Kampf der Kürzel-Kulturen: Aus Eclipse M2M wird Eclipse IoT [Kommentar]

Redaktion JAXenter

Aus Eclipse M2M (Machine to Machine) wird Eclipse IoT (Internet of Things). Das hatte Ian Skerrett, Marketing-Leiter der Eclipse Foundation, bereits vor einigen Wochen bekannt gegeben (wir berichteten). Gestern präsentierte Skerrett im Namen der Foundation das neue Logo (s. unten). Für den URL m2m.eclipse.org wurde bereits eine Umleitung auf iot.eclipse.org eingerichtet.

Die Eclipse M2M Working Group, die seit 2012 gemeinsam quelloffene Technologien für das Internet der Dinge entwickelt, wird ihre Arbeit somit unter einem neuen Banner fortsetzen.

Das Kürzel IoT sei ganzheitlicher, gab Skerrett damals als Begründung an. Es umfasse den gesamten Anwendungsstack, angefangen bei Software und Netzwerk über die Hardware bis hin zu den begleitenden Diensten. Der Vorgänger M2M sei allerdings noch immer populär, insbesondere in der Telekommunikationsindustrie, so Skerrett.

Bild: Eclipse Foundation

 

Gemeinsame Sache, gemeinsame Sprache

Eine Lappalie, wird sagen, wer davon überzeugt ist, dass die Vermarktung von Technologien rein gar nichts mit den Technologien an sich zu tun hat. Allerdings fällt auf: Gerade im Bereich IoT/M2M/Embedded Development/Internet of Everything/Industrial Internet/Internet of Customers – oder wie auch immer man ihn gerade nennen mag – spiegelt die Vielfalt der Begriffslandschaft besonders eindrücklich die Fragmentierung der Technologielandschaft wider. Wo keine gemeinsamen Visionen herrschen, geschweige denn einheitliche Standards, dort spricht man auch nicht dieselbe Sprache. Ob solch eine Lingua Franca in der derzeitigen Wettbewerbssituation überhaupt ein realistisches Ziel ist, darüber lässt sich trefflich streiten. Noch dazu in einer Zeit, in der der Durchschnittsbevölkerung die meisten Begriffe aus diesem Umfeld noch gänzlich unbekannt sind, ganz zu schweigen von kryptischen Kürzeln wie IoT, M2M oder IoE. Laut einer Studie, die die weltweite IT-Security-Vereinigung ISACA vor einigen Monaten durchführte, ist nicht mal einem von fünf US-Amerikanern die Bezeichnung „Internet of Things“ geläufig. Eine Begriffsdiskussion, wie man sie in Internetforen und auf einschlägigen Branchentreffs führt, findet also überwiegend in der Echokammer einer Industrie statt, die in Sachen Kundenkommunikation einen erheblichen Rückstand aufzuholen hat. Genau auf diesen Umstand ist „Internet of Customers“, eine Neuschöpfung des Salesforce-Chefs Marc Benioff gemünzt, die allerdings auch mehr Verwirrung als Klarheit stiften dürfte.

IoT für Idealisten, M2M für Realisten?

Derzeit kristallisiert sich „Internet of Things“, erst 2009 von Kevin Ashton geprägt, als generischer, anbieterneutraler und technologieagnostischer Begriff heraus. Indes wird Machine to Machine, wie es Ian Skerrett richtig erkennt, noch besonders gern von traditionelleren Telekommunikationsunternehmen verwendet. Gleichwohl kamen auch auf dem letztjährigen M2M Summit Zweifel an der Wirkungskraft des Kürzels auf. Zu technisch fand es etwa Martin Gutberlet von Fujitsu. Strikt genommen bezieht sich es sich lediglich auf den automatisierten Datenaustausch zwischen Geräten, Modulen, Maschinen und Fabrikanlagen. Es und konnotiert nicht die Vision von einer Welt, in der jedes Modul dank einer standardisierten Infrastruktur eine Vielzahl von möglichen Ansprechpartnern hat – so wie sich heute jeder auf dem Markt erhältliche Rechner und jedes Smartphone ins WWW einloggen kann. Noch teilt nicht jeder diese Vision. Und noch ist sich nicht jeder sicher, ob er das überhaupt möchte.

Um Schrägstriche wird man also noch eine ganze Weile nicht herumkommen. Im Selbstverständnis der Eclipse IoT Working Group heißt es jedenfalls noch immer: „Our technologies aim at establishing an open IoT/M2M platform to be used by anyone.“

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