Open Source Job Report 2016 zeigt: Nachfrage steigt

Job & Karriere: Open-Source-Erfahrung gefragter denn je

Ann-Cathrin Klose

© Shutterstock / Sergey Nivens

Immer mehr Unternehmen setzen auf Open Source Software, wenn es um ihre eigenen Produkte geht. Mal wird bestehende OSS in eine kommerzielle Lösung integriert, mal ein Seitenzweig eines kommerziellen Produkts unter eine Open-Source-Lizenz gestellt. So oder so: Die Nachfrage nach Entwickler, die Erfahrung mit Open-Source-Produkten haben, steigt. Das zeigt auch der Open Source Job Report 2016, den Dice und die Linux Foundation nun vorgelegt haben.

Die Mitarbeit an Open-Source-Projekten lohnt sich. Die eigenen Code-Skills verbessern sich dadurch; der Blick auf einen anderen Programmierstil innerhalb einer Sprache erweitert den eigenen Horizont. Auch um eine neue Programmiersprache zu erlernen, zahlt es sich aus, einmal einen Blick auf Open-Source-Projekte zu werfen. So lassen sich wertvolle Erfahrungen sammeln und Best Practices erkennen, die auch im Berufsleben hilfreich sind. Wo im Job nur wenig Zeit bleibt, um etwas Spannendes auszuprobieren (und daran zu scheitern), können sich Entwickler in ihrer Freizeit nach Herzenslust austoben.

Mehr als ein Freizeitvergnügen

Wie bereits erwähnt, haben Open-Source-Projekte aber schon lange die Grenze des Freizeitvergnügens überschritten. Black Duck hat auch in diesem Jahr wieder eine Reihe von „Open Source Rookies of the Year“ ausgezeichnet – also die besten neu gestarteten Open-Source-Projekte des Vorjahres gekürt. Wie das Softwareunternehmen erläutert, handelt es sich bei den im März benannten Siegern hauptsächlich um Projekte, die von kommerziellen Unternehmen gefördert werden.

Zu den gesponserten Projekten auf der Black-Duck-Liste gehören beispielsweise React Native aus dem Hause Facebook oder das DevOps Dashboard Hygieia des us-amrikanischen Finanzunternehmens Capital One. Glucosio, ein Tool zur Überwachung des Blutzuckerspiegels von Diabetikern, ist hingegen ein klassisches Open-Source-Projekt, das unabhängig von großen Unternehmen entwickelt wird. Die Idee kam dem Gründer Benjamin Kerensa aufgrund seines eigenen Bedarfs an einer solchen Anwendung. Inzwischen hat sich rund um Kerensa ein kleines Entwicklerteam gebildet.

Open Source überall

Google ist bekannt dafür, immer wieder Softwareprodukte Open Source zu stellen. Eines der bekanntesten Beispiele dafür ist wohl Tensor Flow, ein Machine-Learning-System, das von Google selbst unter anderem zur Spracherkennung eingesetzt wird. Auch Amazon ist auf den Deep-Learning-Trend aufgesprungen und hat nun die Library DSSTNE unter eine Open-Source-Lizenz gestellt.

Wer sich für Open-Source-Projekte aus dem Bereich der künstlichen Intelligenz interessiert, kann außerdem einen Blick auf OpenAI werfen. Das Unternehmen hat sich der Open-Source-Entwicklung von KI-Systemen verpflichtet. Kürzlich wurde dort die Public Beta des OpenAI Gym veröffentlicht, das für die Entwicklung und den Vergleich von Reinforcement-Learning-Algorithmen gedacht ist. Das Forschungszentrum OpenAI ist im letzten Jahr mit einem Budget von einer Milliarde Dollar ins Geschäft eingestiegen und stellt somit ein weiteres Beispiel für die Professionalisierung auf dem Gebiet der Open-Source-Software dar.

Open-Source-Jobreport

Das bildet auch der Open Source Job Report 2016 ab, den die Linux Foundation zusammen mit Dice erstellt hat. Anders als in den Vorjahren liegt der Fokus der Untersuchung der Linux Foundation durch den Zusammenschluss mit Dice nun nicht mehr ausschließlich auf der Linux-Welt, sondern versucht einen breiteren Überblick über die Nachfrage nach Open-Source-Experten zu geben.

