International Women's Day 2021

Women in Tech im Jahr 2021

Jean Kiltz

Kim Michelle Völkel, Yvonne Preuß und Kinza Raheel (v. links nach rechts). Drei Frauen, die bei Software & Support Media arbeiten.

Im Rahmen unserer Kolumne „Women in Tech“ fragen wir regelmäßig Frauen, ob sie Erfolge sehen, die durch die Diskussion um Geschlechtergerechtigkeit entstanden sind. Wir haben uns die aktuellen Statistiken angeschaut und geben einen Überblick, was sich in den letzten Jahren zum Thema Women in Tech getan hat.

Mit unserer Kolumne „Women in Tech“ beleuchten wir regelmäßig anhand von Interviews die Problematik der Unterrepräsentierung und der damit einhergehenden Diskriminierung von Frauen in der und durch die IT-Branche, die seit ein paar Jahren gesamtgesellschaftlich in den Fokus gerückt ist.
Wir nehmen den Internationalen Frauentag 2021 als Anlass, um uns ein Lagebild über Frauen in der Tech-Branche zu machen. Dazu sehen wir uns zunächst aktuelle Zahlen an und schauen uns anschließend anhand einiger Beispiele die direkten sozialen Auswirkungen an.

Zahlen und Fakten zu Frauen in der IT-Branche

Immer wieder hört man in Deutschland vom „Fachkräftemangel“. Gerade in der IT-Branche gibt es aktuell laut Bitkom rund 86.000 offene Stellen (Zum Vergleich: Im Vorjahr waren es über 100.000). Aufgrund dieses Personalmangels hat schon 2019 mehr als die Hälfte der Unternehmen in Deutschland beschlossen, den Frauenanteil an IT-Spezialisten auf 25% in ihrer Belegschaft erhöhen zu wollen, wie das Portal www.personalwirtschaft.de berichtete. Im Moment machen Frauen dem gleichen Bericht nach 17% der IT-Spezialisten in deutschen Unternehmen aus.
Eine Studie des Unternehmens Capital One hat Frauen aus der IT-Branche befragt, die mindestens 8 Jahre in dem Bereich gearbeitet haben und stellte fest, dass drei Viertel aller Befragten zumindest schon darüber nachdachten, ihren Job zu kündigen. Die am häufigsten genannten Gründe sind nach BusinessInsider, dass es kaum Aufstiegschancen, unfaire Gehaltsverteilungen und kaum Rückhalt aus dem Management gibt.

Nachwuchs für die IT-Branche

Nachdem wir uns den Stand der weiblichen Belegschaft in der IT angesehen haben, lohnt es sich, einen Blick auf den Nachwuchs zu werfen. Nach einer Studie von PWC aus dem Jahr 2018 machten Frauen europaweit 16% des Studentenkorpus aus den Informatikstudiengängen aus. Einer Umfrage von Statista nach beträgt in Deutschland der Anteil an Frauen, die im Studiengang Informatik eingeschrieben sind, für das Semester 2019/2020 ungefähr 19,1%. Zum Vergleich: Im Semester 2015/16 waren es 17,4%.

Auswirkungen nicht-diverser Teams

Frauen sind offensichtlich unterrepräsentiert in der Tech-Branche und auch in naher Zukunft dürfte sich das Verhältnis nicht ändern, wie die Zahlen der IT-Studentinnen zeigen. Schauen wir uns anhand einiger Beispiele an, warum das schon jetzt ein gesamtgesellschaftliches Problem darstellt, das auch auf Bereiche außerhalb der IT Auswirkungen hat.

Fangen wir mit KI an: Das wohl bekannteste Beispiel dürfte die von Amazon gebaute KI sein, die bei der Bewertung von Jobbewerbungen helfen sollte. Sie wurde 2014 entwickelt, aber erst vor ein paar Jahren wurden Probleme mit der Software bekannt: Die KI diskriminierte Frauen, weil sie vor allem mit Daten über Neueinstellungen von Männern gefüttert und trainiert wurde. Der Algorithmus nahm deshalb an, dass Frauen für das Unternehmen nicht interessant seien und filterte Frauen beim Bewerbungsprozess automatisch eher aus. Eine ausführliche Beschreibung findet sich in einem Interview der Zeit.

Ein weiteres bekanntes Beispiel beschrieb der Tagesspiegel in einem Interview und stammt aus der Finanzwelt. Apple wollte 2019 zusammen mit der Investmentbank Goldman-Sachs eine Kreditkarte entwickeln, die auf einem Machine-Learning-Algorithmus basierend die Kreditrahmen von Antragsstellern berechnen sollte. Frauen wurden auch hier diskriminiert, indem ihnen ein sehr viel geringerer Kreditrahmen eingeräumt wurde, obwohl sie zum Teil sehr viel kreditwürdiger waren. Aufgedeckt hatten das der Unternehmer David Heinemeier Hansson und der Apple-Gründer Steve Wozniak, als sie die Kreditkarte jeweils für sich selbst und einmal mit ihren Frauen testeten.

Aber auch in der Medizin spielt die Diskriminierung von Frauen eine bedeutende Rolle. So stellte eine Studie veröffentlicht im New Engalnd Journal of Medicine aus dem Jahr 2002 zu einem Medikament, das das Risiko eines Herzinfarktes mindern sollte, zwar die Wirksamkeit für Männer fest, für Frauen allerdings erhöhte das Medikament sogar das Risiko eines Herzinfarktes. Offenbar testete der Hersteller das Medikament nur an Männern.

Es gibt viele weitere Beispiele, an denen man eine schon vorhandene Diskriminierung von mindestens der weiblichen Weltbevölkerung festmachen kann. Diese Probleme werden sich mit der immer häufigeren Verwendung von Algorithmen in Künstlicher Intelligenz voraussichtlich weiter verschärfen und auch vermehrt auftreten, sollten sich die aktuellen Zustände nicht ändern. Ein nicht allzu entferntes Horrorszenario dürfte beispielsweise der automatisierte Autoverkehr sein, wenn eine Maschine berechnen soll, welches Leben bei einem Unfall gerettet werden soll.

Geschrieben von
Jean Kiltz
Jean Kiltz
Jean Kiltz ist seit März 2020 Redakteur bei Software & Support Media. Er hat Geschichte und Kulturanthropologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert. Danach war er beim ZDF als First-Level-IT-Support angestellt.
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