Microsoft ist (wieder) da

Java Magazin 11.19 erschienen: Evolutionäre Architektur – Bewegung im Architektur-Genpol!

Sebastian Meyen

Wir schreiben das Jahr 1997. Microsofts immens wachsende Dominanz wird zu einer Gefahr für die IT-Branche. In seiner Überheblichkeit leistet sich das Unternehmen dann einen Fauxpas: Durch das Beimischen illegaler Substanzen (aka Windows-spezifischer UI-Klassen) verstößt Microsofts „Java SDK” gegen das Mantra der jungen Java-Community („Write once, run everywhere”). In einem Gerichtsverfahren wird entschieden: Finger weg von Java!

Schnitt. Im Jahr 2014 löst der charismatische und hochintelligente Satya Nadella den bulligen Steve Ballmer als CEO von Microsoft ab und leitet eine Wende ein. Er führt das Unternehmen zurück zu seinen Wurzeln: Anstatt Lifestyle-Unternehmen wie Apple oder Unterhaltungskonzerne wie Sony zu kopieren, konzentriert er sich aufs Geschäft mit der Enterprise-Software. Damit einher geht eine Öffnung gegenüber einer Vielzahl ehemals verfemter Technologien wie etwa Linux, Docker, JavaScript und natürlich auch Java.

Und natürlich sind ihm dabei die Millionen Java-Entwickler (Oracle spricht von neun, andere Studien von eher sieben Millionen weltweit) nicht verborgen geblieben, weshalb sein Unternehmen sich auch um die mit Hingabe kümmert:

• Java-Technologien aller Art werden in Azure unterstützt
• Java gehört zum Kanon der unterstützten Programmiersprachen in Azure Functions, Microsofts Serverless-Plattform
• Namhafte Java-Entwickler werden eingestellt: der Eclipse-Architekt Erich Gamma, Bruno Borges und Ed Burns von Oracle, der Java-Enterprise-Experte Reza Rahman

Mit jClarity hat sich Microsoft im August zwar keinen großen Player, dafür aber eine wichtige Schaltstelle in der Java-Ökonomie gesichert. Das Londoner Start-up von Martijn Verburg, Kirk Pepperdine und Ben Evans (Besuchern unserer JAX-Konferenzen als Speaker bekannt) ist Initiator der für die Java-Community wichtigen Initiative „Adopt OpenJDK”, von der eine kostenlose Java-Runtime auf Basis des OpenJDK entwickelt und aktualisiert wird, seitdem Oracles JVM (langfristig) nicht mehr frei verfügbar ist.

Microsoft spielt also nicht mehr jenseits, sondern innerhalb der Java-Welt. Und da das Java-Ökosystem seit jeher von den vielen kleine und großen Playern lebt, ist es eine gute Nachricht, wenn ein Schwergewicht so viel Java-Engagement an den Tag legt; erst recht in Zeiten, in denen Oracles Interesse an Java zurückhaltend zu sein scheint …

Bewahren wir uns aber zugleich eine gesunde Skepsis, die bei allen Unternehmen angebracht ist, die rein strukturell zum Monopolismus tendieren. Und vertrauen wir weiter auf die Resilienz des Java-Ökosystems, das stets Nährboden für Innovation ist und für Ausgleich sorgt, sollten Machtverhältnisse aus der Balance geraten.

In diesem Sinne!

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