Highlights von der JAX 2011

Karate-Kata, Spring 3.1, JavaScript und HTML5 (aka die Zukunft des Webs)

Martin Lippert

Nach intensiven Tagen auf der JAX ist es Zeit, die vergangenen Tage zu reflektieren. Was habe ich gesehen? Was waren meine persönlichen Highlights?

Auf dem Agile Day am Montag fand ich den Vortrag von Roman Pichler hervorragend. In lockerer Form berichtete Roman über häufig vorkommende Probleme mit der Rolle des Product Owners in Scrum-Projekten und listete typische Problemsituationen auf, die mir aus vielen eigenen Scrum-Projekten sehr bekannt vorkamen. Während des Vortrags merkte man, dass Roman ein sehr erfahrener Coach für Product Owner ist, der aus einem großen Schatz persönlicher Erfahrungen berichten kann. Und der Vortrag brachte die Probleme auf den Punkt. Ein sehr gelungener Abschluss des Agile Day am Montag.

Ein Erlebnis der besonderen Art (ganz im positiven Sinne) war übrigens die Kata-Session von Arne Roock, Sebastian Sanitz, Marko Schulz und Bernd Schiffer. Neben der eigentlichen „Softwareentwicklungs“-Kata-Demo führte Arne Roock eine echte Karate-Kata vor – absolut beeindruckend. Auch wenn es im Video lange nicht so beeindruckend ist, wie tatsächlich live, sei jedem das Video von der JAX empfohlen – und, wenn möglich, der Live-Besuch einer solchen Session mit Arne auf einer der nächsten Konferenzen.

Im Rahmen meines langjährigen Interesses an agiler Softwareentwicklung habe ich mir auch die Einführung in Kanban von Arne Roock und Henning Wolf in den Tagen darauf angesehen. In einem kurzen Schauspiel (sehr gelungen vorgetragen übrigens) brachten sie dem Publikum die Ideen hinter Kanban nahe und hatten anschließend noch einen üppigen Zeitrahmen für Fragen und Diskussionen mit dem Publikum vorgesehen. Die vielen Fragen beantworteten die beiden gewohnt souverän, und es machte Spaß, den beiden bei dieser Session zuzusehen und zuzuhören. Ein gutes Beispiel, wie man auch völlig ohne Folien und Projektor eine Stunde unterhaltsam, lehrreich und kurzweilig füllen kann. Und Kanban selbst scheint sich wirklich gut für viele Organisationen zu eignen, die lieber in kleinen Schritten agiler werden als in einem großen Schritt Scrum komplett einzuführen. Eine überzeugende Session!

Neben diversen Spring-Workshops und Sessions war auch Jürgen Höller, der Chef-Entwickler des Spring Frameworks selbst, auf der JAX und hat über die kommende Version 3.1 des Spring Frameworks gesprochen. Nachdem man in letzter Zeit viel über kleine zusätzliche Spring-Projekte und Cloud-Technologien gehört hatte, war es gut zu sehen, wie die Entwicklung des Spring Frameworks selbst weitergeht und mit welcher Kontinuität dort gearbeitet wird. Mit den so genannten Environments können beispielsweise Spring-Entwickler in Zukunft Bean-Konfigurationen für unterschiedliche Settings in gemeinsamen Konfigurationsdateien zusammenfassen und einfach zwischen ihnen umschalten. So lassen sich zum Beispiel unterschiedliche Zielplattformen (wie etwa Produktion und Entwicklung) einfach unterscheiden, ohne dass zusätzlicher Aufwand investiert werden muss oder die Konfigurationen unübersichtlich werden. Darüber hinaus hat mich besonders gefreut, dass Java-7-Features schnell unterstützt werden sollen und sich das Spring Framework weiterhin auf der Höhe der Zeit befindet. Ein gutes Zeichen.

Die mit Abstand beste Keynote dieser JAX lieferte Christian Heilmann von Mozilla. Mit reichlich trockenem Humor und Witz gespickt unterhielt er die JAX-Gemeinde mit HTML5 und zeigte, was mit dieser Technologie heute schon alles im Browser möglich ist. Dabei hatte er einen Stapel an Live-Demos im Gepäck, die schnell klar werden ließen, dass die Zukunft im Web HTML5 heißt – und aus meiner Sicht auch eine gute Chance hat, das UI-Toolkit der Zukunft überhaupt zu werden. Er zeigte selbst Video-Bearbeitung und Echtzeit-Video-Manipulationen, die an Augmented-Reality heranreichten, und machte so deutlich, wieviel Power hinter dieser Technologie steckt und heute schon in vielen Browsern verfügbar ist. Das Video zu dieser Keynote (hoffentlich gibt es diese Keynote bald als Video im Internet) ist ein absolutes Muss!

Meine JAX wurde am Donnerstag durch den JavaScript-Day abgerundet. Matthias Lübken hatte für alle JavaScript-Begeisterten ein rundes Programm für diesen Tag zusammengestellt, der sowohl für Einsteiger als auch Fortgeschrittene Interessantes bot. Meine drei Highlights des JavaScript-Tages waren: Christian Heilmann, der die Historie von JavaScript in gewohnt unterhaltsamer Manier erläuerte, Sebastian Sanitz, der testgetriebene Entwicklung mit JavaScript demonstrierte, und Matthias Lübken und Timo Derstappen, die mit node.js und Evented I/O eine Technologie für JavaScript einführten und live zeigten, um die heute niemand mehr herumkommt, der High-Performance- und/oder Realtime-Web-Apps realisieren möchte. Ein absolut gelungener JavaScript-Tag.

Zum Abschluss sei noch einmal unbedingt dem gesamten Team der JAX für die tolle Konferenz und die super Organisation gedankt. Ich freue mich schon auf die W-JAX 2011!

Martin Lippert ist Lead der SpringSource-Tool-Suite-Entwicklung und arbeitet bei Springsource/VMware mit einem internationalem Team an Entwicklungswerkzeugen rund um Spring- und Cloud-Techniken. Als Mitgründer von it-agile gilt er zudem als Spezialist für agile Softwareentwicklung.

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