Interview mit Johan Vos zum JavaFX Release

JavaFX 15 erschienen: „Man sollte die Cross-Plattform-Kapazitäten von JavaFX nicht unterschätzen“

Dominik Mohilo

© Shutterstock / Alones

Jetzt, wo JavaFX 15 das Licht der Welt erblickt hat, wird es Zeit, einen Blick auf die neuesten Features zu werfen. Wir haben daher mit Java Champion und Gluon-Mitgründer Johan Vos gesprochen, um alles über das aktuelle JavaFX Release zu erfahren. Er spricht im Interview zudem über die Pläne für JavaFX 16 und darüber, warum JavaFX sehr wohl konkurrenzfähig ist.

JAXenter: JavaFX 15 ist gerade erschienen. Kannst du uns ein wenig zu dem Release erzählen?

Johan Vos: Wie immer lag der Fokus primär auf der Stabilität. Wir haben zudem sichergestellt, dass die JavaFX APIs und deren Implementierungen auf Stand mit der Hardware- und Software-Evolution sind. Wenn neue Hardware oder neue Treiber verfügbar sind, dann stellen wir so sicher, dass man sie mit JavaFX auch angemessen nutzen kann. Ein kleines Beispiel: In JavaFX 15 ist die 3D-Unterstützung für neuere Treiber von Intel sowie die Unterstützung für e-Paper-Displays auf i.MX6-Geräten hinzugefügt worden. Auch für statische Bilder wurde der Support auf unterschiedlichen Plattformen verbessert. So kann man die Vorteile der JavaFX-Plattform in Anwendungen genießen, die in native Images kompiliert werden. Für JavaFX 15 wurden insgesamt 90 Bugfixes eingepflegt, 9 Verbesserungen implementiert und 3 Sicherheitslücken geschlossen.

JAXenter: Welches Feature hat es dir besonders angetan?

Die Unterstützung für statische Bilder in JavaFX ist ziemlich aufregend.

Johan Vos: Die Unterstützung für statische Bilder ist ziemlich aufregend. Da das Interesse, Java-Anwendungen in nativen Code zu kompilieren, immer weiter wächst (vielen Dank, GraalVM native-image), ist dies eine wirklich großartige Gelegenheit für JavaFX zu brillieren. JavaFX-Anwendungen, die in nativ ausführbare Anwendungen (Executables) kompiliert werden, haben hervorragende Startzeiten und eine exzellente Peak Performance. Außerdem muss der Nutzer weder das JavaFX SDK noch das Java SDK installieren!

JAXenter: Java – wie auch JavaFX – wird nun auf Git bzw. GitHub gehostet. Wie groß sind die Auswirkungen dieser neuen Entwicklung?

Johan Vos: Wenn ich auf unsere Erfahrungen mit JavaFX zurückblicke, dann kann ich sagen, dass die Entwicklung von Java sich wenig verändern wird. Die größten Herausforderungen bei Projekten wie der Programmiersprache Java oder JavaFX liegen eben nicht in der Infrastruktur begründet, auf der das Repository gehostet wird. Komplizierter sind da zum Beispiel die Reviews der Commits und sicherzustellen, dass die Regressionstests Probleme erkennen. Das soll allerdings nicht heißen, dass der Umzug keine Auswirkungen auf die Wahrnehmung der Nutzer haben wird. Der Code des OpenJDKs war, wie auch der von OpenJFX, bereits zuvor öffentlich verfügbar. Aber durch GitHub wird er sehr viel zugänglicher, da viele Entwickler sich damit eben gut auskennen.

JAXenter: JavaFX 16 wird nächstes Jahr veröffentlicht. Gibt es dazu schon ein paar Dinge zu berichten?

Johan Vos: Auch hier ändert sich die Hauptaufgabe nicht – wir wollen neue Technologien (Hardware und Software) unterstützen und den Fokus auf Stabilität und Rückwärtskompatibilität legen. Wir wollen Unternehmen, die bereits in JavaFX investiert haben oder es sich zumindest überlegen, die Sicherheit bieten, dass ihr Code auch zukünftig mit neuen Versionen sicher und performant funktioniert.

JAXenter: Viele denken, dass JavaFX eine „alte Suppe“ ist und nicht wirklich konkurrenzfähig zu vermeintlich moderneren JavaScript-Lösungen. Stimmt das?

Durch die Langzeitunterstützung wird JavaFX zu einer sehr realen und businessfreundlichen Technologie.

