JAXenter-Jahresrückblick: Das war Java 2012 [Teil 2]


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Juli

Neben der Schaltsekunde in der Nacht zum 1. Juli 2012, die für Ausfälle und Abstürze u.a. in
MySQL-Datenbanken, Java-Anwendungen und im Linux-Kernel führte, war es eine Personalie, die Anfang Juli 2012 die Java-Gemüter erregte. Der Gründer des Spring Frameworks Rod Johnson gab bekannt, SpringSource bzw. die Muttergesellschaft VMware zu verlassen. In welche Richtung hatte Rod damals noch nicht verkündet, im Oktober folgte dann aber die Nachricht, dass Johnson fortan das Board of Directors des Scala-Unternehmens Typesafe zieren wolle.


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Die eigentliche Top-News im Juli war allerdings dann eine Negativmeldung: Oracles Mark Reinhold (Bild) schlug auf der OpenJDK Mailingliste vor, das für Java 8 geplante Modulsystem „Jigsaw“ auf Java SE 9 zu verschieben. Jigsaw habe signifikante technische Herausforderungen nicht lösen können, und trotz einiger Fortschritte sei das Risiko zu groß, dass die Proboleme bis zum Java 8 Release im September 2013 behoben werden könnten. Jigsaw sollte deshalb erst in Java SE 9 im Jahr 2015 kommen – die Enttäuschung in der Java Community war groß.

In der Tat wartet die Java Community nun schon seit mindestens 2005, seit der Einführung des JSR 277 „Java Module System“, auf eine standardisierte Lösung zur Modularisierung des JDK und von Java-Anwendungen. Vor allem unter den Befürwortern des Modularisierungsstandards OSGi kochte die Position wieder hoch, man hätte doch von vorneherein auf OSGi setzen sollen. Dem hatte sich Sun allerdings stets widersetzt – und in der Folge dann auch Oracle. Die Jigsaw-Verschiebung wurde später vom Experten-Komitee bestätigt, das auch keinen Zweifel daran ließ, dass man trotz der Verzögerung am in Projekt Jigsaw verfolgten Ansatz festhalten wolle.

Wir sprachen seinerzeit mit Exekutiv-Komitee-Mitglied Gil Tene über das Thema, der trotz seiner Bedauerung ob der Jigsaw-Verzögerung betonte, dass eine Verschiebung des Release-Termins für Java 8 die falsche Reaktion wäre:

Ich habe [die Jigsaw-Verschiebung] bedauert, denn eine Modularisierung wäre ein sehr nützliches Feature gewesen, das eine große Produktivität in der Community entfesseln könnte. Ich denke aber auch, dass es wahrscheinlich die richtige Entscheidung war, wenn man sich den Zeitplan und den Status des Projektes anschaut. Meiner Meinung nach ist es vorerst wichtiger, pünktlich zuverlässige Java Releases zu liefern als eine Menge Features darin zu haben. Java 7 hat schon viel zu lange gebraucht – und das hat, was noch schlimmer ist, die öffentliche Erwartung bröckeln lassen, dass es voran geht.

In San Francisco veranstalteten wir derweil unsere zweite JAX US, und zeichneten im Rahmen der JAX Innovation Awards innovative Technologien, Unternehmen und Personen aus. 2012 lauteten die Gewinner:


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Den Spezial-Preis der Jury erhielt JRuby-Chefentwickler Charles Nutter. Aus der Laudatio:

Charles Nutter ist eine der treibenden Kräfte hinter JRuby. Seit Beginn seines Engagements hat er seine Absicht verfolgt, JRuby als echte Alternative zu Ruby zu etablieren. Außerdem lag sein Fokus auf einer nahtlosen Integration mit Java-Frameworks und -Bibliotheken sowie an der Zusammenführung der Ruby- und Java-Communities. [.] Ohne Charles Nutter wäre die vielsprachige JVM nicht das, was sie heute ist – und eine stark polyglotte JVM ist wesentlich dafür, dass die Java-Plattform auch weiterhin relevant bleibt.

Was war noch heiß im Juli? Wenn schon nicht das Wetter, dann doch einige weitere Technologie-Neuerungen:

Hatte Google auf seiner I/O-Konferenz verkündet, das Google Web Toolkit (GWT) einem unabhängigen Gremium zu übergeben, so diskutierten wir auf JAXenter, was das für die Zukunft von GWT bedeuten könnte – würde eine andere Partei, wie etwa die Framework-Entwickler Vaadin, fortan das Ruder in die Hand nehmen?

NetBeans 7.2 brachte nette Verbesserungen wie die Integration des JavaFX Scene Builder. Apache Geronimo 3.0.0 führte den Support für Java 7 und OSGi 4.3 ein. Google stellte die bislang unbekannte Web-IDE Collide Open Source zur Verfügung. GitHub nahm Venture-Kapital in Höhe von 100 Millionen US-Dollar an – was Befürchtungen Vorschub leistete, eine Kommerzialisierung des Unternehmens könnte dem Open-Source-Charakter von GitHub schaden.

