Kolumne

JavaOne – it’s all about Community

Niko Köbler

© Shutterstock.com/suradach

Vor ein paar Wochen ist die diesjährige und insgesamt 19. JavaOne-Konferenz zu Ende gegangen. Nach einigen Verzögerungen auf dem Rückflug ist JAXenter-Autor Niko Köbler wieder wohlbehalten in Deutschland angekommen. Zeit, die Konferenz noch einmal Revue passieren zu lassen.

Der Auftakt: Ernüchternd

Den Auftakt bildete natürlich die Keynote, die dieses Jahr im Zeichen von „20 Jahren Java“ stehen sollte. Nur, wo waren die großen Erinnerungen an die letzten 20 Jahre? Ein paar lapidare Kommentare hier und da und ein Einspielfilm von Scott McNealy, dem ehemaligen CEO und Mitbegründer von Sun, der mit seinen persönlichen Top-12 der „Java Developer Nightmares“ ein paar Seitenhiebe auf Oracle austeilte („You love open source software and sharing, but you work at Oracle.“). Das war’s auch schon. Mehr nicht? Mehr nicht.

Ansonsten nur langweiliges „bla-bla“ von einigen Industrievertretern und Oracle Senior-Product-Managern, Vice-Presidents und was die Titelbörse bei Oracle noch so zu bieten hat. Sicherlich waren Mark Reinhold und Brian Goetz mit Themen über Modularisierung in Java 9 (Project Jigsaw) und die Zeit danach (Project Valhalla und Project Panama) die interessantesten (und bekanntesten) Redner, aber wirkliche Neuigkeiten haben sie nicht verkündet. Stattdessen hat man altbekanntes neu aufgewärmt und präsentiert – Demos gab es gar keine. Schade.

Ach ja, da war doch noch eine, aus der Sicht von Oracle herausragende Neuigkeit: Der WebLogic Application Server 12.2.1 ist jetzt offiziell für Java EE 7 zertifiziert. Ganze 2 1/4 Jahre nach der Veröffentlichung des Standards. Und das vom Java-Maintainer selbst. Irgendwie eine peinliche Sache. Da nützt es auch nichts, wenn mir Oracle-Vertreter erklären wollen, warum das so ist (die aufwändige Abstimmung zwischen den vielen beteiligten Projekten/Produkten) und dass die Industrie ja noch gar nicht auf aktuelle Standards wechseln will. Klingt für mich nicht wirklich plausibel und ist in meinen Augen nicht auf Technologie-Innovation ausgerichtet.

Dass die Themen über die entlassenen Java-Evangelisten und andere Gerüchte über den Status von Java bei Oracle totgeschwiegen wurden, war von vornherein klar. Oracle äußert sich zu solchen Dingen erfahrungsgemäß nie. Ein anonymer Twitterer hatte aber während des Tonausfalls eines Java-ME-Einspielfilmes so eine Vermutung:

Einigermaßen ernüchternd und wirklich sehr enttäuscht ging ich nach der Keynote in die nächsten Konferenztage. Oracle hat es mit der Eröffnung der weltgrößten Java-Konferenz leider richtig verbockt, eine gute Stimmung zu verbreiten. So geht man nicht mit seiner Community um!

Community rocks!

Die Community ließ sich allerdings nicht davon abhalten, eine richtig gute Konferenz auf die Beine zu stellen, in der viele interessante Vorträge, Tutorials, Hands-on und Birds-of-a-Feather-Sessions gehalten wurden. Im Emerging Languages Track konnte ich das schon im Vorfeld mit beeinflussen, da ich unter den Track-Leads Marcus Lagergren (Ex-Oracle, jetzt Klarna) und Simon Maple (ZeroTurnaround) mit ein Teil der Programm Review Boards war. Es war nicht einfach, die vielen guten Einreichungen zu bewerten und die besten auszuwählen, letztendlich haben wir aber ein richtig gutes Programm auf die Beine gestellt.

