Cloud Computing Day auf der JAX 2013

Java-PaaS-Parade – Das große Schaulaufen der Cloud-Anbieter

Judith Lungstraß

Die Cloud möchte einfach nicht aufhören, Trendthema zu sein. Schließlich gilt sie auch heute noch als neu und revolutionär – doch im Entwickleralltag scheint sie noch immer nicht voll angekommen zu sein. Grund genug, auf der JAX 2013 die wichtigsten Player auf dem Platform-as-a-Service-Sektor komprimiert vorzustellen. In der zwei Sessions umfassenden „PaaS-Parade“ bekam jedes Angebot 20 Minuten Zeit, die Zuhörer von sich und seinen Vorteilen zu überzeugen – dieses große Schaulaufen möchten wir natürlich auch Ihnen nicht vorenthalten.

Eberhard Wolff (adesso) eröffnete die Parade mit seiner Vorstellung von Amazon Elastic Beanstalk. Das Angebot des Cloud-Pioniers basiert auf der Elastic Computer Cloud (EC2) sowie dem Simple Storage Service (S3) von Amazon. Neben dem Standard-Java-Programmiermodell werden auch Python, PHP, Ruby, Node.js und .NET unterstützt. Skaliert wird automatisch, bei Bedarf schaltet Beanstalk neue Server, genauso bei deren Herunterfahren. Die weltweite Verteilung der Server garantiert die versprochene Hochverfügbarkeit.

Heroku aus dem Hause Salesforce startete ursprünglich als Ruby-Plattform, unterstützt mittlerweile aber auch Java, Node.js, Clojure, Scala sowie Python und natürlich auch das Standard-Java-Programmiermodell. Anders als bei Elastic Beanstalk muss hier manuell skaliert werden, heruntergefahrene Server starten sich aber automatisch neu. Ein Nachteil des Angebotes ist die Tatsache, dass es zwar ebenfalls auf EC2 basiert, aber ausschließlich in der Region US East sitzen kann. Buildpacks, mit denen man verschiedene Umgebungen laufen lassen kann, erhöhen jedoch wiederum die Flexibilität.

Martin Lippert (SpringSource) stellte das hauseigene PaaS-Angebot von VMware vor. Cloud Foundry war 2011 gestartet mit der Vorstellung, eine offene Platform-as-a-Service zu sein, so steht sie unter einer Apache-2.0-Lizenz und liegt auf GitHub – demnächst soll es aber auch kommerzielle Angebote geben. Die Besonderheit von Cloud Foundry liegt darin, dass man sie entweder in den USA hosten oder herunterladen und auf einem eigenen Server als Private Cloud betreiben kann. Mit Web, Spring, Lift und Play für Java, Node.js und Rails, Sinatra sowie Rack für Ruby werden verschiedene Frameworks unterstützt. In Zukunft soll auch ein Buildpack-Konzept ähnlich wie bei Heroku verwirklicht werden. Die Skalierung erfolgt manuell.

Seit Mai 2011 ist RedHat OpenShift als Developer Preview verfügbar – anfangs eine reine Laufzeitumgebung, gibt es hier mittlerweile auch Dienste zum Erstellen, Bauen und Ausrollen von Cloud-Anwendungen. Wie Bernhard Löwenstein (javatraining.at) erklärte, war OpenShift die erste PaaS mit Unterstützung für Java EE 6 – heute ist auch Support für Java, Node.js, Perl, PHP, Python und Ruby dabei. Das Basissystem kann mittels Cartridges erweitert werden, beispielsweise um einen MySQL Server zur Datenspeicherung. Dem Speaker zufolge ist die öffentliche OpenShift-Variante aber lediglich eine nette Spielwiese, die heute noch nicht in echten Produktionsszenarien eingesetzt werden sollte.

Einen Einblick in die Google App Engine gab anschließend Dr. Halil-Cem Gürsoy (adesso). Hierbei handelt es sich um ein klassisches Platform-as-a-Service-Angebot, welches keinerlei Kontrolle über das Betriebssystem hat, sowie um eine Runtime für Web-Anwendungen. Gestartet 2008 mit Python, wird seit 2009 auch Java unterstützt, inzwischen auch Google Go, womit die Google App Engine übrigens einzigartig ist auf dem Markt. Auch weitere Google Services und APIs wie SPDY, Google Plus, Analytics oder Blogger können integriert werden, dazu kommt der Support für Android Apps und für JavaScript.

Zuletzt gab Matthias Steiner (SAP) dem PaaS-Angebot SAP Hana Cloud Platform die Möglichkeit, sich vorzustellen. Anders als vielleicht erwartet, basiert dieses auf Open-Source-Technologien – es setzt auf dem OpenJDK auf, nutzt anschließend den Virgo Server, Equinox und TomCat. Auch ein Eclipse-Plug-in gibt es, genauso wie die mögliche Bedienung per Kommandozeile. Mit Java (in den Versionen 6 und 7), JavaScript, Ruby und Scala werden verschiedene Runtimes und Programmiermodelle unterstützt. Der größte Vorteil für deutsche Unternehmen dürfte jedoch sein, dass die SAP Hana Cloud Platform im eigenen SAP-Datencenter in Deutschland läuft, erst in den kommenden Monaten dann wahlweise auch in den USA.

Wie Sie sehen, ist die Welt der Platform-as-a-Service-Anbieter weit und bunt. Und vielleicht hat die Java-PaaS-Parade auf der JAX 2013 einigen noch unbeholfenen Cloud-Interessierten ja dabei geholfen, das für sie richtige Angebot heraus zu filtern.

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Judith Lungstraß
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