Stammesältesten, die glaubten, dass es ein sinnloses Unterfangen sei ein Mädchen zur Hochschule zu schicken, bis hin zu den Terroristen in Swat, die auch die Nobelpreisgewinnerin Malala Yousafzai stoppten.

[…] mit jedem Schritt kam auch eine Hürde.

Ich war mit vielen Hindernissen auf meinem Bildungsweg konfrontiert. Aber nach jedem Sturz stand ich mit dem Glauben wieder auf, dass diese Barrieren errichtet wurden, um mich stärker zu machen und mich davon zu überzeugen, meine Träume zu verwirklichen und um es erst recht denjenigen Personen zu zeigen, die glaubten, mich in meiner Entwicklung stoppen zu können.

Wie sieht dein Arbeitsalltag aus?

Meine jetzige Position ist Data Engineer bei McMakler. Mein Arbeitsalltag beinhaltet das Entwickeln und Testen von APIs mittels Flask, Coden in Python, Aufgaben in Airflow terminieren und der Aufbau und das Aufrechterhalten von Datenströmen. Des Weiteren bin ich verantwortlich für das Extrahieren, das Transformieren und das Laden von Daten aus einer großen Bandbreite von Datenquellen. Zudem arbeite ich mit vielen Cloud-Services.

Eigene Projekte

Wegen des technologischen Fortschritts werden Social Bots als die zukünftigen Kommunikationskanäle im Kunderservice betrachtet. Aus diesem Grund entwickelte ich zwei Social Bots, sowohl text- als auch sprachbasiert. für meine Masterthesis bei Infineon Technologies. Die Arbeit beinhaltete das Umwandeln von Themen in Frage-Antwort-Paare, das Erstellen eines Annotationsschemas für diese Frage-Antwort-Paare, das Trainieren eben jeder und eine abschließende Leistungsanalyse der Bots. Ich pitchte die Idee bei einem Hackathon in Infineon Technologies und gewann damit den ersten Preis.

Warum gibt es nicht mehr Frauen im Tech-Bereich?

Sie werden konstant in Frage gestellt und mit den Fähigkeiten ihrer männlichen Kollegen verglichen, […]

Im Gegensatz zu Männern stehen Frauen aufgrund ihrer technischen Tätigkeiten vor vielen sozialen und emotionalen Herausforderungen. Sie werden konstant in Frage gestellt und mit den Fähigkeiten ihrer männlichen Kollegen verglichen, anstatt sie für ihre einzigartigen Fähigkeiten zu schätzen, die sie mitbringen. (Zur Generalisierung: Wissenschaftliche Studien haben belegt, dass Frauen üblicherweise besser im Multitasking und Improvisieren sind, während Männer besser analysieren – alles gleichwertig wertvolle Fähigkeiten in der Branche.)

Abgesehen davon sind Frauen mit konservativerem Hintergrund verschiedenen gesellschaftlichen Belastungen ausgesetzt. Von der Schwangerschaft bis zur familiären Verantwortung sind diese Herausforderungen auch in den modernsten Gesellschaften verankert. Ein weiterer Faktor, unabhängig ob wir ihn anerkennen oder nicht, sind die Kosten für den Mutterschutz, die den Unternehmen entstehen und die sie unbewusst davon abhalten, Frauen einzustellen. Professionelle Arbeitseinstellungen stimmen manchmal nicht mit den sozialkulturellen Normen mehrheitlich konservativer Gesellschaften überein.

Welche Vorteile hätte es, wenn es mehr Frauen in der Tech-Branche gäbe?

Wenn es für die unterschiedlichsten Kulturen funktioniert, warum nicht auch für unterschiedliche Geschlechter?

Für zahlreiche Technologieunternehmen ist es üblich, Büros und/oder Produktionsstudios in zahlreichen Gegenden der Welt zu eröffnen, selbst wenn es keinen nennenswerten Kostenvorteil bringt. In den meisten Fällen ziehen diese internationalen Standorte höhere Kosten wegen des zusätzlichen Personals und Kommunikationsaufwands mit sich.

Der wahre Grund für diese Globalisierung liegt darin, dass Menschen, je nach Herkunft, ganz unterschiedlich Probleme angehen und auf ihre Art lösen. Sie öffnen damit die Tore für Innovation und Fortschritt auf unvorstellbare Weise. Ich glaube, die Frage, die wir hier stellen müssen, lautet, warum wir dieselbe Logik nicht auch bei den Geschlechtern anwenden? Wenn es für die unterschiedlichsten Kulturen funktioniert, warum nicht auch für unterschiedliche Geschlechter?

Die Diskussion über Diversität nimmt Fahrt auf. Wie lange wird es dauern, bis wir Ergebnisse der aktuellen Debatte sehen?

Die Debatte um Diversität wird wahrscheinlich nie vorüber sein. Der Kampf der Geschlechter, beziehungsweise würde ich es als die Kraft der geschlechtsspezifischem Diversität und ihrer Effekte bezeichnen, wird immer debattiert werden, auch wenn wir an einen Punkt gelangen, an dem das Maß der Diversität zunimmt und kulturelle Barrieren eine weniger wichtige Rolle spielen. Davon abgesehen kann es Gutes mit sich bringen, da sie die einzigartigen Fähigkeiten der Geschlechter hervorhebt und uns Zentimeter um Zentimeter näher zur optimalen Balance bringt.

Tipps & Tricks

Als Frau in der Tech-Branche zu arbeiten kann herausfordernd sein, da die Branche auf Männer ausgerichtet ist. Allerdings bestehen die meisten dieser Herausforderungen darin, sich richtig anzupassen und das Mindset zu ändern. Durchhaltevermögen und das Verlangen es zu schaffen, sind wichtige Faktoren, um die Chancen zum eigenen Vorteil auszubalancieren.

Geschrieben von
Jan Bernecke
Jan Bernecke
Jan Bernecke ist seit 2019 Online-Redakteur bei S&S Media. Zuvor war der rugbyspielende Literaturwissenschaftler im Bereich Online-Marketing tätig.
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