Das Java-Jahr 2012 aus der JAXenter-Perspektive

JAXenter-Jahresrückblick: Das war Java 2012 [Teil 1]

Hartmut Schlosser

2012 war ein gutes Jahr für Java. 22 Prozent bezeichneten 2012 in unserem letzten Quickvote sogar als hervorragendes Jahr. 51 Prozent meinen, 2012 sei zwar ein Java-Jahr ohne Sensationen gewesen, dennoch seien wichtige Entwicklungen angestoßen und durchgeführt worden. Wir wollen hier das vergangene Jahr aus unserer dezidierten JAXenter-Perspektive Revue passieren lassen – eine Perspektive, die immer bestrebt ist, das gesamte Java-Ökosystem und, darüber hinaus, allgemeine Trends der IT-Branche im Blick zu behalten. Die monatliche Zusammenschau der Ereignisse und Technologie-Entwicklungen offenbart denn auch die brodelnde Aktivität der Java-Community im Jahr 2012, die mit ihren über 9 Millionen Entwicklern zu den größten weltweit zählt.

Januar


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Die Java-Welt bewegte im Januar ein Personalwechsel besonderer Art. Mr. OSGi Peter Kriens (Bild) gab bekannt, als Direktor der OSGi-Alliance zurückzutreten. Der maßgebliche Wegbereiter der OSGi-Spezifikationen führte die OSGi Alliance über eine Dekade an, und machte OSGi zu einer der wohl raffiniertesten Lösungen, wenn es um die Modularisirung von Java-Projekten geht.

Schlagzeilen machte auch der Prozess Oracle versus Google – das Ringen um den Prozesstermin und den tatsächlich zu verhandelnden Streitumfang beschäftigte die Java-Community bis zum endgültigen Prozessbeginn im April.

Spannende Technologie-Entwicklungen gab es ebenfalls im Januar: Neue Versionen legten NetBeans (7.1), Apache Camel (2.9.0), PrimeFaces (3.0) und das Java Security Framework Apache Shiro (1.2.0) vor. Auch der CI-Server Hudson feierte nach der Abspaltung des Jenkins-Forks sein erstes Release unter dem Dach der Eclipse Foundation – mittlerweile ist es allerdings recht ruhig um Hudson geworden. Im Januar einigte sich die Eclipse-Community übrigens auch auf den Namen „Kepler“ für den Release-Train 2013 – Kepler setzte sich (glücklicherweise) deutlich gegen Namenskonkurrenten wie Kari, Kratos, Ketu, Koronis und Kuiper durch.

Der meistgelesene JAXenter-Artikel im Januar war das Video „Warum so viele kluge Leute so schlechte Oberflächen entwickeln„, ein Mitschnitt einer JAX-2011-Session, in der Karsten Lentzsch den Gründen für die schlechte Gestaltung nachspürt, die in der IT-Welt die Regel, nicht die Ausnahme darstellt.

In einem JAXenter-Quickvote fragten wir, welche Entwicklung 2012 am wichtigsten für das Java-Ökosystem werden würde. Die meisten Stimmen gaben Sie dem Punkt „Weiterentwicklungen an der Sprache Java selbst (Stoßrichtung: Java 8)“ (19%) – gefolgt von „Die Entwicklungen an Java EE 7“ (14%) und „Java als UI-Technologie: JavaFX“ (12%). Wie sehen Sie das nun aus heutiger Sicht?

Februar


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Googles JavaScript-Alternative Dart erregte auch in der Java-Welt großes Aufsehen. Java-Veteran Joshua Bloch (Bild) steuerte im Februar neue Collections bei. Mitten ins Schwarze traf in Sachen Dart auch Christian Grobmeiers Artikel „Google Dart – Mitten ins Schwarze? Aus Gerüchten wurde Dart – eine Sprache, die JavaScript ersetzen soll„. In einem Quickvote gaben sich die meisten allerdings eher skeptisch Dart gegenüber. 48% entschieden sich für die Option „Wohin die Reise mit Dart geht, weiß derzeit noch nichtmal Google selbst. Also: Abwarten und Teetrinken!“

Die Ankündigung Ende 2011, JavaFX komplett quelloffen in das OpenJDK-Projekt zu überführen, wurde im Februar weiter in die Wirklichkeit überführt. Das Scenegraph API und die JavaFX-Testsuite JemmyFX wurden zur Verfügung gestellt. Dierk König sprach für uns mit JavaFX-Projektleiter Richard Bair, der bestätigte „Die Vision, die wir mit JavaFX und dem Java Client verfolgen, reift.“ Diskutiert wurde anschließend, ob damit das Aus von Swing gemeint sein könnte.

Bemerkenswerte Releases im Februar: Webframework ZK 6.0.0, Apache JMeter 2.6 und die Java-Bibliothek Lambdaj 2.4. Oracle brachte den neuen JSR 356 ein, bei dem es um die Spezifizierung eines Java APIs für die WebSocket-Technologie geht. Der JBoss AS 7.1 erlangte die volle Java-EE-6-Kompatibilität.

In der Eclipse Community feierte die Ende 2011 gegründete Polarsys Industry Working Group ihren ersten Webauftritt. Interessante Veröffentlichungen aus dem Eclipse-Universum waren Orion 0.4, Eclipse Code Recommenders 0.5 und das Projekt RAP mobile (mittlerweile in „Tabris“ umbenannt), über das wir uns auch mit Projektleiter Jochen Krause unterhielten:
RAP mobile: Eclipse Rich Ajax Platform für mobile Geräte.

Der Topartikel auf JAXenter war im Februar die Auflösung des Quickvotes, in dem wir Sie fragten, mit welcher Java-Alternative Sie sich 2012 etwas näher beschäftigen wollen. Scala (23%), Groovy (15%) und JavaScript (10%) landeten damals auf den ersten Rängen. In einer Quickvote-Neuauflage können Sie aktuell übrigens dieselbe Frage für das Jahr 2013 beantworten: Welche Sprache wollen Sie sich 2013 etwas genauer anschauen?

Allerdings ist die Frage nach einer Java-Alternative, die 2011 noch von vielen gestellt wurde, im Laufe des Jahres 2012 deutlich in den Hintergrund gerückt. Im Februar attestierte Red-Monk-Analyst Stephen O’Grady Java eine anhaltende Relevanz: aufgrund von Indizien wie die guten Präsenzen auf GitHub und Stack Overflow sowie die steigenden JUG-Mitgliederzahlen auf LinkedIn. In einem eWeek-Artikel titelte Darryl K. Taft „Is Java Dead? Heck No!„, ähnlich positive Einschätzungen gaben zu diesem Zeitpunkt RedHats Mark Little, JRuby-Mastermind Charles Nutter und ZeroTurnarounds Arnel Pällo („Java is dead? 9 million devs disagree„) ab. Unsere Einschätzung lautete damals: Java ist – de facto – die Lingua Franca der Enterprise-Entwicklung („Über das todgeweihte Java und die Lingua Franca der Enterprise-Welt„).

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Hartmut Schlosser
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