Jeder Siebte schon dauerhaft in Telearbeit!

GitLabs Remote Work Report: Home Office als Evolution der Arbeit?

Jean Kiltz

© Shutterstock/Rawpixel.com

Die DevOps-Plattform GitLab hat ihren allerersten Remote Work Report fertiggestellt und pünktlich zur Corona-Welle die Ergebnisse veröffentlicht. Mit dieser Umfrage, an der über 3.000 Personen teilnahmen, möchte GitLab die Zusammenarbeit, die Innovation und Evolution für die Arbeit der Zukunft fördern. Dafür soll der momentane Stand der dezentralisierten Arbeit aufgezeigt und herausgestellt werden, welche Motivation bei Arbeitgebern und Arbeitnehmern vorherrschend ist, um Remote-Arbeit zu erlauben, bzw. wahrzunehmen.

An der Umfrage von GitLab nahmen über 3.000 Arbeitnehmer aus den USA (53%), Großbritannien (27%), Australien (10%) und Kanada (10%) teil. Der Survey richtete sich an all diejenigen, die 21 oder älter sind, dazu bereits jetzt schon aus der Ferne arbeiten oder zumindest die Möglichkeit haben, außerhalb des Büros zu arbeiten. Ganz wichtig: Die Teilnehmer müssen Aufgaben im digitalen Produktionsbereich wahrnehmen. Durch diesen Bericht erhoffen sich die Macher, Hindernisse für Telearbeit auszumachen. Ziel ist es im Grunde, Aufmerksamkeit für das Arbeiten im „Post-Office“-Zeitalter zu schaffen. Gleichzeitig könnte das Timing von GitLab nicht besser sein. Da in einer Zeit, in der nahezu jede Firma überlegen muss, wie sie mit Home Office umgehen will, gerade auf die großen Organisationen geschaut wird, die diese Form der Arbeit schon seit längerer Zeit umsetzen.

Der CEO und Mitgründer von GitLab, Sid Sijbrandij, drückte in einer Pressemitteilung zum Report schon einmal seine persönliche Motivation aus:

„“We believe all-remote is the future of work, as it delivers extraordinary benefits to businesses and employees[…].For companies, there are unique operational efficiencies, huge cost savings on office space and a broader pool of job applicants. For employees, this structure enables off-peak lifestyles, family-friendly flexible schedules, and improved work/life harmony. We believe that a world with more all-remote companies will be a more prosperous one, with opportunity more equally distributed.“

Arbeitsfeld und Remote-Arbeitsbedingungen

Mehr als ein Viertel der Teilnehmer kommen aus dem Bereich der IT-Netzwerksicherheit. Jeder Neunte arbeitet in Operations und jeder Zehnte konnte sich keiner Job-Bezeichnung zuordnen. 29% Prozent der Befragten gaben an, in ihrem Berufsfeld die Stelle als Manager wahrzunehmen. 23% sind Partner, bzw. Assistenten. Ein Drittel der Teilnehmer arbeitet bereits seit drei bis vier Jahren nicht mehr vom Büro aus.

Ein weiteres Drittel hat erst kürzlich, also seit maximal zwei Jahren, Erfahrungen mit Telearbeit gemacht. Fast alle (83%) arbeiten in Vollzeit und hauptsächlich von zu Hause aus (86%), wenn sie nicht im Büro sind. Bemerkenswert ist, dass von den 14% aller Befragten, die angaben, chronisch krank oder nur eingeschränkt am Arbeitsplatz mitwirken können, ein sehr großer Teil sagt, dass sie durch Remote-Arbeit effektiv mitgestalten können.

Quelle: GitLab

Allgemein ist festzuhalten, dass die USA offenbar das Land der Telearbeit sind, da dort fast jede zweite Firma komplett bürolos arbeitet. Im Länderschnitt sind es aber auch immer noch 38% aller Arbeitnehmer, die überhaupt nicht im Büro arbeiten. Anscheinend ist damit schon das „Post-Office“-Zeitalter eingeleitet, da nur noch jede vierte Organisation keine Form von Home-Office ermöglicht.

