Interview mit Nicolai Parlog zum Java-Geburtstag

Java feiert 25. Geburtstag: „Mein größter Albtraum? JAR Hell…“

Dominik Mohilo

Nicolai Parlog

Java wird 25 Jahre alt – definitiv ein Grund für uns hier auf JAXenter zu feiern. Ein Vierteljahrhundert voller Geschichten, Features, Releases und Kontroversen. Wir haben im Zuge dieses Jubiläums mit einer Reihe von Java Champions und Experten aus der Community über ihre Highlights und Lieblings-Features aus 25 Jahren Java sowie ihre Wünsche für die nächsten 25 Jahre gesprochen. Dieses Mal im Interview: Nicolai Parlog, Java-Entwickler, Autor, Blogger und Speaker.

JAXenter: Was war dein ganz persönliches Java-Highlight der letzten 25 Jahre?

Nicolai Parlog: Das Release von Java 8. Gar nicht so sehr wegen der Sprach-Features und APIs (wobei die zu meinen Lieblingen gehören), sondern weil es das erste Java Release meiner Karriere war, das ich aktiv wahrgenommen habe. In den fast 15 Jahren von Oberstufe über Uni zu ersten Berufserfahrungen war mein Kontakt zu Java so lose, dass ich die Weiterentwicklungen gar nicht bemerkt habe – die etwas blutleeren Releases 6 und 7 haben dazu sicherlich beigetragen.

Java 8 war dann das erste Release, das mir etwas neues gezeigt hat, und ich kann mich noch sehr gut daran erinnern, wie ich ein paar Monate vor dem Release, im Dezember 2013, im Familienurlaub meine ersten Lambda-Ausdrücke geschrieben habe. Seitdem lässt mich Javas Weiterentwicklung nicht mehr los und ich freue mich über jedes neue Feature.

JAXenter: Was ist dein Lieblings-Feature im JDK?

Nicolai Parlog: Das kann ich nur sehr schwer beantworten. Manche Features, gerade ältere, mögen nicht besonders spannend erscheinen, aber ohne sie könnte ich mir nicht vorstellen, in Java zu entwickeln – Generics zum Beispiel. Ganz allgemein hat Javas statisches Typsystem mein Denken enorm geformt – bis zu dem Punkt, dass mir z.B. blankes JavaScript mangels Typen sehr schwer fällt.

Andere Aspekte, die ich an Java großartig finde, sind das Commitment zu freier Software, der relativ offene Entwicklungsprozess und der Fokus auf Kompatibilität. Konkret gefällt mir von den jüngsten Änderungen das Modulsystem sehr gut (ich denke die Möglichkeit, Pakete nicht zu exportieren, wird uns bald ähnlich unerlässlich erscheinen, wie Methoden oder Felder privat zu machen) sowie Records.

Happy 25th Birthday, Java! Unsere Artikel- und Interviewreihe zum Jubiläum

Java wird 25, ein Vierteljahrhundert Java. Das ist definitiv ein Grund zu feiern! Aus diesem Grund haben wir mit einer Reihe von Java-Expertinnen und -Experten gesprochen, Interviews geführt und natürlich Glückwünsche zum Jubiläum gesammelt. In unserer Interviewreihe plaudern unsere Java-Champions über ihre Lieblingsfeatures und erzählen Geschichten über die Programmiersprache, die sie geprägt haben. Zudem blicken einige Java-Profis in Artikeln zum Thema auf ihre gemeinsame Zeit mit Java zurück.

Feiern Sie mit uns den 25. Geburtstag von Java!

Java feiert 25 Jahre – Unsere Interview-Reihe zum Geburtstag

 

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JAXenter: Welches Feature vermisst du, bzw. was glaubst du, welches Feature das JDK wirklich braucht?

Nicolai Parlog: Dass viele Entwickler glauben, ein Feature, welches sie vermissen, sei auch eines, das das JDK braucht, ist ein wiederkehrendes Problem in Unterhaltungen über die Weiterentwicklung der Sprache. Die meisten von uns, und da schließe ich mich definitiv ein, haben keinen repräsentativen Blick auf das Ökosystem als Ganzes. Bei vielen Millionen Nutzern einer Sprache, die von SmartCards und Embedded Devices über Autos und Handys bis hin zu Microservices, App-Servern und Supercomputern sehr viele Anwendungsmöglichkeiten hat, ist das auch nicht weiter überraschend. Ich konzentriere mich also auf die erste Teilfrage.

Mich stört, dass standardmäßig alles mögliche „nullable“ und „mutable“ ist.

Es gibt Aspekte, die mich an Java stören, insbesondere dass standardmäßig alles mögliche nullable und mutable ist. Es ist aber nicht so, als wenn sich das einfach ändern ließe (ich habe das z.B. mal an immutable Collections durchexerziert). Also werde ich mich wohl damit arrangieren müssen. Darüber hinaus bin ich mit dem, was da gerade in der Pipeline ist (also z.B. Value Types und Fibers), sehr zufrieden und habe keine konkreten Wünsche.

JAXenter: Hast du eine lustige oder interessante Java-Geschichte, die du gerne mit der Community teilen willst?

Nicolai Parlog: Da fällt mir tatsächlich spontan nichts ein. Java ist anscheinend etwas langweilig, aber das ist gar nicht so schlimm. Spannung, Mystery und Action genieße ich lieber beim Lesen, Gucken oder Spielen als beim Programmieren. 😉

JAXenter: Was ist dein größter Java-Albtraum

Nicolai Parlog: JAR Hell.

JAXenter: Bitte vervollständige den folgenden Satz: Für die nächsten 25 Jahre Java wünsche ich mir…

Nicolai Parlog: …, dass der Klimawandel sie mir nicht vergrätzt.

Nicolai Parlog ist, wie er selbst sagt, ein „dreißigjähriger Junge“, der seine Leidenschaft Softwareentwicklung (meist Java) zum Beruf gemacht hat.
 
 
 
Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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