Tag 1 an der JAX Finance-Front

Impressionen von der JAX Finance: „Die Störenfriede durch Innovation vertreiben“

Natali Vlatko

Sie haben es nicht auf die JAX Finance geschafft? Keine Sorge, freuen Sie sich an dieser Stelle auf eine Zusammenfassung ausgewählter Sessions, Themen und Ideen.

Der erste Tag der JAX Finance war vollgepackt mit innovativen und inspirierenden Talks, die Entwickler und Vertreter der Finanz-IT-Welt zusammenbrachten.

Gleich zu Beginn wurden schwere Geschütze aufgefahren: Henk Kolk, Chief Architect bei ING, erläuterte in der Eröffnungs-Keynote, wie der Allfinanz-Dienstleister die IT mit dem Herzstück seiner Geschäftstätigkeiten verschmolzen hat und wie er sowohl Geschäftsmodell als auch Plattform via Continuous Delivery-Pipeline neu definierte.

Im Rahmen seiner Ausführungen zu den neuen Entwicklungen in der Finanz-IT-Industrie unterstrich Kolk den Umstand, dass Finanzdienstleister bislang dachten, „irgendwie sicher“ zu sein. Doch tatsächlich sind zur Zeit tausende von Startups dabei, die Existenzgrundlagen der Finanzdienstleistungsbranche anzugreifen. Wie man diesen Herausforderungen begegnet, wurde ING im Jahr 2009 klar:

There is no alternative than to make sure we ‘out-innovate’ the disruptors… IT is the bank and the bank is IT.

Für Kolk und das neu eingesetzte IT-Management-Team bedeutete dies, das man zugleich zukunftssicher werden und schnell und agil bleiben musste. Auch das „Glaubenssystem“ des Unternehmens spielt eine gewichtige Rolle. Wenn die IT nicht die treibende Kraft, sondern nur den Ermöglicher darstellt, oder wenn sie bloß einen Kostenfaktor darstellt, ohne einen Wert für die Kunden zu schaffen, dann – so die Message – müssen Unternehmen diese sie durchdringenden, veralteten Überzeugungen ablegen, um vorwärts zu kommen.

Die Betonung von In-House-Talenten machte einen weiteren Hauptpunkt von Kolks Ausführungen aus:

If we want the talent that drives our competitive advantage, then nothing beats in-house.

Durch das hegen und pflegen talentierter Mitarbeiter und durch die Übernahme der Prinzipien der Continuous Delivery konnte ING einen deutlichen Anstieg bei der Zuverlässigkeit der Softwareentwicklung verzeichnen.

Getting technical and fast

Nach dieser äußerst beliebten Eröffnungs-Keynote konnten sich die Teilnehmer auf Peter Lawrey und Maurice Naftalin freuen, die in ihren Talks über Determinismus in der Finanzbranche bzw. Java 8 Stream-Performance sprachen. Anschließend wurden die Speaker mit derart vielen Fragen bombardiert, dass sie es mit Mühe und Not schafften, vor dem nächsten Programmpunkt einen Kaffee zu ergattern.

Als nächster rauschte Markus Voelter vorbei, um über Language Workbenches und die von diesen geleistete Unterstützung im Rahmen des Advanced Functioning zu sprechen. Der altgediente Softwarearchitekt kam schnell zur Sache und unterstrich:

if you just come up with a language without an IDE, nobody will care.

Voelter zufolge werden durch Language Workbenches nicht nur Sprachen leichter gemacht, sondern sie verwischen auch die Grenzen zwischen Programmierung und Modellierung. Zudem sang er ein Loblied auf Projectional Editing, wobei er sowohl die Möglichkeit der Nutzung verschiedenster Arten von Notationen, als auch die syntaktische Fähigkeit, beliebige Kombinationen anzustellen, hervor hob.

Zeitgleich referierte Dr. Jim Webber über Graphen in der Finanzbranche. Dabei griff er auf Live-Beispiele von Anwendungsfällen mit Neo4js „Cypher Query Language“ zurück, die zeigten, wie schnell Graph-Abfragen realisiert werden können und wie performant diese sind.

„Java bläht unsere Daten auf“

Die zweite Keynote des Tage wurde von John Davies, CTO von C24, abgeliefert. Aufgrund seiner Weitschweifigkeit und seines auf die Abstrahierung von Hardware abzielenden Designs, so Davies, sei das „klassische“ Java darauf ausgerichtet, dass man sich um die Implementierung keine Gedanken machen sollte; man sollte sich nicht darum kümmern, was „unter der Haube“ vor sich geht.

Dies führte in der Finanz-IT zu folgendem Problem:

In financial services, banks have been persuaded to use Big Data without actually thinking about it. Overdoing it without really thinking about the problem.

Nach mehreren interessanten Demos kam Davies auf sein Hauptanliegen zu sprechen: Nutzt man statt Java-Objekten Binary Java, kann man die Daten schrumpfen und gewöhnliches Java nutzen, um sie zu verarbeiten. Dabei verfügt man nach wie vor über volle Abfragefähigkeit und kann zudem Indizes aufsetzen.

“Plain old Java” war ein Begriff, den man im Talk von Sam Adams, in dem er die LMAX-Austauscharchitektur skizzierte, häufiger zu hören bekam. Adams konnte demonstrieren, wie LMAX unter Verwendung des guten, alten, einfachen Java ein System schaffen konnte, dass nicht nur einen hohen Durchsatz, sondern auch eine niedrige Latenz, sowie Skalierbarkeit, Resilienz und Zuverlässigkeit aufweist. Und das in einem Geschäftsbereich, in dem (verlässliche) Geschwindigkeit essentiell ist:

Speed and reliable speed is absolutely critical to the business.

In der parallel stattfindenden Session von Peter Roßbach war die Container-Orchestrierung mit Docker das Thema der Stunde. Roßbach versuchte seine Zuhörer von den praktischen Vorteilen von Dockers neuesten Projekten – namentlich „machine“, „swarm“, „network“ und „compose“ – zu überzeugen, wobei auch Vergleiche mit CoreOS und Kubernetes nicht zu kurz kamen.

Der Kopf schwirrt, Zeit für den nächsten Kaffee!

Abschließende Sessions und Ideen

Nach der Pause behandelte Ben Stopford verschiedene Elemente der Skalierung, wodurch die Teilnehmer ein Gespür für die Anwendbarkeit unterschiedlicher Technologien und deren mögliche Zusammenführung gewinnen konnten. Alexander von Zitzewitz warf das Schlaglicht auf agile Teams und betrachtete dabei die technischen und sozialen Ursachen für den Mangel an verbesserter technischer Qualität und der mangelnden Einbeziehung von Software-„Handwerkskunst“.

Begleitet von gutem Bier boten sich zum Abschluss des ersten Tages der JAX Finance zahlreiche Möglichkeiten, Neworking zu betreiben. Die letzten beiden Sessions brachten zum einen erneut Peter Lawrey, der nun über niedrige Latenz sprach, zum anderen Dr. Jamie Allsop, dessen Talk algorithmische Architektur und die sich entwickelnde regulatorische Architektur behandelte, auf die Bühne.

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Geschrieben von
Natali Vlatko

An Australian who now calls Berlin home, via a two year love affair with Singapore. Natali is an Editorial Assistant for JAXenter.com (S&S Media Group) and will forever be into RPGs, animated gifs and Bitcoin.

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