Johan Vos: Dieser Eindruck entstant, als Oracle die Langzeitunterstützung für JavaFX eingestellt hat. Was die Leute damit leider gerne verbinden ist die Annahme, dass Oracle dadurch auch den Glauben an die Technologie verloren hätte – dabei ist das Gegenteil der Fall. Wir bei Gluon haben in Bezug auf JavaFX eine sehr gute Arbeitsgemeinschaft mit Oracle und haben die Verantwortung, Langzeitunterstützung für JavaFX bereitzustellen, übernommen. Wie gesagt liegt der Fokus bei JavaFX auf Stabilität, Sicherheit und Rückwärtskompatibilität. Das ist ein wirklicher Vorteil für Unternehmen, die in ein Client-Produkt investieren wollen, ohne befürchten zu müssen, dass es in wenigen Jahren nicht mehr funktioniert. In Kombination mit der von Gluon bereitgestellten Langzeitunterstützung wird JavaFX zu einer sehr realen und businessfreundlichen Technologie.

Der tatsächliche Wert vieler Client-Projekte liegt nicht in kurzfristigen Dingen, die zu einem bestimmten Zeitpunkt laufen, sondern darin, eine vertrauensvolle Beziehung zu Nutzern aufzubauen, für die Datenschutz, Stabilität und langfristige Nutzbarkeit wichtig sind. Ich glaube fest daran, dass JavaFX in dieser Hinsicht sehr viel besser positioniert ist als JavaScript-Technologien, die nicht kommerziell unterstützt werden und quasi jederzeit verändert oder aufgegeben werden könnten. Eine Unterstützung für 5 Jahre wird von Gluons JavaFX LTS hingegen garantiert, ein echtes Alleinstellungsmerkmal.

JAXenter: Warum ist JavaFX noch immer eine relevante Technologie?

Johan Vos: Wir glauben, dass die GraalVM der JavaFX-Technologie einen echten Anschub geben wird. Wir haben mit Substrate ein Tool geschaffen, das auf GraalVM Native Image aufsetzt. Dieses erlaubt es Nutzern, Java-Code in native Anwendungen umzuwandeln, die auf dem Desktop, iOS, ANdroid und embedded laufen. So müssen Java-Entwickler keine gehypten Frameworks wie React Native oder Flutter mehr lernen. Sie können so auf eine Arbeitsumgebung zugreifen, die aus purem Java besteht – vom Backend zum Frontend. So können robustere und stabilere Anwendungen erstellt werden.

Man sollte die Cross-Plattform-Kapazitäten von JavaFX nicht unterschätzen!

Nichtsdestotrotz können wir eine Menge aus der Welt der mobilen Anwendungsentwicklung lernen. Eines dieser Dinge, die die mobile App-Welt möglich macht, sind eigenständige Anwendungen – Mobile-Nutzer müssen keine SDKs oder Bibliotheken herunterladen. Sie suchen sich einfach ihre Apps aus und diese enthalten dann alles, was sie zum Laufen benötigen. Genau das stellen wir mit Gluon Substrate zur Verfügung, nur halt nicht nur mobil, sondern auch auf dem Desktop. Dass wir diesen eigentlich mobilen Ansatz für den Desktop verwenden, macht es für Java-Client-Entwickler einfacher, ihre Anwendungen für Desktop-Systeme bereitzustellen, ohne dass der Nutzer andere Bibliotheken installieren muss.

JAXenter: Was ist das „Killer Feature“ von JavaFX?

Johan Vos: Man sollte die Cross-Plattform-Kapazitäten von JavaFX nicht unterschätzen! Der gleiche Code läuft auf Windows Desktops, iPhones oder eingebetteten Linux-Systemen. Dadurch wird die Entwicklung kostengünstiger und simpler. Entwickler können zudem bereits bestehende und vertraute IDEs verwenden, um Anwendungen für verschiedenste Plattformen zu erstellen. Und natürlich gilt generell, dass alle „Killer Features“ von Java auch auf JavaFX zutreffen, denn JavaFX ist ja Java – inklusive der Sicherheit und Stabilität.

JAXenter: Vielen Dank für das Interview, Johan!

Johan Vos started to work with Java in 1995. He was part of the Blackdown team, porting Java to Linux. His main focus is on end-to-end Java, combining back-end systems and mobile/embedded devices. He received a Duke Choice award in 2014 for his work on JavaFX on mobile. In 2015, he co-founded Gluon, which allows enterprises to create (mobile) Java Client applications leveraging their existing backend infrastructure. Gluon received a Duke Choice award in 2015. Johan is a Java Champion, a member of the BeJUG steering group, the Devoxx steering group and he is a JCP member. He is one of the lead authors of the Pro JavaFX books, the author of Quantum Computing for Java Developers, and he has been a speaker at numerous conferences on Java. He contributes to a number of projects, including OpenJFX, OpenJDK, GraalVM. He is also the project lead for OpenJDK Mobile and the co-lead for OpenJFX.

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Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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Die Übersetzung von „static image“ in „statische Bilder“ ist aber schon sehr … unglücklich. Und dann ausgerechnet „Die Unterstützung für statische Bilder in JavaFX ist ziemlich aufregend“ extra hervorheben, kann den Artikel nicht noch mal jemand mit ein bisschen Ahnung gegenlesen?