400 Personalchefs sowie 4.500 Open-Source-Profis aus aller Welt wurden zu ihrer Sichtweise auf die Chancen und Entwicklungen in Sachen Open Source in der Berufswelt befragt. 77,5 Prozent der befragten Personalverantwortlichen gehören zu Unternehmen mit Hauptsitz in Nordamerika, 8,5 Prozent sind für europäische Firmen tätig. Zu beachten ist allerdings, dass nur solche Personalchefs befragt wurden, die im vergangenen Jahr mindestens einen Open Source Professional eingestellt haben oder dies für die Zukunft planen.

Als Open Source Professional gilt für Personalchefs vor allem, wer über ein Zertifikat in einer einschlägigen Technologie verfügt. 44 Prozent der befragten Personalverantwortlichen würden Bewerber bevorzugen, die eine solche Qualifikation vorweisen können. Von den teilnehmenden Open-Source-Profis geben hingegen 90 Prozent an, dass sie ihr Wissen über Bücher, Online-Ressourcen und kostenlose Tutorials auf dem neusten Stand halten. 60 Prozent nutzen dazu Online-Kurse, 45 Prozent besuchen Events und Konferenzen.

Qualifikation auch für Open Source wichtig

59 Prozent der befragten Personalverantwortlichen haben außerdem vor, künftig mehr Open Source Professionals einzustellen; 87 Prozent geben allerdings an, dass sie Schwierigkeiten dabei haben, qualifiziertes Personal zu finden. Immerhin 34 Prozent sind bereit, sich an den Kosten für die Zertifizierung ihrer Angestellten zu beteiligen; unter den befragten Open Source Professionals planen 47 Prozent, in diesem Jahr tatsächlich eine solche Qualifikation zu erwerben. Nur ein Prozent gab allerdings an, alle für ihre gegenwärtige Tätigkeit notwendigen Prüfungen abgelegt zu haben. Der Weg in die professionelle Karriere als Entwickler mit Schwerpunkt auf Open-Source-Technologien scheint also nicht auf formale Qualifikationen begrenzt zu sein.

Inhaltlich gefragt in professionellen Open-Source-Projekten sind vor allem Skills in Sachen Cloud-Lösungen sowie Networking-Technologien. Auch das Thema der IT-Security ist sowohl im Bereich der kommerziellen Software als auch in Open-Source-Lösungen wichtig: Sicherheits-Skills finden sich auf Platz 3 der Kenntnis-Wünsche von Personalchefs. Kenntnisse im Bereich der Container-Technologien halten bisher nur acht Prozent der Personaler für wichtig.

Gefragte Fachkräfte

Die große Nachfrage nach Kenntnisse auf diesem Gebiet zeigt sich auch daran, dass qualifizierte Mitarbeiter stark umworben werden: 73 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in den vergangenen sechs Monaten von Headhuntern kontaktiert wurden. Auch den Arbeitgebern ist dies bewusst. 79 Prozent bieten ihren professionellen Open-Source-Entwicklern Incentives an, damit diese im Unternehmen bleiben, 44 Prozent haben die Gehälter erhöht.

Ein Einstieg in die Open-Source-Welt kann sich also lohnen; im Besonderen stehen dabei natürlich Kenntnisse im Umgang mit den großen Open-Source-Plattformen wie Linux im Zentrum des Interesses der Personalchefs. Auch jenseits der Verbesserung der eigenen Fähigkeiten in einer bestimmten Programmiersprache kann es sich also lohnen, sich mit Technologien aus dem Open-Source-Bereich zu befassen. Die wachsende Zahl an Open-Source-Projekten in Unternehmen mit kommerzieller Ausrichtung lässt nämlich vermuten, dass die Nachfrage in den kommenden Jahren eher noch steigen wird.

Aufmacherbild: Businesswoman walking up staircase to door in sky via Shutterstock / Urheberrecht: Sergey Nivens

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Ann-Cathrin Klose
Ann-Cathrin Klose
Ann-Cathrin Klose hat allgemeine Sprachwissenschaft, Geschichte und Philosophie an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz studiert. Bereits seit Februar 2015 arbeitete sie als redaktionelle Assistentin bei Software & Support Media und ist seit Oktober 2017 Redakteurin. Zuvor war sie als freie Autorin tätig, ihre ersten redaktionellen Erfahrungen hat sie bei einer Tageszeitung gesammelt.
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