Vorteil der Remote-Arbeit für Arbeitnehmer

Der große Vorteil, den 50% der Arbeitnehmer in jedem der Herkunftsländer der Befragten in Remote-Arbeit sehen, ist die flexible Zeiteinteilung. Allgemein scheint die persönliche Freiheit eine große Rolle zu spielen, wenn es um Telearbeit geht. So gaben zum Beispiel 34% der Teilnehmer an, dass sie sich so um alte oder kranke Familienmitglieder oder ihre Haustiere kümmern könnten. Aber auch die Kostenreduzierung gehört mit zu den essentiellen Vorteilen: 35% gaben dies als Argument an.

Ein weiterer Aspekt, den die Arbeitnehmer positiv sehen, betrifft das physische und psychische Wohlbefinden. Fast jeder Dritte gab an, weniger unter Stress und Ängsten zu leiden und weitere 26% konnten bei sich eine Verbesserung bei der Gesundheit feststellen.

Quelle: GitLab

Nachteile der Remote-Arbeit für Arbeitnehmer

Der Faktor, der am meisten Schwierigkeiten bereitet, ist die Konzentrationsfähigkeit zu Hause. Beinahe jeder Zweite gab an, dass er mit Ablenkungen zu kämpfen hat. Zusätzlich sahen 29%, dass ihre Motivation zur Arbeit abgenommen hat. Die Gefahren von Home-Office, vor denen immer wieder gewarnt wird, scheinen aber auch in dieser Umfrage bestätigt zu werden: 28% der Befragten sahen eine Herausforderung darin, sich genug Freizeit von der Arbeit zu nehmen. Umso weniger verwunderlich ist dann, dass genauso viele Teilnehmer angaben, sich von der Arbeit abgekapselt, bzw. sich im Burnout zu sehen. Leider gibt es keine Vergleichszahlen zu der Zeit, bevor die Teilnehmer in Telearbeit gingen.

Offensichtlichen Nachholbedarf gibt es aber auch bei der technischen Umsetzbarkeit der bürolosen Arbeit. Mehr als jeder Dritte gab an, Schwierigkeiten damit zu haben, mit Kollegen oder Kunden zusammenzuarbeiten. Weitere 24 Prozent sehen Probleme beim Netzwerken oder darin, ihre eigene Karriere voranzutreiben.

Quelle: GitLab

Allgemein kann aber festgehalten werden, dass bei den Befragten die Vorteile die Nachteile überwiegen. Bei der Multiple-Choice-Befragung zu ihrer persönlichen Einstellung zur Telearbeit gaben nur 20% ein negatives Gefühl (z.B. Alleinsein) an. Der Großteil hat eine positive Auffassung von Remote-Arbeit, so fühlen sich 49% „lucky“.

Fazit

Die Befragten aus den vier verschiedenen Staaten empfinden rechnerferne Arbeit als gute Möglichkeit, ihre Work-Life-Balance zu verbessern und sich mehr Freiheiten zu verschaffen. Allerdings bringt diese neue Arbeitsweise auch vorhersehbare Nachteile mit sich, an denen Arbeitgeber noch Korrekturen vornehmen können und müssen. Gleichzeitig scheint die „Post-Office“-Welt aber auch eine absolute Typsache zu sein: fühlen einige sich besser, wenn sie von zu Hause aus mit den Kollegen kommunizieren können, empfinden andere Arbeitnehmer genau das als Problem und sehen sich isoliert und vereinsamt.

Den vollumfänglichen Report von GitLab kann man hier finden und selbstverständlich informieren wir auch über die nächste Umfrage.

Geschrieben von
Jean Kiltz
Jean Kiltz ist seit März 2020 Redakteur bei Software & Support Media. Er hat Geschichte und Kulturanthropologie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert. Danach war er beim ZDF als First-Level-IT-Support angestellt.
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Lieber Jean Kiltz, vielen Dank für die Übermittlung dieser interessanten Ergebnisse der Studie von Git-Lab. Als Coach kann ich diese teils widersprüchlichen Bewertungen von Work-from-Home gut nachvollziehen. Bei uns in der Coachingpraxis.Berlin beschäftigen sich meine Klienten und ich sehr intensiv mit dem Thema Work-Life-Balance. Und ich kann nur betonen, dass es kein Allgemein-Rezept dafür gibt. Jeder muss sehr individuell in sich hineinfühlen, um zu verstehen, wieviel Selbsmotivieren, wieviel zeitliche Freiheit und wieviel direktes Treffen von Kollegen richtig ist. Die vielbeschworene Balance ist ein sehr spezielles Lieblingsrezept, dass jeder selber in sich finden muss. Erst wenn das gefunden ist, kommt es… Read more »