Interview mit Vadym Kazulkin zum Java-Geburtstag

Java feiert 25. Geburtstag: „Die Trennung zwischen OpenJDK und GraalVM ist nicht sinnvoll“

Dominik Mohilo

Vadym Kazulkin

Java wird 25 Jahre alt – definitiv ein Grund für uns hier auf JAXenter zu feiern. Ein Vierteljahrhundert voller Geschichten, Features, Releases und Kontroversen. Wir haben im Zuge dieses Jubiläums mit einer Reihe von Java Champions und Experten aus der Community über ihre Highlights und Lieblings-Features aus 25 Jahren Java sowie ihre Wünsche für die nächsten 25 Jahre gesprochen. Dieses Mal im Interview: Vadym Kazulkin, Head of Technology Strategy bei der ip.labs GmbH.

JAXenter: Was war dein ganz persönliches Java-Highlight der letzten 25 Jahre?

Vadym Kazulkin: Nachdem ich mich Anfang der 2000er Jahre mit den ersten EJB-Standards beschäftigt hatte und mir ein Buch von Rod Johnson „J2EE Development without EJB“ in die Hände fiel (damals hieß das Spring Framework noch Interface21), hatte ich plötzlich gespürt, dass ich endlich verstehen und überblicken kann, was ich da eigentlich zusammenprogrammiere. Dieses Buch (und das Spring Framework selbst) war endlich mal ein frischer Wind und schon ein wenig bahnbrechend. Außerdem waren andere Bücher, etwa „Effective Java“ von Joshua Bloch oder „Java Puzzlers“ mit Neal Gafter als Co-Autor, echte Highlights. Aus diesen Büchern konnte ich sehr viel lernen. Zuletzt war technisch gesehen allerdings die GraalVM mein Highlight. Meine ganz persönlichen Highlights waren die Vorträge mit meinen Kollegen der ip.labs GmbH auf der JAX und der JavaLand. Echt tolle Events!

JAXenter: Was ist dein Lieblings-Feature im JDK?

Vadym Kazulkin: Lambdas und Streams waren sehr schwere Geburten (ich erinnere mich noch an das ersten Proposal, die Problematiken mit inneren Klassen zu lösen). Aber sie ermöglichen uns, einen aussagekräftigeren Code zu schreiben. Das neue Date/Time API ist ebenfalls gelungen und es macht Spaß, damit zu entwickeln. Außerdem gefallen mir Invoke Dynamic, das Java Compiler Interface und andere Bausteine, mit denen man als Entwickler eher selten direkt in Berührung kommt, die aber andere globale Innovationen (etwa die GraalVM) bereits ermöglicht haben.

Happy 25th Birthday, Java! Unsere Artikel- und Interviewreihe zum Jubiläum

Java wird 25, ein Vierteljahrhundert Java. Das ist definitiv ein Grund zu feiern! Aus diesem Grund haben wir mit einer Reihe von Java-Expertinnen und -Experten gesprochen, Interviews geführt und natürlich Glückwünsche zum Jubiläum gesammelt. In unserer Interviewreihe plaudern unsere Java-Champions über ihre Lieblingsfeatures und erzählen Geschichten über die Programmiersprache, die sie geprägt haben. Zudem blicken einige Java-Profis in Artikeln zum Thema auf ihre gemeinsame Zeit mit Java zurück.

Feiern Sie mit uns den 25. Geburtstag von Java!

Java feiert 25 Jahre – Unsere Interview-Reihe zum Geburtstag

 

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JAXenter: Welches Feature vermisst du, bzw. was glaubst du, welches Feature das JDK wirklich braucht?

Vadym Kazulkin: In den Projekten Valhalla (Inline Types) und Loom (virtuelle Threads) werden nützliche Features entwickelt und ich wünsche mir deren baldigen Einzug ins JDK. Loom wird auch der neuen Generation skalierbarer APIs geben einen Schub geben, um mit den relationalen Datenbanken zu sprechen. Außerdem halte ich ganz persönlich die Trennung zwischen OpenJDK und GraalVM (mit AOT Compiler) für nicht sinnvoll und hoffe, dass sich diese Wege in Zukunft kreuzen werden, vielleicht durch das vor Kurzem angekündigte Projekt Leyden. Dieses wird auch die Nutzung von Java als Programmiersprache mit Serverless-Paradigma noch ein wenig zugänglicher machen – vor allem bei den drei großen Cloud-Anbietern.

