Barrierefrei bedienen

JavaFX-Texteditor für blinde und sehbehinderte Menschen

Markus Lemcke

© Rawpixel.com/Shutterstock.com

Damit blinde und sehbehinderte Menschen Software bedienen können, muss sie bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Der hier vorgestellte barrierefreie JavaFX-Texteditor zeigt im Rahmen unserer unregelmäßig erscheinenden Toolvorstellungsreihe, wie mit Java und JavaFX eine Software entwickelt werden kann, dass sie für blinde und sehbehinderte Menschen bedienbar ist.

Marlem-Softwares barrierefreier JavaFX-Texteditor hat fast den gleichen Funktionsumfang wie der Windows-Texteditor Notepad. Auf Dialogfenster wie zum Beispiel Ersetzen oder Schriftart verzichtet der barrierefreie Texteditor, ansonsten ist er dem Windows-Tool sehr ähnlich. Das trägt dazu bei, dass Nutzer, die bisher letzteres nutzten, eher bereit sind, umzusteigen, da sie sich an keine neue Programmoberfläche gewöhnen müssen. Alle Programmfunktionen sind über das Hauptmenü oder die Programmoberfläche erreichbar. Da blinde und viele sehbehinderte Menschen keine Computermaus bedienen können, sind sämtliche Programmfunktionen per Tastatur ausführbar. Die aufklappbaren Listen für Schriftart und Schriftgröße sind mit den Cursortasten Aufwärts und Abwärts einstellbar. Fast alle Programmfunktionen können per Shortcut ausgeführt werden, was für blinde und sehbehinderte Menschen eminent wichtig ist. Das Suchen und Ersetzen von Text kann in der Programmoberfläche ebenfalls ohne Verwendung der Maus durchgeführt werden. Zudem verfügt die Software über eine Hilfe im HTML-Format, die den Editor ausführlich erläutert und Hinweise und Code für Java-Entwickler enthält.

Barrierefreiheit ist aktivierbar

Nach dem Start des Texteditors ist dieser zunächst nicht barrierefrei und somit genau wie der Windows-Texteditor für Menschen ohne Behinderung nutzbar. Damit der Editor für blinde und sehbehinderte Menschen nutzbar ist, muss bei der Checkbox „Editor barrierefrei“ ein Haken gesetzt werden. Nun ändern sich zwei Dinge. Der Texteditor ist Screenreader-tauglich und für Menschen mit Sehbehinderung bedienbar. Ein Screenreader ist eine Software, die den kompletten Bildschirminhalt vorliest. Damit der Screenreader die mit JavaFX erstellte Programmoberfläche vorlesen kann, enthält sie Texte, die sie beschreiben. Damit der Screenreader die Programmoberfläche vorliest, muss der Texteditor per Tastatur bedient werden. Wird er hingegen per Maus bedient, schweigt der Screenreader, da er in diesem Fall die Benutzung durch einen blinden oder sehbehinderten User ausschließt. Durch mehrmaliges Drücken der Tabulatortaste oder durch das Ausführen von Shortcuts kann der Texteditor per Tastatur bedient werden. Als Screenreader zum Testen ist der Open-Source-Screenreader NVDA (NonVisual Desktop Access) geeignet.

Menschen mit einer Sehbehinderung haben bei der Bedienung von Software häufig Probleme, zu erkennen, welches Bedienelement gerade aktiv ist. Bei Eingabefeldern ist das besonders schwierig, da der Textcursor als senkrechter Strich dargestellt wird. Aus diesem Grund erhält das aktive Bedienelement im barrierefreien Texteditor die Hintergrundfarbe Gelb, wohingegen Bereiche, in denen Textdateien dargestellt werden, einen blauen Rahmen erhalten. Auf diese Weise können Menschen mit Sehbehinderung erkennen, welches Bedienelement aktiv ist.

Übernahme von Einstellungen in Windows

Menschen mit einer Sehbehinderung benötigen zum Bedienen einer Software große Schriften, damit sie gut lesen können, was auf dem Bildschirm zu sehen ist. In Windows kann in der Einstellung „Benutzerdefinierte Skalierung“ die Systemschriftgröße in Prozent angegeben werden. Diese Einstellung übernimmt der Texteditor, sodass auch Menschen mit einer Sehbehinderung mit dieser Software arbeiten können.

Neben den oben genannten gibt es auch Menschen mit einer Farbfehlsichtigkeit, die Farben nicht richtig zuordnen können und nicht wissen, welche Farben zusammenpassen. In Windows lässt sich die Einstellung hoher Kontrast aktivieren. Diese wird vom JFX-Texteditor übernommen. So wird verhindert, dass das aktive Bedienelement die Hintergrundfarbe Gelb hat, da diese in Verbindung mit weißer Schrift zu einem zu geringen Farbkontrast führt. Deshalb ist hier Braun die Hintergrundfarbe des aktiven Bedienelements.

Systemvoraussetzung

Der JFX-Texteditor läuft ab Windows 8. Außerdem sollte das Java Runtime Environment 10.0.1 installiert sein, da Barrierefreiheit in JavaFX erst nachträglich implementiert wurde.

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Markus Lemcke
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