Da ich mich in den letzten zwei Jahren sehr intensiv mit Nashorn beschäftigte, wollte ich wissen, was andere Speaker so über die JavaScript Engine der JVM erzählen. In diesen Talks habe ich zwar nichts Neues erfahren, aber feststellen können, dass ich mit Nashorn nicht auf dem Holzweg bin und man wirklich interessante Dinge damit anstellen kann, speziell Adam Bien hat mit seinem Nashorn-Vortrag gleich mehrere Einsatzgebiete vorgestellt.

Da ich mich derzeit auch mit Isomorphen JavaScript Anwendungen (gleicher Code auf Client- und Serverseite) beschäftige, hat mich der Vortrag von Maxime Najim (Walmart Labs) zu diesem Thema besonders interessiert. Nach seinem Talk habe ich mich noch etwas mit ihm unterhalten und wir haben gemeinsame Lösungsansätze erörtert. Mehr zu Isomorphen Anwendungen gibt’s in einem meiner nächsten Artikel.

Rafael Winterhalter (Bouvet) hat mich mit seinem Vortrag „Making Java more Dynamic“ über Code-Generierung zur Laufzeit sehr begeistert. Wer Bytecode-Manipulation verstehen und selbst anwenden möchte, findet bei ihm und seinem Projekt Byte Buddy die richtigen Ansätze. Dass er dieses Jahr für Byte Buddy zudem auch mit einem Duke’s Choice Award ausgezeichnet wurde, ist mehr als verdient.

Zum neuen MVC 1.0 Standard JSR-371 für Java EE 8 gab es bereits ein paar wenige Sessions. Dieses Projekt ist schon recht weit gediehen und kann schon eine erste lauffähige Referenz-Implementierung (Ozark) vorweisen. Der Vorteil von MVC ist einfach, dass es viele vorhandene Standards verwenden kann und nicht jedes Detail neu erfinden muss bzw. will. Für mich mittlerweile eines der spannendsten und interessantesten Features von Java EE 8.

Was ich allerdings nicht verstanden habe, sind die vielen „Microservices mit Java EE“-Talks. Sicherlich, Microservices sind ein Hype-Thema und man kann und muss es vielleicht auch zu vielen Vorträgen verarbeiten. Aber mal Butter bei die Fische: Microservices haben IMHO nichts mit Technologie zu tun, sondern sind größtenteils ein Deployment-Thema. Und ein einfaches, verteiltes Deployment und der Java-EE-Standard schließen sich momentan m. E. (noch) aus. Es sei denn, man nimmt einzelne Technolgien/Spezifikationen aus dem Standard raus und verwendet nur diese (z.B. Jersey als JAX-RS Implementierung), ohne den ganzen Java-EE-Overhead. Dann ist es aber auch nicht mehr wirklich Java EE.

Insgesamt ist es leider (immer noch) so, dass Vorträge von Oracle-Mitarbeitern sehr Folien-lastig sind, Demos sind hier eher die Ausnahme. Das kann man sicherlich so machen, ist bei Technologie-orientierten Talks aber eher fehl am Platz. Ein lauffähiges Code-Beispiel sagt häufig mehr als viele Folien.

Die diesjährige JavaOne war für mich hinsichtlich des Networkings und der Community sicherlich sehr interessant. Wirkliche Neuigkeiten habe ich nicht mehr erfahren (was aber auch nicht schlimm ist), hierfür muss man heutzutage nicht mehr nach San Francisco reisen. Ob eine von Oracle ausgerichtete Java-Konferenz noch wichtig ist, lass ich mal so stehen. Für die guten Partys nach der Konferenz hat sich der Trip aber allemal gelohnt! 😉

Aufmacherbild: Close up of microphone in concert hall or conference room von Shutterstock / Urheberrecht: suradach

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Niko Köbler
Niko Köbler
Niko Köbler ist freiberuflicher Software-Architekt, Developer & Trainer für Java & JavaScript-(Enterprise-)Lösungen, Integrationen und Webdevelopment. Er ist Co-Lead der JUG Darmstadt, schreibt Artikel für Fachmagazine und ist regelmäßig als Sprecher auf internationalen Fachkonferenzen anzutreffen. Niko twittert @dasniko.
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