JAXenter: Hast du eine lustige oder interessante Java-Geschichte, die du gerne mit der Community teilen willst?

Ich halte die Trennung zwischen OpenJDK und GraalVM (mit AOT Compiler) für nicht sinnvoll.

Vadym Kazulkin: Es war für mich bis jetzt eher etwas Persönliches. Als Joshua Bloch, den ich als Vater von Java bezeichne, etwa im Jahr 2004 von Sun zu Google wechselte, hatte ich kurz darauf seine neue geschäftliche E-Mail-Adresse erraten. Via Mail habe ich mich bei ihm für alles bedankt, was er bis jetzt für Java als Programmiersprache und die Community getan hatte und ihn darum gebeten, weiterzumachen. Er hat mir tatsächlich sofort geantwortet, was mich ziemlich beeindruckte. Ich habe diese E-Mail noch lange aufbewahrt wie eine Autogrammkarte des Lieblingsschauspielers oder -sängers. 🙂

Etwa zur gleichen Zeit war ich auf der Suche nach einem neuen Job und wollte unbedingt Java programmieren. In der letzten Runde des Bewerbungsverfahrens hat der Abteilungsleiter mir eine mehrtägige Aufgabe gestellt: Ich sollte eine J2EE-Web-Applikation, bestehend aus einem Haufen EJBs, von einem Applikationsserver auf einen anderen (BEA WebLogic) portieren. Mir kam das damals schon wie ein Wunder vor, dass sie überhaupt auf einem einzigen funktionieren könne, jedoch hatte ich diese Herausforderung angenommen. Nach einigen anfänglichen Schwierigkeiten hat es dann tatsächlich geklappt. Der Abteilungsleiter hat sich das Ergebnis und auch mich etwas ungläubig angeschaut. Ganz so, als hätte ich etwas Utopisches geschafft. Er hat dann sogar ein paar Mal „F5“ im Browser gedrückt, die Konsole beobachtet und mich schließlich gefragt, wann ich denn bei ihm in der Firma anfangen kann. 🙂

JAXenter: Was ist dein größter Java-Albtraum

Vadym Kazulkin: Die ersten Versionen von EJB und dem XML Parser (SAX, DOM). Das betraf damals so manche J2EE-Standards und -Spezifikationen, die man nicht ohne Konsultation eines obligatorischen „Core J2EE Patterns“-Buch (etwa von Deepak Alur) anwenden konnte, das aus nahezu dreistelliger Anzahl an „Best Practices“ bestand.

JAXenter: Bitte vervollständige den folgenden Satz: Für die nächsten 25 Jahre Java wünsche ich mir…

Vadym Kazulkin: …genauso viele Features mit hoher Qualität und dem starken Blick auf Rückwärtskompatibilität. Und natürlich, dass das Java-Ökosystem als Ganzes nach wie vor im Fokus steht. Generell sehe ich, dass die Popularität einiger JVM-Programmiersprachen wie Groovy, Scala oder Kotlin mal zu- und dann wieder abnimmt (ein wenig wie bei Modetrends). Die Popularität von Java selbst bleibt aber konstant hoch. Weiter so würde ich sagen. Happy Birthday, Java!

Vadym Kazulkin is Head of Technology Strategy at ip.labs GmbH, a 100% subsidiary of the FUJIFLM Group, based in Bonn. ip.labs is the world’s leading white label e-commerce software imaging company. Vadym has been involved with the Java ecosystem for over fifteen years. His focus and interests currently include the design and implementation of highly scalable and available applications, container and orchestration technologies and AWS Cloud. Vadym is the co-organizer of the Java User Group Bonn and Serverless Bonn Meetup, and a frequent speaker on various Meetups and conferences.
Geschrieben von
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo
Dominik Mohilo studierte Germanistik und Soziologie an der Goethe-Universität in Frankfurt. Seit 2015 ist er Redakteur bei S&S-Media.
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