Der Top-Artikel auf JAXenter war im Juli „Die 10 Gebote des selbstlosen Programmierens.“ In Anlehnung an die Regeln aus dem Buch „The Psychology of Computer Programming“ lauten diese:

  1. Verstehe und akzeptierte, dass du Fehler machst.
  2. Trenne deine Person von deinem Code.
  3. Egal, wieviele coole Programmiertricks zu kennst, jemand anderes kennt mehr.
  4. Schreibe keinen Code neu, ohne dich mit anderen zu beraten.
  5. Behandle Leute, die weniger wissen als du, mit Respekt, Achtung und Geduld.
  6. Die einzige Konstante in der IT ist die Veränderung.
  7. Die einzig wahre Autorität kommt von deinem Können, nicht von deiner Position.
  8. Kämpfe für das, an was du glaubst, aber akzeptiere taktvoll eine Niederlage.
  9. Sei nicht der Coder in der Ecke.
  10. Kritisiere Code und nicht Personen. Sei nett zum Coder, aber nicht zum Code.
August

Am 31. August legte Oracle ein Sonderupdate für Java 7 vor. Vorangegangen waren Meldungen über Sicherheitslöcher im Java-Plug-in, die intensiv von Malware ausgenutzt worden sein sollen. Selbst das Hacker-Werkzeug Blackhole Toolkit soll die Java-Schwachstellen mit ins Repertoire aufgenommen haben.

Solch schlechte Presse bekam Java leider den ganzen Sommer über, bis hin zu Aufrufen, man solle das Java-Plug-in am besten vom Rechner entfernen. Und siehe da: Im Oktober machte Apple sogar proaktiv den Schritt in diese Richtung und verbannte das Java-Plug-in aus Mac-OS-Browsern.

Immer lauter wurden die Forderungen, man müsse das Sicherheitsproblem bei Oracle ernster nehmen. Vor allem der viermonatige Rhythmus von Sicherheitsupdates stieß auf Kritik, da bei einer solch starren Struktur längst bekannte Probleme offenbar lange liegen bleiben. Neben der Weiterentwicklung der Java-Plattform in Richtung Java 8 und Java EE 7 liegt hier sicherlich auch für das Jahr 2013 noch die größte offene Baustelle. Dabei hatte es im August mit dem Java 7 Update 6 doch so gut begonnen, das den Support für Mac OS X, Linux ARM und JavaFX 2.2 mit sich brachte.


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Besser voran ging es bei der Reform des JCP – auch unter dem Kürzel JCP.next bekannt. Im August einigte man sich darauf, die beiden Exekutiv-Komitees für Java ME und Java SE/EE zu fusionieren. Ziel von JCP.next sind schlankere und transparentere Prozesse, die insgesamt zu einer aktiveren Beteiligung der Community führen sollen. Vorangebracht wurde die JCP.next Initiative u.a. von Mike DeNicola (Bild), der für diese Rolle mit dem JCP Award 2012 ausgezeichnet wurde.

In Sachen Cloud Computing nahm das ganze Jahr über bereits der offene Standard OpenStack mächtig an Fahrt auf – auch VMware trat letzlich der von der NASA-begründeten Initiative bei. Im August legte Rackspace ein neues OpenStack Cloud Portfolio vor, auch Red Hat kündigte eine OpenStack-Distribution an – neben der eigenen Lösung OpenShift. Selbst Larry Ellison legte seine jahrlangen Vorbehalte gegen den Begriff „Cloud Computing“ ab und präsentierte seine „Oracle Cloud“. Zudem wurde in der neuen Initiative CAMP von Oracle, Red Hat, CloudBees, Cloudsoft, Huawei, Rackspace und der Software AG ein neuer Cloud-Standard auf den Weg gebracht.

Das Java Magazin nahm sich in der August-Ausgabe dem Cloud-Thema an. Sebastian Meyen fragte im Editorial: „Cloud – Was wird übrig bleiben?“

Wie auch immer Sie, Ihr Unternehmen oder Ihre Kunden über die Cloud urteilen – denken Sie darüber nach, was am Ende des Cloud-Hypes übrig bleiben wird. Ich verspreche Ihnen, es wird eine ganze Menge sein. Was sich da mit Virtualisierungstechniken, Continuous Delivery, NoSQL-Datenspeichern und Big Data sowie auch modernen und unbürokratischen Arbeitsweisen wie DevOps gerade zusammenbraut, hat auf jeden Fall das Zeug dazu, einen wahren Sturm zu entfachen!

Zu den interessantesten Releases im August zählen wir das Heimautomatisierungsprojekt openHAB 1.0, die SpringSource Toolsuite 3.0.0 (modularisiert und komplett Open Source) und Apache Deltacloud 1.0, das Projekt, das Web Service APIs für die Interaktion mit Cloud Service Providern samt Implementierungen populärer Clouds und Client Libraries bereit stellt.

Auf JAXenter erschien mit „Flexible Architekturen“ von Stefan Roock einer der besten Artikel zum Thema Softwarearchitektur. Außerdem schlug das Thema „Aufwandsschätzungen“ hohe Wellen. Dass die Schätzungen der Entwickler, wie lange sie denn für eine bestimmte Aufgabe benötigen, sehr oft sehr weit von der Realität entfernt liegen, kennen offenbar viele von Ihnen aus Ihrem Arbeitsalltag. Viel gelesen wurden die Beiträge:

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