JGear – der JBuilder 2007 als Plug-in für Eclipse

JGear Performance for Eclipse 3.2

Ein wichtiger Bestandteil des Software-Entwicklungsprozesses ist das Profiling. Dieser Punkt wurde schon lange durch das Produkt OptimizeIt von CodeGear (ehemals Borland) adressiert. OptimizeIt wurde bereits in den JBuilder 2007 integriert und ist nun in Form von JGear Performance for Eclipse 3.2 als separates Plug-in erhältlich. Die wesentlichen Features des Plug-ins sind nachfolgend aufgeführt:

  • Together UML (Audits u. Metrics)
  • OptimizeIt Profiler
  • OptimizeIt Code Coverage
  • OptimizeIt Thread Debugger

Nach der Installation des Plug-ins steht neben dem Punkt „Run As“ der Punkt „Profile As“ im Kontextmenü einer Klasse (z.B. im Package Explorer) zur Verfügung. Die Ergebnisse eines Profiling-Vorgangs werden in einer zusätzlichen Ansicht angezeigt (Abb. 4).

Abb. 4: JGear Performance in Aktion (Code Coverage)

Aufgrund der harten Konkurrenz muss ein kommerzieller Profiler einige Vorzüge bieten, um überzeugen zu können. Bei JGear Performance fällt es schwer, diese zu finden, sodass es besonders bei diesem Plug-in der JGear-Reihe ratsam ist, vor der Investition einen Probelauf zu machen. Außerdem ist es wichtig, zu wissen, welche Ansprüche an den Profiler gestellt werden, um JGear Performance die richtigen Fragen stellen zu können. Der Audits- und Metrics- Teil von Together UML tanzt etwas aus der Reihe. Dieser Teilbereich wurde wahrscheinlich in das Plug-in integriert, um es als Werkzeug für die Qualitätssicherung positionieren zu können. Positiv hervorzuheben ist sicherlich die gelungene Integration in Eclipse.

JGear Team Client/Team Server for Eclipse 3.2

Die letzen beiden Produkte der JGear-Familie unterscheiden sich stark von den anderen Plug-ins, da sie auf den Entwicklungsprozess an sich und die Kommunikation abzielen. Es existiert einmal eine Server-Komponente (JGear Team Server) und eine Client-Komponente (JGear Team Client). Der Server ist dabei sicherlich nicht als Plug-in zu sehen, wohingegen der Client sich als herkömmliches Eclipse Plug-in darstellt, das folgende Merkmale hat:

  • Project Portal
  • Mylar
  • XPlanner Mylar Connector
  • Starteam Mylar Connector
  • Automatische Konfiguration der IDE

Abb. 5: JGear Team Client/Team Server

Der Fokus von JGear Team Client/Team Server liegt ganz klar auf dem Entwicklungsprozess an sich und die Bestandteile sind fast alle Open Source. CodeGear möchte mit diesen beiden Produkten dem Interessenten den manchmal mühsamen Integrationsprozess abnehmen, lässt sich dies aber mit rund 600 US Dollar ordentlich bezahlen. Der Ansatz dieses Produkt-Zweigespanns ist sehr gut, und das dargebotene Liferay-Portal unterstützt auch im Entwicklungsprozess. Leider hat man ein wenig das Gefühl, eine veraltete Version zu kaufen, denn das Projekt Mylar wurde schon vor längerer Zeit auf Mylyn umbenannt und auch weiterentwickelt. Eine Überarbeitung von CodeGear wäre an dieser Stelle wünschenswert.

Kann JGear überzeugen?

Es ist gar nicht so einfach, ein Fazit zu ziehen. Durch die Herauslösung der Plug-ins gibt CodeGear auch die Hoheit über die Eclipse-Installation aus der Hand, d.h. der Entwickler ist selbst für die Installation verantwortlich, und viele andere Plug-ins können die Lauffähigkeit des gewählten JGear Plug-ins beeinträchtigen.

Bei der Evaluierung des JBuilder 2007 [Markus Stäuble: JBuilder 2007. Eine Betrachtung der neuen Eclipse-basierten Version, in: Eclipse Magazin Vol. 10] hat die LiveSource-Komponente zu überzeugen gewusst. Mit JGear LiveSource for Eclipse 3.2 wurde diese Komponente als einzelnes Plug-in herausgelöst. Einerseits kann es gut zur Modellierungsarbeit im Umfeld von UML 2.0 eingesetzt werden, anderseits ist es auch ein Kandidat für Rapid Prototyping im Bereich von Web Services oder der Persistenzschicht (JPA, EJB). Die dafür enthaltenen Designer erleichtern sicherlich die ersten Schritte und führen auch schnell zu einem lauffähigen Ergebnis. Unter der Haube versteckt sich innerhalb von JGear LiveSource der alte, etwas geschrumpfte Bekannte „Together UML“. Dies wurde mit dem JBuilder 2007 und nun auch mit JGear optimal innerhalb von Eclipse integriert. Auch der angekündigte Preis von 300 US Dollar ist ein attraktives Argument. Man erhält allerdings mit dem Plug-in keine ausgewachsene Modellierungssuite, sondern eines auf die tägliche Arbeit eines Java-Entwicklers angepasstes Paket. Schade in diesem Zusammenhang ist, dass die von Together bekannten Audits und Metriken in das zweite Plug-in JGear Performance for Eclipse 3.2 ausgelagert wurden. Die Teamkomponente ist vor allem aus Sicht der Installation sehr gut gelungen, und wer noch keinen automatisierten Entwicklungsprozess hat, sollte sich dieses System einmal anschauen. Dass hier noch im Titel und vor allem unter der Haube Mylar und nicht Mylyn verwendet wird, liefert ein bitteren Beigeschmack.

Die JGear-Produktreihe trägt als Teil des Namens „for Eclipse 3.2“. Dies hat sich während der Evaluierung leider auch bestätigt: Es ist nicht gelungen, die Plug-ins unter dem aktuellen Europa-Release lauffähig zu bekommen, sodass mit der neuesten Eclipse-Version nicht entwickelt werden kann. Ob die Vorteile von JGear dies rechtfertigen, sollte der interessierte Entwickler anhand einer Evaluierung für sich selbst entscheiden. Zusammenfassend lässt sich also sagen, dass der Entwickler derzeit nur ohne Turbo nach Europa kommt.

Markus Stäuble ist Senior Software Engineer bei namics (Deutschland) GmbH, einem führenden IT- und Webdienstleister. Schwerpunkt seiner täglichen Arbeit ist neben der Projektleitung die Architektur von Java-EE-Anwendungen und deren Qualitätssicherung. Darüber hinaus ist er freier Autor von Fachartikeln.

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