Java wird von der Client-Seite verschwinden – über die Zukunft der Plattform in der Post-PC-Ära

Judith Lungstraß

Auf dem Markt der Post-PC-Ära kämpft Java erbittert um einen ähnlichen Erfolg wie auf dem traditionellen Desktop. Schon 2008 hatte man eine iPhone JVM vorgeschlagen, dann jedoch sehr schnell bemerkt, dass sich die Toleranz der App Store Reviewer für nicht in Objective-C geschriebene Apps stark in Grenzen hält. Derweil nutzt Google für Android Java-Syntax, ohne tatsächlich Java laufen zu lassen und auch in der neuen Kachel-Umgebung von Windows 8 gibt es keine Java Apps.

Diese trüben Aussichten versucht Oracle nun, mit dem neu veröffentlichten Oracle Application Development Framework (ADF) Mobile aufzuhellen, einer Erweiterung des Oracle Application Development Framework. Mit diesem HTML5- und Java-basierten Framework können Entwickler Enterprise-Anwendungen für mobile Umgebungen wie iOS und Android aus einer einzigen Code-Basis heraus entwickeln – eben „Write once, run everywhere“. Zur Unterstützung von Java hat man eine leichtgewichtige JVM integriert. Auch der Zugriff auf native Geräte-Funktionen wie GPS, die Kontaktliste oder die Kamera ist gegeben.

WORA in den App Stores? In Anbetracht der schwachen Stellung Javas auf dem mobilen Markt wirkt diese Idee fast zu schön, um wahr zu sein. Und tatsächlich sollten wir unsere Hoffnungen in ADF Mobile nicht allzu hoch stecken.

Da WebView Container nicht die Nitro JavaScript Engine nutzen dürfen, werden ADF-produzierte Apps unter iOS nämlich höchstwahrscheinlich eine noch schlechtere Performance vorweisen als normale Web Apps über Mobile Safari, über den Vergleich mit nativen Apps ganz zu schweigen. Dank der eingebauten JVM sind ADF Mobile Apps wohl leider einfach nur lahm. Entwickler unternehmensinterner Enterprise Apps mit langweiligen, statischen Listen und Dialogen können das vielleicht akzeptieren. Die Entwicklung von massengeeigneten Apps macht diese Tatsache jedoch schier unmöglich – allein ein einfaches Spiel wie Angry Birds würde ADF Mobile überfordern.

In Wahrheit möchten die Entwickler der Plattformen iOS und Android ganz einfach keine anderen Laufzeitumgebungen auf ihren Systemen haben. Ob es uns gefällt oder nicht: Wir leben in einer Ära der geschlossenen Plattformen. In dieser Ära bleibt Java zweite Wahl und kann wenn dann nur über hässliche Hacks wie die Einbettung einer JVM teilhaben.

Wenn nicht demnächst irgendetwas Bahnbrechendes geschieht, wird Java von der Client-Seite verschwinden und für immer auf den Server beschränkt bleiben. Vielleicht bringt ADF Mobile ja die lang erwartete Relevanz für Java in der Post-PC-Ära. Darauf setzen würden wir aber nicht.

Danke an Elliot Bentley!

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Judith Lungstraß
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